Die Produktion die uns das Indi Label "Dias Music" vor die Nase setzt, könnte sich schon jetzt als eine der interessantesten Compilations des Jahres outen. Denn die 20 Tracks auf "Explicit Politik" bieten fast alles was ein gutes Album ausmacht: Einen Haufen Inedits, wuchtige Beats, derbe Punchlines, grosse Namen, heisse Newcomer und vor allem ein gutes Konzept. Dazu kommen einige äusserst ansprechende Collabos und ein paar richtige Überraschungen.
Hier wurden nicht einfach irgendwelche halbherzigen Tracks zu einem Sampler abgegeben, der Leitfaden von "Explicit Politik", die Kritik an den Regierenden des Landes, zieht sich deutlich durch jeden Track, bestimmt dessen Inhalt und der Titel des Albums wird immer wieder als Schlagwort in den jeweiligen Hooklines aufgegriffen. Aber was macht dieses Werk auch musikalisch so nennenswert ? Vielleicht die Tatsache, dass es auf sich einen bis dato völlig unbekannten MC Namens Dawa featured, der mit dem Banger "Esprit Politik" seinen Fuss defintiv im Game haben dürfte. Oder vielleicht der Umstand, dass sich ein alter Hase wie Mr. R auf "Combattant" so frisch wie schon lange nicht mehr anhört. Es mag aber auch daran liegen, dass Médine endlich mal mit Ibrah von den Bouchées Doubles kollaboriert und auf einen NY Stampfer mit dem Titel "L'arme pour changer" die Politiker so richtig zerreisst.
Gründe zu finden ist wahrlich nicht schwierig. So sind Alibi Montana's "Montre leur" und "African holocost" von den Ghetto Fabulous Aspiranten Alpha 5.20 & O'Rosko, elektronische Leckerbissen bzw. bitterböse Abrechnungen mit den ehemaligen Kolonialherrschern in Europa und damit Stomy Bugzy die Produktion von "Tolérance Zéro" unbeschadet bereiten konnte, musste er wohl vorab ein Überlebenstraining absolvieren. Planet Mars Vertreter Bouga bekräftigt mit "Madame La france" die alte Forderung seiner Fans nach einem Solo Joint und viele wird das erstmalige Auftreten von Serum Member Dany Boss, an der Seite von 6eme Sens Member L.I.K., nach dem Zerfall von IV My People mit Sicherheit erfreuen. Die meiste Aufmerksamkeit sollte allerdings das Comeback von 2 Bal auf sich ziehen, die sich, über 10 Jahre nach ihrem legendären Album mit 2 Neg, auf dem Titeltrack vielversprechend zurück melden.
Die ganz grossen Highlights hat sich der Sampler also für das Ende aufgehoben. Nicht nur wegen 2 Bal, nicht nur weil auch die Pioniere von Psykopat mit ihrer Forderung nach einem "Putsch" wieder auf dem richtigen Weg sind, sondern in erster Linie weil hier ein Mitglied der Saian Supa Crew auf einem offiziellen Rap Francais Release und auf einem nach Street klingenden Synthi Brecher seine Spuren hinterlässt.....Glaubt ihr nicht ? Dann fahrt euch mal Vicelow mit "T'as pas vu qu'ta faux". Mal abgesehen davon verdient sich Dosseh mit "Chienne de vie" endgültig den Titel des ewig dicken Features der immer noch keinen eigenen Output im Ofen hat und Mac Tyer lässt, zusammen mit der X.Plosif Click und "Kalash dans les urnes" keine Fragen in Sachen Skillz & Technik offen.
Zugegeben, Despo Rutti hat schon besseres abgeliefert als "Sors ta carte" und der nicht erwähnte Rest der Trackliste bewegt sich nur zwischen ganz ok und maximal ziemlich nice, aber wer mit so vielen Höhepunkten aufwarten kann, der darf sich auch ein paar Durchhänger leisten.