Album:  Ali - Chaos et Harmonie .......................... Label:   45 Scientific .......................... VÖ:  Juli 2005

Seit dem legendären Lunatic Album "Mauvais Oeil" von 2000 hat man von dem MC Ali eigentlich nichts mehr gehört. Der Geschäftsmann Ali allerdings war in den vergangenen 5 Jahren alles andere als untätig. Er etablierte sein Label 45 Scientific zu einem der erfolgreichsten und stärksten Indis in Frankreichs Hip Hop Landschaft und veröffentlichte zahlreiche Alben seiner Label Artists. Viele Kritiker hatten ihm vorgeworfen er könne ohne seinen Ex Partner Booba kaum einen Longplayer auf die Beine stellen der auch nur annähernd an das Werk von Lunatic rankommen könnte. Diese Kritiker sollten nun still sein. Denn mit "Chaos et Harmonie" hat Ali jetzt sein Debüt Album released und dieses dürfte zu den besten Alben des Jahres gehören.

Die Spekulationen rissen im Vorfeld nicht ab, dass Ali auf "Chaos et Harmonie" mit seinem einstigen Kollegen Booba abrechnen würde, aber das hat er nicht getan und das hat er auch gar nicht nötig. Ali ist definitiv erwachsen geworden und so hört sich auch sein Debüt an. Zwar blickt er gerne ab und an mal zu den alten Lunatic Tagen zurück, dies macht er aber niemals von Hass oder Wut angetrieben und auch seiner grossen Liebe dem Rap widmet er hier und da, wie zum Beispiel bei "A.M.O.U.R.", einige kurze Zeilen, aber das war es auch schon mit den üblichen Hip Hop Standards. Ali`s Gedanken drehen sich um wichtigere Fragen. Um Religion, um Politik, um die gesellschaftliche Stellung von Arabern in Frankreich und vor allem um sein Leben, aus dem er einige Geschichten zu erzählen weiss. Geschichten die in 99% der Fälle nicht viel positives zu berichten haben. Ali`s Weltbild ist hart, aber eben nicht weit weg von der Realität und so rechnet er zu Beginn seines Albums erst mal mit seiner (und auch der nachfolgenden) "Generation Scarface" ab. Auch der Song "Golden Boy" vermittelt einen traurigen Blick auf die Gesellschaft und wer nach diesem Killer von einem Storyteller nicht ins Nachdenken kommt, sollte sein französisch unbedingt aufbessern.

Der Titelsong "Choas et Harmonie" beschreibt eine Art Philosophie nach der Ali lebt (oder leben musste) und selbst ursprüngliche Battle Tracks wie "Langage venimaux" (zu deutsch: Giftige Sprache) gehen noch so tief, dass man ein Stethoskop benötigt um wieder an die Oberfläche zu kommen. Aber keine Angst liebe Punchline Fanatiker. Ali hat auch diese drauf, was vor allem "Tolerance Zéro", das war übrigens die Vorab Single, beweist. Aber selbst hier gilt: Es steht immer noch etwas zwischen den Zeilen und obwohl Ali mit "Chaos et Harmonie" ein sehr intelligentes Album abliefert, bringt er es doch fertig alles klipp und klar auf den Punkt zu bringen.

Die wenigen Features (Hifi, Wallen und Escobar) auf dem Album beweisen, dass Ali keineswegs einen Partner braucht um für Unterhaltung zu sorgen. Allerdings dürfte diese Form von Entertainment für alle Partyrocker und Clubgänger ein wenig zu schwer zu verdauen sein, denn neben den Lyrics ist auch der Sound von "Chaos et Harmonie" konstant sehr düster. Die Beats erzeugen ihre einnehmende und dunkle Atmosphäre meistens dank verschiedenen Streich Instrumenten und trotzdem sind sie doch mehr als elektronisch zu bezeichnen, da eine ganze Arme von elektronischen Samples und Synthi Sounds sich unter die Streicher mischt.

Ali und seine Produzenten (wie zum Beispiel Geraldo) schaffen die Gradwanderung der beiden Stile nahezu perfekt und machen das Album dadurch auch aus Produktionsgesichtspunkten mehr als nur interessant. "Chaos et Harmonie" kratzt nicht nur an der Oberfläche, es reisst sie mit einem grollenden Unwetter komplett ein und das ist auch gut so. Der Geschäftsmann Ali hat mit diesem Album alles richtig gemacht und der MC Ali braucht sich keineswegs hinter seinem Ex Kompagnon Booba zu verstecken.

Autor: Maik Ritter




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