Zwei Rapper, ein Gespann. Bislang sind Mac Kregor und Mac Tyer als Tandem in Richtung Spitze marschiert. Nach drei gemeinsamen Releases als Crew, haben beide jeweils eine Compilation verwirklicht und nach Mac Tyer veröffentlicht nun auch Mac Kregor sein Solo Debüt in Form eines Doppel (Street) Albums. Doch hier werden sich die Wege der beiden vorläufig trennen. Denn während "Le Général" Mac Tyer endgültig in die Riege der Stars der Szene katapultiert hat, wird Mac Kregor mit "Catharsis" die Strasse nicht verlassen.
An der Qualität liegt das nicht. Denn Mac Kregor ist sicherlich nicht der schwächere Spitter. Mag sein, dass Mac Tyer die grössere Zahl an Punchlines besitzt, dafür hat Mac Kregor in Sachen Flow leichte Vorteile. Um es auf den Punkt zu bringen: "Catharsis" fehlen schlicht und einfach die Hits, die auf "Le Général" zu finden sind. Aber es ist zu bezweifeln, dass Mac Kregor solche überhaupt schreiben wollte. Denn in der Psychologie bedeutet Catharsis soviel wie "sich einer psychischen Reinigung unterziehen" und wenn sich ein sozialkritischer Mensch wie Mac Kregor auskotzt, ist wenig Raum für Sex, Drugs & Rock'n'Roll gegeben. Ausserdem vertritt keiner so repressiv und unnachgiebig die Strasse wie Mac Kregor, weshalb der Unterschied in erster Linie in der Kompromisslosigkeit des Albums zu ergründen ist. Während Mac Tyer, mit Acts wie Booba oder Kery James, die grossen Namen ins Boot geholt hat, hält Mac Kregor es familiär. Nur Labelkollegen und Menschen aus seinem direktem Umfeld wie Kazkami, Benny Ruggiero oder Mauvais Présage haben es auf das Album geschafft. Während Mac Tyer die namenhaftesten Produzenten um sich versammelt hat, hielt sich Mac Kregor hauptsächlich an sich selbst und die Beatmaker von Hematom Concept. Und natürlich macht es auch einen Unterschied, ob man wie Mac Tyer bei einem Major released, oder wie Mac Kregor bei einem Indi bleibt.
Die Videosingle "Les enfants terribles" ist zwar ein Brett vor dem Herrn, aber eine solche Aggressivität lässt sich nunmal schwer in die höheren Gefilde der Charts hiefen. Denn selbst eingefleischte, im Banlieue lebende Systemgegner müssen sich fragen, ob Mac Kregor, wenn er diesen Song tatsächlich als ernstgemeinte Drohung gegen die Polizei ausspricht, den Bogen nicht überspannt. Über das musikalische Niveau sagt das natürlich wenig aus. Bretter finden sich schliesslich reichlich. Egal ob Street Banger wie "Méfie-toi" oder produktionstechnisch herausragende Tracks wie "Malmener", man möchte sich dem treibenden Sound, einer Demonstration gleich, am liebsten anschliessen und Mac Kregor bei seinem Feldzug gegen Vater Staat unterstützen.
Seine Fähigkeiten als Storyteller sind dazu unangefochten. Das unterstreichen erneut Tracks wie "Tony" oder das morbide "Eva", gegen das sich Bushido's "Janine" fast wie eine nette "Gute-Nacht-Geschichte" anhört. Wenn dann auch noch Mac Kregor und Mac Tyer, wie auf "Jamais vaincu" oder dem Remix zu "93 hardcore", wieder zusammen die lyrischen Waffen ziehen, ist ohnehin Feierabend. Allerdings macht die konstant düstere und von Schmerz durchdrungene Stimmung von "Catharsis" selbst dem härtesten Asphalt Junkie zu schaffen.
Umso erfreuter zeigt sich der Hörer, wenn er auf der zweiten CD mit einem clubigen "Marmots" und einer jamaikanischen Siesta wie "Y a pas de lézards" in Empfang genommen wird. Man muss sich zwar kurz an diesen Umschwung gewöhnen, aber besonders Mac Kregor's Raggae Ausflug funktioniert überraschend gut. Dieser Hauch von positiven Vibes erstirbt jedoch unmittelbar danach, denn wenn Mac Kregor Titel wie "Ma doctrine" oder "Autonome" zum besten gibt, bleibt wenig Platz für unpolitisches Gedankengut oder fröhliche Momente. Bereits veröffentlichte Songs wie "Clichés", "Les vérités" oder "J'ai trop de cour" reihen sich passend in die Trackliste ein und runden das Album eigentlich zu einem durchhörbaren Werk der gehobenen Klasse ab.
Nichts desto trotz: Um die vor allem textliche Härte der insgesamt 30 Tracks am Stück ertragen zu können, braucht man schon eine sehr dicke Haut und selbst wenn man auf diesen Sound steht, wünscht man sich zwischen zeitlich einen rumbrüllenden Lil Jon, damit man wieder Luft zum atmen bekommt. Die einzig aber wirklich relevante Schwäche von "Catharsis" ist seine Länge, denn eine Playlist mit etwa der Hälfte der Songs, hätte diesen Longplayer, zumindest auf den Strassen, unantastbar gemacht.