Album:  Al Peco - Bledhard Concept 2 .......................... Label:   BCWN .......................... VÖ:  November 2006

Al Peco denkt überhaupt nicht daran, das Spiel nach vorgegebenen Regeln zu spielen. Er ist auf der einen Seite vielleicht einer der grössten Conscious Rapper Frankreichs und hat gleichzeitig einen Sound, der mit das höchste Club bzw. Chart Potential des Landes haben dürfte. Das passt nicht zusammen ? Wieso eigentlich ? Al Peco jedenfalls beweisst das Gegenteil und sein neues Street Album, der zweite Teil von Bledhard Concept, unterstreicht, dass Al Peco nur schwer in eine Schublade zu stecken ist. "Expose ma vision de rap" ist jedenfalls einer der einleitenden Sätze seines neuen Werks und diese Vision besitzt Struktur.

Es gibt mit Sicherheit nicht viele Rapper die es sich erlauben können direkt im Opener, "Kotigui", jemanden wie Mac Tyer zu kritisieren, ohne sofort gekreuzigt zu werden. Aber der symphatischen Art des Mannes aus Toulouse kann man selbst als eingefleischter Tandem Fan etwas abgewinnen und da Al Peco zu jederzeit konstruktiv bleibt und nicht abwertend wird, kann er sich das Gehör vieler gewiss sein. Auch das mit einem Augenzwinkern hingelegte "Cannibal MC" beschreibt seine Zukunftsvision des französischen Rap Games ganz gut. Denn danach werden sich bald alle Artists gegenseitig auffressen, da sie die entsprechenden Drohgebärden in aller Ausführlichkeit schon jetzt praktezieren.

Die Symbiose aus intelligenten Raps, die sich zum Beispiel mit Bamako, der Hauptstadt seiner Heimat Mali befassen und sehr groovenden, einem grösseren Publikum zugänglichen Fundamenten, wird erstmals bei "A.l.p.e.c.o" deutlich. Der erste richtige Burner kommt mit "Paradoxal". Die kopfschüttelnde Kritik an der Generation Scarface, die zu keiner Zeit den Zeigefinder auspackt, wird auf einem der melodiösesten Synthi Banger dar geboten, die in den letzten 12 Monaten das Licht am Ausgang der Produktionsstudios gesehen haben. "Parce que" ist tief, nett gemeint und raptechnisch tight, aber der von Pianos bestimmte Beat ist zu alltäglich um zu punkten. Das inhaltlich auf "Bledhard Concept 2" ohnehin ausführlich behandelte Westafrika wird dem Hörer bei "Guerriers" ft. Meiway auch musikalisch näher gebracht und wie sehr kann ein Rapper eigentlich noch Underground sein, wenn er einen offiziellen Chamillionaire Feature in Peto hat ? Das eigentlich verwunderliche am "Ridin Remix" sind die Lines von Al Peco. Der wartet hier mit einem ganz anderen Rapflow auf, als man eigentlich von ihm gewohnt ist. Aber auch diesen legt er sicher aufs Pakett und beweisst damit seine Vielseitigkeit.

"Clash lascars vs bledhards" würde ich jedem Club DJ ans Herz legen, denn wann kann man schonmal auf politische Raps das Tanzbein schwingen ? Die Wortspiele bei "Trop Nez gros" sind ohne Zweifel 1a, die Produktion liegt irgendwo zwischen "neptunischem Genie" und "def juxischem Wahnsinn". Für R'n'B Balladen mit treffenden Rap Parts hat Al Peco mit dem Remix von "TRop 2 freres" feat. Edwige genauso ein Gespühr, wie für die besten und intelligentesten Zeilen die bisher jemals an Sarkozy gerichtet worden sind. Denn Al Peco will mit "Mr. le ministre de l'interieur" den Innenminister nicht in erster Linie dissen wie alle anderen, er versucht ein ehrliches Bild der "Gegenseite" zu präsentieren, die Sarko vielleicht sogar zum Nachdenken bringen könnte. Der Track "Combien de sacrifices" feat. Kazkami ist ähnlich durchdacht und sozial kritisch, besitzt durch die fröhliche Produktion aber einen ganz anderen Charakter.

Beim zweiten Durchlauf von "Trop Nez gros", diesmal im Remix mit Unterstützung von erstklassigen Spittern wie Grodash, Taro Og, Nubi, Despo Rutti & Alpha 5.20, kommt man unweigerlich zum Urteil, dass dieser Song doch einfach nur ein hartes Brett ist. Pharrell hätte es kaum extravaganter produzieren können und ich bin davon überzeugt, bekäme dieser Song die Medienpräsenz, die ein Mr. Williams auf sich ziehen würde, die Top 3 wären das Mindeste. Was Al Peco mit "Bledhard Concept 2" abliefert, ist von vorne bis hinten ein tightes Album, welches in jeder Schicht der musikalischen Gesellschaft bestehen kann. Derbe Punchlines, abwechslungsreiche Flows, intelligente Lyrics, heisse Club Banger, wenige aber umso besser inszenierte Features und ein Produktionsniveau, welches kaum Schlaglöcher in der Trackliste aufweisst. Dieser Mann hat die Fähigkeiten für höhere Aufgaben....

Autor: Maik Ritter




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