1998 legte Busta Flex eines der meist umjubelten Debüts der französischen Hip Hop Geschichte hin, stieg umgehend an die Spitze der Szene auf und wurde von dort an als das grösste Talent des Games gefeiert. Doch seine folgenden Alben "Sexe, violence, rap & Flooze" von 2000 und "Eclipse" von 2002 konnten den hohen Ansprüchen nicht gerecht werden und der Stern des passionierten Freestylers schien schnell wieder unter zu gehen. 4 Jahre lang entwickelte sich der Hip Hop ohne ihn weiter und nun ist Busta Flex zurück. Mit seinem vierten Longplayer "La Pièce Maitresse" will er es jetzt nochmal wissen.
Nach einem eher unauffälligen Intro ruft Busta Flex dem Hörer in Erinnerung, warum er einst so unabdingbar für den Rap Francais war. Seine locker fliessenden Flows, gespuckt auf eingehende Party Tunes, kommen genauso frisch wie 1998 und haben ausserdem den Biss wieder gefunden, den sie auf seinen letzten beiden Alben vermissen liessen. Der Beat geht dabei sofort ins Ohr und Busta wendet sich mit einem charmanten Lächeln an all seine Kritiker und macht ihnen klar, dass egal was sie sagen, er immer ein Teil des Hip Hop in Frankreich sein wird. Alle Old School Besessenen werden im Anschluss bei "Sauvage" direkt die Tanzflächen entern, die Headz der jüngeren Generation dürften bei diesem wahrlich wilden Sound allerdings nur mit der Stirn runzeln. "Quoi de neuf ?" ist mehr als Gegenfrage zu verstehen, denn die Antwort, was es denn nach vier Jahren so Neues bei ihm gibt, liefert Busta Flex selbst. Auf eine gelungene und orientalisch angehauchte Club Produktion, lässt er uns wissen, dass er einiges an Weisheit und Erfahrung dazu gewonnen hat und die Ansage, dass er sich noch ein paar Skillz mehr aneignen konnte, sieht der Hörer bereits nach dem ersten Song als bewiesen an.
"Flex Fonk" ist die eigens erfundene Bezeichung von Busta Flex für seinen Style und der gleichnamige Track steht für das, was ihn so bekannt gemacht hat und für das was Busta Flex auch heute noch am besten kann: Party machen. Hier trifft die Tradition von "Le Zedou" oder "Yeah Yeah Yo" auf den zeitgemäßen Stil von 2006, der sich (wie könnte es anders sein) in heftigen Synthi's bzw. Elektro Sounds äusserst. Von diesem Konzept weicht Busta auch bei "Missile flow" nicht ab, wobei sich seine Punchlines hier als treffsicherer erweisen. Einzig das holprig wirkende Dancehall geshoute von Djam-C kommt einem, sowohl in der Hook, als auch in seiner Strophe, irgendwie fehl am Platze vor. "J'me fais rare" vermischt gekonnt melancholische Geigen Klänge mit neumodischen, elektronischen Elementen und Busta Flex erklärt seinen Fans, aus welchen Gründen er sich zuletzt so rar gemacht hat. Diese Lyrics vermitteln inhaltlich zwar den Eindruck, dass ihn das Game ein wenig müde gemacht hat, wenn dabei aber noch solche Granaten wie "Rowsfav" seinem Bleistift entspringen, fragt man sich, was er wohl noch fertig bringen könnte, wenn er hell wach wäre. Denn "Rowsfav" hat alles was ein echter Burner braucht. Tighten Flow, tighte Punchlines, eine dicke Produktion und eine Hookline, die sich das Prädikat "catchy" absolut verdient macht.
"Mon éternelle" blickt ein wenig tiefer in die Seele von Mr. Flex und spielt ein wenig weiter weg von den Wirrungen des Hip Hop Business. Mag sein, dass dieser Song, vor allem dank der Gesangshook von Trade Union, das charttauglichste Werk dieses Albums sein könnte, trotzdem präsentiert sich Busta Flex hier eher schwach. "J'aime bien ton boule" erweckt zwar nicht den Eindruck, dass der Rapper die Kurve zum gelungenen Comeback nicht mehr schafft, aber an seinem Geschmack in Sachen Beats, darf man aufgrund dieser seltsamen Konstruktion schon mal zweifeln. "Les traîtres" ist schon wieder ein ganz anderes Kaliber. Die Produktion entpuppt sich als extrem facettenreich und sehr kraftvoll und die Zeilen von Busta Flex sind die inhaltlich besten der Trackliste. "N'appelle pas la police" beschreibt mit einigem Wortwitz, warum man in Paris nicht in jeder Notlage die Polizei rufen sollte und wäre da nicht der ständige Ausruf "Yeah" und die ähnlich nervende Mundharmonika im Hintergrund, hätte auch dieser Song ein echter Höhepunkt werden können.
Vielleicht ganz gut, dass Busta bei "Non Stop" wieder die Experimentierfreude verliert und sich, auf einen nicen Beat von Sulee B Wax, wieder auf seine Stärken besinnt. Denn wenm ein MC die Fähigkeit besitzt einen Club Hit ab zu liefern, dann der Mann aus Épinay-sur-Seine. Das Busta Flex aber auch ein exzellenter Storyteller ist, zeigt er bei "Puff puff pass". Mit richtig tighten und ironischen Zeilen appelliert er an Behörden, Freunde und Familienmitglieder ihn doch rauchen zu lassen und plaudert Storys aus dem Nähkästchen, wie zum Beispiel, dass er seinen ersten Joint zusammen mit Kool Shen auf einer Reise nach New York geraucht hat. Die gefühlten 80 BPM kommen dem Konzept des Tracks dabei sogar noch zu gute.
Nach dem Outro ist sich der Hörer zwar bewusst, gerade nicht eines der besten Alben des Jahres gehört zu haben, aber die Freude überwiegt, dass ein talentierter MC wie Busta Flex sein Feuer zurück gewonnen hat. "La Pièce Maitresse" wird niemals den Status seines 98er Releases erreichen, ein engagiertes und solides Comeback ist es aber allemal. Fazit: Busta Flex ist back im Game und da gehört er verdammt nochmal auch hin.