Wer sich von Autopsie Vol. 2 viel frisches Material vom König des Games verspricht, vielleicht sogar im Stile eines echten Albums, wird von Booba's Mixtape enttäuscht sein. Aber keineswegs weil die Qualität nicht stimmt, sondern weil B2O sich mit nur 3 exklusiven Tracks merklich im Hintergrund hält. Wer aber auch anderen Rappern eine Chance gibt, in erster Linie dem hier in den Fokus gerichteten Camp von Booba um 92I, der wird auch diesen Release ohne absehbahres Ende feiern.
Legen wir mal die insgesamt 6 Freestyle Performances von Booba ad acta. Diese bringen die Flammen zwar ebenfalls zum lodern, schliesslich spittet hier der Chef ohne jede Müdigkeit wie immer eine Killer Line nach der Anderen, aber erstens sind sie allesamt recht kurz gehalten und zweitens sollten Freunde von Cut Killer oder Hörer von Planet Rap sie schon kennen. Der "Me and you" Remix von Cassie kommt mit Booba natürlich noch sahniger, aber mitllerweile hat sich halt schon fast jeder mal in das Gästebuch dieses Tracks eingetragen. Die Intro Raps für DJ Who Kid's "Mixtape Evolution" und Mac Tyers "Patrimoine du ghetto" sind ohne Zweifel mächtige Waffen, aber eben auch schon etwas älter und die Remixe zu "Mauvais Garçon" feat. Riddla & "Hustlin'" feat. Rick Ross sind für sich stehend ganz grosses Kino, aber im Kollektiv wie aufgewärmte, alte Beziehungen. Dazu kommt noch "On sait l'faire" an der Seite von 113, was die meisten längst tot gehört haben dürften.
So gesehen ist "Autopsie Vol. 2" nur eine beeindruckende Auflistung von Leistungen die Booba paralell zu seinen bisherigen Releases abgeliefert hat. Aber richten wir unseren Blick auf die neuen Songs des Mixtapes. Wie eindringlich man eine Aussage ohne Worte in nur 12 Sekunden deutlich machen kann, zeigt uns das Intro, wenn ein vermutlich lebensfroher Student Bob Marley's Redemption Song auf der Gitarre anstimmt um wenig später erschossen zu werden......
Zwei der drei frischen Tracks von Mr. Ünkut werden dann gleich zu Beginn abgefeuert und sowohl "Garcimore" als auch "Le D.U.C." sind klare Burner mit Booba in Bestform und den wohl kompromisslosesten Synthis Europas. Der Dritte, "Tout et tout d'suite", wird gegen Ende der Tracklist serviert und obwohl auch dieses Inedit standesgemäse Klasse besitzt, könnten selbst Dirty South Freunde von der übertriebenen Elektronik verschreckt werden.
Die Songs, die "Autopsie Vol. 2" letztendlich in ein Panzer durchschlagendes Geschoss verwandeln, sind nicht die von Booba, sondern die von seinen Homies. Mag daran liegen, dass man hier vieles vom Meister bereits kennt, liegt aber auch der Tatsache zugrunde, dass die anderen Rapper auf diesem Mixtape fast alle auf einer Augenhöhe mit Booba's kaum zu toppenden Niveau agieren.
Den Anfang in dieser Hinsicht macht Mala und wer dem aussergewöhnlichen Stimmchen bzw. dem Style des 92I Mitgliedes bisher nur schwer etwas abgewinnen konnte, wird bei "Tu m'connais pas" sichtlich überrascht sein. "Nique sa mère", der exklusive Beitrag von Kennedy, ist mit der beste Track auf dem Mixtape und das will im Beisein eines Booba schon etwas heissen. Sängerin "Naadei" fällt mit freundlichem Raggae Sound bei "All i have" zwar völlig aus dem Rahmen, zeigt aber ihr Talent und Bronx Rapper Remo kann auf "Momma", einem NY Stampfer mit Vocal Sample von Queen's "Bohemian Rhapsody", mit Unterstützung von Booba glänzen.
Djé, der (noch) kleinste Fisch auf "Autopsie Vol. 2", kann mit "Quoiqu'il arrive" an der Seite seines grossen Vorbilds genauso überzeugen wie alleine auf "Monnaie dans l'crâne" und das ganz grosse Highlight des Mixtapes ist natürlich der erste, offizielle 92I Banger "Du Biff". Für ein homogenes Beisammensein sorgt der tighte Mix von DJ Mehdi Med und alle Beat Fetischisten kriegen mit den Instrumentals von "Garcimore", "Le D.U.C." und "Du Biff" noch ein besonderes Bonbon oben drauf. Gerade weil Booba sich auf seinem neuesten Werk ein wenig im Hintergrund hält und dadurch auch mal seinen Jungs das Ruder überlässt, hat er mit "Autopsie Vol. 2" absolut alles richtig gemacht.