Album:  Various Artists - Crise des banlieues .......................... Label:   T'as ma parole .......................... VÖ:  Juli 2006

Was würdet ihr sagen ? Braucht es heut zu tage mehr Quantität oder mehr Qualität um an die Spitze des Biz zu gelangen ? Es gibt genug Beispiele die belegen, dass einfach die ständige Präsenz reicht, um ganz oben mit zu spielen. Zumindest Alibi Montana hat diese Formel für sich entdeckt, denn mal ehrlich, wer hat denn noch einen Überblick darüber, an wie vielen Releases der geborene Haitianer zuletzt beteiligt war ? Mit der Compilation "Crise des banlieues" launcht er jetzt schon wieder ein Album über sein Label T'as ma parole und ob hier nicht nur die Quantität, sondern auch die Qualität stimmt, wollen wir uns mal anhören.

Ein Intro gespickt mit Originalmitschnitten vieler Nachrichtensendungen, die über die Riots in den Banlieues berichten, umreisst die Thematik dieses Samplers. Alibi Montana höchst selbst zündet danach mit dem Titeltrack die erste Bombe. Nicht nur die treibende Produktion scheint den Hörer sofort auf die Barrikaden peitschen zu wollen, auch die wie immer sicher performten Punchlines von Mr. Montana haben es in sich. Shout Outs an so ziemlich jede "gefährdete" Stadt Frankreichs geben dem Song den letzten Schliff zum perfektionierten Street Banger. Poison und Lony tun sich dagegen sehr schwer. Schuld daran ist aber mehr der geloopte Sample von "Ma cite a cracke", der nach jeder Wiederholung nach einem Ausbruch aus dem Kreislauf schreit, dessen Bitte aber leider nicht erhört wird. "Message authentique" ist im Grunde wieder eine rund laufende Produktion, doch bevor man sich an die irgendwie schräge Stimmlage von Moubaraka gewöhnt hat, ist der Track auch schon wieder vorbei. Wäre da nicht die extrem hohe Vielfalt an verschiedenen Styles, "Departements dangereux" wäre nichts weiter als einer von unendlich vielen Street Songs. So bieten Raps von Alibi, Avok, Endo, Smoker, B.O. Digital, 8teen und Lorca aber mehr als nur den Durchschnitt.

Leider kann man das von "Ma banlieue en crise" und "On veut notre part", den Beiträgen von RS4 und Giz, nicht behaupten. Klar, solide Arbeit wird auch hier geboten, aber im Ozean von schier unendlich scheinenden Werken ähnlicher Art, können diese Beiden nun wirklich nicht hervor stechen. Wenn es nach mir ginge, würde ich wenigstens dem einen MC von B.Slio die Rente ans Herz legen, denn (entschuldigt bitte) würde man Nessbeal die Eier abschneiden und ihn unter höllischen Schmerzen zwingen zu rappen, er würde sich anhören wie einer der B.Slio Rapper bei "Choquer la france". Wie gross die qualitativen Unterschiede doch sein können, zeigt "Agressif". Denn obwohl Suzax, RR und St4, allesamt gute Homies von Sefyu, keinen besonders heissen Beat unter den Füssen haben, dropen sie durchweg brennende Lyrics über das pianolastige Instrumental und hieven den Track so auf ein wesentlich höheres Level. Das es notwengig ist, hart zu sein, will Tony dem Hörer näher bringen, aber wenn sich das genauso langweilig gestaltet, wie "Faut etre dur", dann würde ich es keinem empfehlen.

Positiv aber wenig spektakulär geht es mit Bad Boss und "Les deserites" weiter, während die "Urbaine poesie" von 8teen, ausser einer furchtbaren Hookline und einem ganz schlechten Möchtegern Premo Beat, absolut nichts reissen kann. Trotz vernünftiger Bars von Process verbale und Baabwaan geht es eher durchwachsen weiter, weil die Produktionen von "Y'a trop de probleme" und "Bleu blanc rouge" sich in erster Linie nach Abfallprodukten aus dem T'as ma parole Fundus anhören. Die Jungs von La Kombine haben sich derweil einen perversen Sample aus dem Film Gattaca gekrallt und halten die durch diesen enstandene Melancholie mit ihren Lyrics bei "Lettre du 57" gekonnt am Laufen. Echte Power kommt aber erst wieder mit "Marseille all star" ins Spiel. Das ist aber auch kein Wunder, schliesslich spitten hier die Planet Mars Profis Le Rat Luciano, Algerino, Bouga und die Jungs von Psy 4 um die Wette. Endlich kommt auch etwas qualitative Kontinuität zum Vorschein, denn auch "Pleine lune" von den T'as ma parole Artists Kheimer & Zone, im Verbund mit Sefyu, bietet Punchlines erster Güte.

Das war es dann aber erstmal mit Hightlight ähnelnden Beiträgen, denn die folgenden "A'a plus de tendresse", "Generation mafieuse" und "Le meme brute" bleiben im unteren Mittelmaß stecken und daran kann auch ein an sich tigher MC wie Salif nichts ändern. Die abschliessenden Tracks "Colere remix" feat. Alibi, Lim, Rs4, Friz, Moubaraka, Le geud & Poison und "Pour le gen.ar" feat. Lorca, Larsen & Nasme verdanken ihre Ausstrahlung einzig den charismatischen MCs. OK, ein Fan des Street Rap wird "Crise des banlieues", bis auf den Totalausfall von B.Slio, bei einer langen Autofahrt durchaus nebenbei hören können ohne abgeturnt zu sein, zu mehr reicht es bei dieser Compilation aber nicht. Vor allem weil man das Gefühl hat, dass es sich hier in Sachen Produktion um "montanische" Resteverwertung handelt. Manchmal ist Quantität eben doch nicht alles....

Autor: Maik Ritter




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