Album:  V.A. - La Cosca Team .......................... Label:   361 Records .......................... VÖ:  Mai 2006

La Cosca. Das war mehr als ein Label, weit mehr als nur ein Kollektiv. La Cosca stand für die Vorherrschaft des Rap Games und La Cosca war das Emblem, dass wir auf Klassikern wie IAM's "L'ecole du micro d'argent" oder Freeman`s "Palais de justice" wieder fanden. Doch all das ist lange her und der Name ist ein wenig in Vergessenheit geraten. Nun wollen die Väter dieses Namens seinen Geist auf ein neues beschwören. Die Jungs von IAM haben La Cosca einer Verjüngungskur unterzogen und sich mit 361 Records Artists wie den Psy 4 de la Rime, Algerino oder den Chiens de Paille verstärkt. Eine Generationsübergreifende Mixtur aus langer Erfahrung und jungendlichem Eifer, die den Release des La Cosca Teams zu einer vielversprechenden Geschichte machen sollte.

Wer sich den Sampler genauer zu Gemüte führt, wird am Ende den Begriff "Licht und Schatten" vor seinem geistigem Auge schweben sehen, denn genau das beinhaltet das von Akhenaton produzierte Street Album. Dabei fängt alles so vielversprechend an. Der Opener "La Partie Commence" von Veust Lyricist, einem der eher unbekannteren bei 361 gesignten Acts, sengt einem überraschend das Trommelfell an. Denn der MC mit der dunklen Stimme flowt mit tighten "jetzt geht die neue Zeitrechung los" Lyrics über einen derben Sythi Beat, der sich so gar nicht gezwungen modern anhört, wie einige andere Produktionen aus der jüngeren IAM Historie. Und auch "Tant Que Dieu..." von Psy 4 Chef Soprano, Sako von den Chiens de Paille und Akhenaton ist ein Volltreffer. Das trifft zwar nicht unbedingt auf den von Streichern getragenen und mit typischen Boom Bap Drums versehenen Beat zu, aber Soprano, der mit einem hammerharten Acapella Rap beginnt und Sako burnen hier mit Killer Flows und Punchlines alles weg und überflügeln dabei locker den eigentlich auch tighten Rap von Akh. Leider zeigt sich dann zum ersten Male die Schattenseite. "Cosca Crew Party" von IAM, übrigens auch schon auf Akh's "Soldats de fortune" erschienen, klingt zwar gewollt Old School, kann aber genau deswegen nur noch harte 90er Nostalgiker in Verzückung bringen. Die Bars, vor allem von Shurik'n, sind zwar weit besser als diese Kritik es annehmenm lässt, aber gerade die halbherzig vorgetragene Gesangshook lässt zu wünschen übrig.

Wenn man den Produzenten von "La Cosca Team" eines nicht vorwerfen kann, dann ist es die Vielfalt an Sounds, an abwechslungsreichen Tracks. Denn nach neumodischen Synthi Killern und Old School Block Party Flair, werfen sie Algerino einen Beat unter die Füsse, den auch Little Brother nicht besser hätte verwerten können. Klar klingt das auch nach den 90er Jahren, trotzdem ist der perfekt eingespielte Vocal Sample die ideale Untermalung für die deepen Zeilen des Ex 45 Niggaz Mitglieds. Weitaus zeitgemäser geht es bei dem vernünfitgen Representer "Tot Ou Tard" von Psy 4 Member Don Vicenzo und besonders beim Killer Track "O.2.H.3" von den Chiens de Paille zu. Beattechnische Elektro Schocks gepaart mit den, von Sako zelebrierten, besten Punchlines des Albums hauen den Hörer aus den Socken und vor allem die Twister ähnliche und von Sako völlig ungewohnte Double Time Einlage ist einfach nur der Hammer.

Aber wie gesagt, auch der Schatten zieht immer mal wieder auf und während Segnor Alonzo von Psy 4 nichts dafür kann, dass sich der Schmied seines Beats an der selben Soundquelle bedinent hat wie der Producer von Akon, macht die Produktion bei Said`s "Goutte D’espoir" kaum noch einen Sinn. Das Said singen kann leuchtet dem Hörer sofort ein, warum er das aber auf einer solch schrägen Produktion beweisen muss, die sogar einem unmelodiösen Underground MC Schwierigkeiten bereitet hätte, bleibt mir rätselhaft.

"Les Freres Castagne" von Bouga & Veust Lyricist und "Lilliput" von Akh & Soprano hören sich schon wieder wesentlich besser an, auch wenn beiden Tracks das gewisse Etwas fehlt. Das kann man von "Fou" nicht behaupten. Die Psy 4 de la Rime präsentieren sich hier gewohnt überzeugend und Soprano zeigt auf ein Neues, dass er vielleicht der kompletteste MC des La Cosca Teams ist. Bouga, den viele vielleicht noch von seinem Instrumental Burner "Belsunce Breakdown" vom Comme un aimant Soundtrack kennen, macht bei "Cui Cui" einen auf MC Jean Gab'1 und gibt sich dabei, auf ein clubtaugliches Brett, ähnlich wortwitzig wie das Original.

Bei "La ronde" kommt das La Cosca Team dann noch einmal vereint durch die Boxen und auch wenn die Produktion, mit einem aus Geigen aufgebauten Spannungsbogen, nicht wirklich ein Burner ist, packt spätestens die Hook den Hörer bei den Eiern und lässt ihn mit durchweg tighten Raps auch nicht mehr los. Ein absolut gelungener Posse Track also, aus dem die spanischen Lyrics von Don Vicenzo und die lange nicht mehr so überzeugend gespitteten Lines von Akhenaton & Shurik'n hervorstechen.

Das Album "La Cosca Team" hat zwar einige Schwächen, diese sind aber überwiegend in der Produktion und nicht bei den ausschliesslich tighten MCs zu finden, weshalb der Longplayer auch wesentlich mehr Licht als Schatten wirft. Von der jüngeren Generation des La Cosca Teams aus Marseille ist dementsprechend viel zu erwarten, dass sie von den Altmeistern aber immernoch einiges lernen können, beweisst der Solo Beitrag "J'voudrais Pas" von Freeman. Der ist nähmlich mit das heftigste Teil auf diesem Album und wirkt dabei wie IAM nach einer Frischzellenkur. In dieser Form sollte man auch die älteren Herren des Teams noch längst nicht abschreiben.

Autor: Maik Ritter




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