Ein sogenanntes Street Album zu bewerten ist nie ganz einfach. Die meist aus vielen Jahren zusammen gewürfelten Songs sind schwer ein zu ordnen, der heutige Stand des Künstlers oft nur schwer nach zu voll ziehen. Bei Diomay's aktuellem Werk "Parcours Du Combattant" ist das anders. Hier erkennt der Hörer auf den ersten Blick, welcher Track aus welcher Zeit bzw. von welchem Release stammt und bei 14 neuen Produktionen kann man auch nicht von einer Best Of Aufbereitung sprechen. Das Doppel Album bietet insgesamt 44 Songs und beleuchtet eindrucksvoll Diomay's Karriere. Gut, der Pariser ist bisher noch nicht wirklich aus dem Underground heraus getreten, aber wenn es nach mir geht, sollte sich das bald ändern.
Denn egal was da noch kommen mag, nach den ersten 4 Tracks hat Diomay den Hörer eigentlich schon in der Tasche. Dass hat er vor allem auch Producer Le Roumain zu verdanken, der ihm ein so gewaltiges Killer Intro geschustert hat, dass allein der Beat schon alle Kritiker aus dem Weg räumt. Das zweite Inedit, der Titelsong "Parcours du combattant" kommt wesentlich entspannter, ist aber ähnlich überzeugend. Der abgefahrene Beatlauf a la Neptunes, das verspielte und freundliche Piano und auch die lockeren und in der Hook melodiös vorgetragenen Lyrics gehen sofort ins Ohr. Dazu gesellen sich mit "Poesie" und "Hip Hop" die wahrscheinlich heissesten Songs von Diomay's erstem Album, welche unterstreichen, dass er bereits 2004 ganz genau wusste, wie man tighte Lines schreibt.
Die frischen Songs "La poule" feat. Rma2n und "Machette", wie alle Inedits wieder von Le Roumain produziert, besitzen dank derben Synthis und extravaganten Drums & Snares klares Street Hymne bzw. Clubbanger Potential und das ältere Geschütz "Maintenant ou jamais" lebt vor allem von den tighten Features von Loko & Brasco. Warum Diomay bei frühen Tracks wie dem R'n'B Killer "Changer de vie" feat. Raja oder dem neuen und ebenso chartfähigen "Personne peux test" noch keinen Hit hatte, gibt dem Hörer Rätsel auf und obwohl bei "Ace of base" sogar gleichnamige, schwedische Pop Bands gecovert werden, findet man kaum Kritikpunkte.
Egal ob nagelneue Representer wie "Mirage" feat. Ol'Nada, durchdachte Inedits wie das sehr gute "Antithèse" oder einfache aber inhaltlich richtig tighte Tracks wie "Grand Frere" von Diomay's erstem Album, auf "Parcours Du Combattant" hört sich alles sehr ausgereift an. Raptechnisch hatte es Diomay schon vor 2-3 Jahren drauf und mit einem Produzenten wie Le Roumain im Gepäck, der auch mit seinem Lean Back Remix feat. Fat Joe besten Sound abliefert, hebt sich das Niveau seiner Songs nochmal um ein gehöriges Level.
Und das war erst die erste CD.......Die Zweite widmet sich ausschliesslich Diomay's älterer Vergangenheit und kann trotz schwächerer Beats und teilweise dürftiger Soundqualität den Hörer zufrieden stellen. Dass liegt nicht nur an einigen unterhaltsamen Freestyles, sondern in erster Linie an den vielen Features. La Brigade, Nysay, Seth Gueko, Salif, Zoxea oder Diomay's Partner Granit sorgen für Abwechslung und gute Punchlines. Dabei darf man nicht übersehen, dass auch Titel wie "Poseur de bombes" absolut solide Momentaufnahmen eines Rappers sind, der sich unüberhörbar sehr viel weiter entwickelt hat. Natürlich hat auch "Parcours Du Combattant" einige recht müde Songs, aber erstens braucht Diomay seine ersten Schritte keinesfalls zu verstecken und zweitens ist dass, was er zuletzt in der Booth (und Le Roumain an den Maschinen) hinterlassen hat, aller erste Sahne. Richtig gutes Street Album von einem weit unterschätzten Artist.