BANLIEUE CHRONIQUES




Album:  Casey - Tragedie d'une trajectoire .......................... Label:   Dooeen Damage .......................... VÖ:  November 2006

Casey hat 2006 wirklich alles dafür getan, um ihren wohl verdienten Respekt als Solo Künstlerin einzufahren. Erst eine gute EP, dann das obligatorische Best Of Mixtape und nun ihr Debüt Album "Tragedie d'une trajectoire". Dieses fällt mit einer Trackliste von nur 12 Titeln zwar recht kurz aus, aber in diesem Fall gilt: Qualität ist besser als Quantität. Denn wer sich bisher einen Female MC der sich durch harte und sozialkritische Lyrics und einen äusserst darken Sound, sprich echtem Street Rap definiert, nicht vorstellen konnte, wird von Casey definitiv eines besseren belehrt. Schon ihr erster Streich, der Titelsong "Tragedie D'une Trajectoire", verpasst dem ein oder anderen Hörer eine tiefwurzelnde Gänsehaut und wer dunklen Rap mit viel Input zum Nachdenken sucht, weiss bereits hier, dass er den richtigen Release im Player hat.

Mit "Qui Sont Ils" und "Suis Ma Plume" hat Casey zwei heftige Strassen Banger auf ihrem Album, auf denen sie ihren präzisen Flow und ihre guten Punchlines voll zur Entfaltung bringen kann. Aber auch Tracks wie "Pas A Vendre" oder "Banlieue Nord", einer wasserdichten Widmung an ihr Quartier in Paris, lassen sich ohne Zwischenfälle gut und gerne konsumieren. Die Features auf "Tragedie d'une trajectoire" sind derweil handverlesen und erfüllen ihren Teil, um das Album abzurunden. Casey's Homies B.James & Prodige, von ihrer gemeinsamen Crew Anfalsh, spitten tighte Bars auf die Synthisizer Produktion "Ma haine" von Produzent Hery, die schon als Vorabsingle Eindruck schinden konnte. Und auch die Zusammenarbeit mit Ekoué von La Rumeur auf "On Ne Presente Plus La Famille" läuft ohne Niveau Gefälle ab, obwohl der Beat von Laloo wirklich nicht sehr spektakulär ist.

"Chez Moi" und "Je Lutte" reihen sich mehr wegen der sehr persönlichen und deepen Lyrics in die Liste der gelungenen Songs ein, als wegen der vernünftigen Produktionen und auch wenn "Une Lame Dans Ma Veste" und "Mourrir Con" nicht mehr als in Ordnung gehen, Casey hat auf ihrem Debüt genug schlagfertige Argumente, um jede kritische Beäugung zu bestehen. Der einzige Track der tatsächlich aus der Reihe tantzt ist das Schlusslicht "Quand Les Banlieusards Sortent". Die von Stofkry eingesetzten, schrägen Soundelemente könnten höchstens eingefleischte Freunde sehr experimenteller Musik erfreut auf den Plan rufen.

An die Produktionen von "Tragedie d'une trajectoire", für die hauptsächlich die Producer Hery & Laloo verantwortlich sind, haben zwar auch ein paar Elektroniker ihre Hand angelegt, der Gesamtsound ist aber eher Sample orientiert und basiert meistens auf düsteren Streicherorganen. Wer auf diesen Klang steht und den mit Abstand härtesten und ohne Zweifel mit jeder Menge Skillz ausgestatteten Female MC Frankreichs hören will, muss sich dieses Werk einverleiben. Eine Empfehlung ist es allemal wert.

Autor: Maik Ritter




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