Hierzulande ist Bakar`s Album "Pour les quartiers" zwar noch ein ziemliches No Name Produkt, in Frankreich gilt das Debüt des 25jährigen MCs aus Paris allerdings als eines der besten Newcomer Alben des Jahres 2005. Warum das so ist, wird dem interessierten Hörer relativ schnell klar. Bakar gehört zwar ebenfalls zur Generation der jungen, wilden Banlieue Bewohner, die mit wesentlich drastischeren Mitteln und Aussagen als ihre Vorgänger auf die Zustände in ihren Vierteln aufmerksam machen wollen, bei ihm ist das Ganze aber so verpackt, dass ihm auch Menschen zuhören, die nicht unmittelbar aus den "sozialen Brennpunkten" kommen.
Er vermeidet es behutsam Ghetto Klischees zu erfüllen oder Gangster Attitüden zu proklamieren, er rennt nicht schwer bewaffnet in seinen Video Clips herum und macht dennoch jedem klar, dass auch er in einem sogenannten Cité aufgewachsen ist.
Aber der geborene Algerier verherrlicht diesen Umstand nicht wie viele andere, sondern rezitiert mit tief blickenden Storylines Geschichten aus seiner Umgebung wie in "Memoires d'immigres". Einem Song, der die Eindrücke eines Kindes beschreibt, dass, zusammen mit seiner Familie, mit der harten Realität der französischen Einwanderer Politik zurecht kommen muss. Natürlich bieten solche Tracks wenig Platz für echte Bounce Produktionen, aber mit den Producern seines Labels Kilomaitre, zum Beispiel dem Ex 2 Bal 2 Neg Member Eben, hat Bakar echte Profis im Rücken wenn es darum geht, eine unvergleichbare und wie die Faust aufs Auge passende Atmosphäre zu schaffen. So bescheren nachdenkliche Zeilen wie bei "Visions" feat. Tonio Banderas oder bei "Sans artifice", mit Gast Punchlines von Frankreichs wohl politischstem MC Medine, dem Hörer genauso eine Gänsehaut wie die viel aggressiveren Killer Punchlines bei "Niquer le system". Dieser Song ist nicht nur wegen dem exzellenten Feature von Bakar`s Label Kollegen Tandem eine echte Waffe, sondern auch wegen der mit viel mehr Druck umgesetzten Produktion.
Luft holen ist derweil nicht, denn direkt im Anschluss folgt mit "On revient choquer la france" eine mit Sniper verlautbarte Kampfansage an Monsieur Sarkozy und Co.
Doch was Bakar vor allem auszeichnet ist die Tatsache, dass er nicht nur sich selbst feiert, wie bei dem guten Battle Stück "B.A.K.", sondern auch der französischen Hip Hop Kultur, deren Geschichte und ihren Helden, grossen Respekt zollt und ihr mit dem Track "Classic" ein Denkmal setzt, was in ein paar Jahren ebenfalls ein Klassiker sein sollte.
Tighte Representer wie "Mon CV" werden dank immer wieder durch schimmernder Sozialkritik nie langweilig und dass Bakar auch Club taugliche Produktionen abliefern kann, beweisst er bei "Legendaire", zusammen mit Partylöwe Lord Kossity.
Weitere prominente Features von Chiens de Paille Member Sako oder Dynam runden "Pour les quartiers" vielleicht zur positivsten Überraschung des vergangenen Jahres ab.
Auch wenn nicht die ganze Trackliste ein solches Lob verdient hat und manche Titel bereits zwischen 2001 und 2004 released wurden, bietet dieses Album genug Burner um sich problemlos den Weg in viele Plattensammlungen, MP3 Player oder Hifi Anlagen zu bahnen.
Respekt dem, der sich respektvoll empfiehlt. Bakar gehört die Zukunft.