BANLIEUE CHRONIQUES




Album:  EXS - 10 ans plus tard .......................... Label:   Starting Blocks .......................... VÖ:  April 2007

"EXS ? Sagt mir etwas, aber......ach ja, der Partner von Salif". So oder so ähnlich reagieren viele Headz auf die Frage nach dem Rapper aus Boulogne und das obwohl fast jeder schon einen Track von ihm gefeiert hat. Aber eben immer nur in Verbindung mit dem Kollektiv von IV My People oder an der Seite von Nysay Partner Salif. Wie sein Albumtitel bereits verrät, will EXS, 10 Jahre nach seinem Eintritt ins Game, endlich dieses Schattendasein beenden.

Um die Vergangenheit ab zu schliessen und gleichzeitig die mit ihr verbundene Reputation von EXS noch einmal hervor zu heben, sorgt DJ Saber im Intro, mit einem ganzen Haufen klassischer Vocal Cuts, für einige Flashbacks beim interessierten Hörer. Einen besseren Einstieg als "Chaud Bouillant" hätte es danach kaum geben können, denn die antreibende Produktion schenkt EXS den ersten, knallharten Street Banger. Der Vergleich der Pariser Banlieue's mit Krisengebieten wie Palästina oder dem Irak ist zwar ein wenig zu überspitzt, dürfte aber bei 90 Prozent der französischen Hip Hop Szene genau den Nerv treffen. Der Titelsong "10 ans plus tard" wirft einen Blick zurück und schaut parallel dazu in die Zukunft, welche für EXS und Feature Salif, nach eigenen Angaben, durchaus rosig zu sein scheint.

Die Thematik des langen Marsches, des scheinbar ewigen Wartens von EXS auf seinen Durchbruch als Solo Künstler, ist allgegenwärtig, wirkt aber, wie bei "Le temps est trop long" mit Gesangsunterstützung von Krystal, keinesfalls langweilig. Und welcher Artist wäre geeigneter als Kool Shen, wenn es darum geht ein paar Weisheiten über das Leben, welches immer anders verläuft als man es plant, vom Stapel zu lassen ? Nicht nur wegen dieses überragenden Features ist "Ainsi va la vie" eines der Highlights von "10 ans plus tard".

Die vielen Trommeln und Trompeten verleihen dem folgenden Interlude einen leicht militanten Sound, auf den EXS nicht ganz ohne Beschwerden fliessen kann, dafür packt er bei "Fait Tourner", zusammen mit Issaka & Boulox, Punchlines aus, die dem brachialen Synthi Sound absolut gerecht werden. Die Produktion von "Dieu nous regarde" erinnert stark an Faf Larage's (oder jetzt auch Azad's) Prison Break Anthem. Der Unterschied ist, dass EXS keine Durchhalteparolen ins Mikro spuckt, sondern den Menschen ein bisschen mehr Toleranz einimpfen will, da "Gott uns schliesslich zusieht". Als ähnlich tief aber aufgrund des lahmen Mainsamples weniger überzeugend stellt sich "A Coeur ouvert" heraus und nach einem melodramatischen Interlude wird es mit "Corsé" wieder Zeit für einen gelungenen und von Geigen getragenen Street Representer.

Auf dem leider viel zu kurzen "Là ou on Habite" gibt EXS seinem Homie DRX die Chance sich zu präsentieren und dieser nutzt die Gelegenheit mit tighten Double Rhymes und einem beachtlich sicher sitzenden Flow. "La vie de nos HLM" mag in einigen Strassenzügen von Paris für Begeisterung sorgen, ist aber mit Abstand der durchschnittlichste Track auf dem Album. Auch Brakostyle darf sich mit einem Solo Joint auf dem Debüt von EXS verewigen und das elektronische Feuerwerk "Boyz" lässt zumindest aus leicht technoider Produktionssicht keine Wünsche offen. Trotz guter Gesangsparts von Luna R, talentierten Ragga Styles von Supa Lexx und inhaltlich hochwertiger Lyrics von EXS, findet die Trackliste mit "Enfant" einen etwas seltsamen Ausklang. Die verschiedenen Styles wirken konfus zusammen gewürfelt und auch der Beat kann mit seiner semi professionellen Westcoast Anbiederung nicht punkten.

Höhen und Tiefen hat EXS in seiner 10 jährigen Karriere genug kennen gelernt und auch der Hörer macht bei "10 ans plus tard" die Bekanntschaft mit Beiden. Aber dank 2-3 echten Bangern sollte sein Name, auch alleine stehend, nun vielen ein Begriff sein und nach dem Ende von IV My People hätte EXS, zumindest mit dem ersten Teil seines Albums, kaum eine bessere Visitenkarte für mögliche Interessenten hinter lassen können....

Autor: Maik Ritter




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