Album:  Faf Larage - Rap Stories .......................... Label:   M6 .......................... VÖ:  Februar 2007

Nicht wenige Stimmen betiteln das Comeback von Faf Larage schon jetzt als das beste Album des Jahres und um ganz ehrlich zu sein - so weit lehnen sie sich damit nicht aus dem Fenster. Die letztjährige Single "Pas le temps" hat sich unglaubliche 350.000 Mal verkauft und hält sich immer noch in den Top 20, "Rap Stories" selbst ist direkt in die Top 20 der Album Charts eingestiegen und die aktuelle Street Single "Ta meuf" wird vom Street Fanatic bis zum Old School Backpacker gefeiert. Der Erfolg gibt dem also recht, trotzdem der Versuch eines objektiven Reviews.

Klar ist: Faf Larage hat auch 8 Jahre nach "C'est ma cause" rein gar nichts von seiner Präsenz verloren. Ganz im Gegenteil tritt er mit "Rap Stories" sogar den Beweis an, dass ein Rapper auch im hohen Alter von über 40 Jahren nochmal einen Sprung in Sachen Skillz machen kann. Denn bereits die Power des Intros "La Soul dans le sang" elektrisiert den Hörer und präsentiert ihm einen Hauptdarsteller, der auf harten E-Gitarren ganz entspannt seine Vergangenheit von Soul Swing über IAM bis hin zu "Pas le temps" Revue passieren lässt. Auch wenn der popige und damit für einen Faf Larage Fan ungewohnte Sound von Tracks wie "Millionaire" oder "Une faveur" feat. Piero, inklusive melodischer Gesangseinlagen, dem ein oder anderen vor den Kopf stossen wird, sei dem Altmeister sofort verziehen, denn seine Storyteller Qualitäten sind immer noch unangefochten.

Über den Überflieger "Pas le temps" braucht man keine Worte mehr zu verlieren, weil mittlerweile jeder dieses Brett gehört haben sollte und auch der unvergleichliche Charme bzw. die aberwitzige Ironie von "Ta Meuf" wird immer noch vielen mit einem Grinsen im Gesicht stehen. Spätestens mit dem vorwärts pushenden Piano Sample von "Rap Stories Part 1" wird auch den älteren Anhängern von Faf Larage das Herz aufgehen, ohne dass die jüngeren Headz das Gefühl bekommen eine verstaubte Reinkarnation von "C'est ma cause" zu hören. Auch wenn u.a. schon David Bowie die Melodie von "Demande pardone" für seine Zwecke genutzt hat, die hier gezeigte Version ist vor allem wegen seiner lyrischen Tiefe ein Highlight mit Chart Potenzial. Leider übertreibt Faf Larage bei "C’est pas ma faute", zumindest in der Hookline, seine neu gewonne Vorliebe für roughe E-Gitarren Riffs und hält so einige Hörer davon ab, dem eigentlich guten Track zu lauschen.

1999 hätte man mich für die Schilderung einer Faf Performance auf einen Dancehall Riddim für wahnsinnig erklärt, heute ist man höchstens überrascht wie tapfer er sich auf "C’est de l’or" hält, was aber auch am professionellen Support von Tairo liegt. Die Zeitzeugen von Faf Larage's Debüt Album werden bei "Prise d’otages" in Jubelstürme verfallen, weil hier erstmals die früher unabdingbaren Geigen ins Spiel kommen und so an die grossen Tage des Planet Mars erinnern. Richtig elektronisch wird es zum ersten Mal mit "Rap Story Part. 2" und entschuldigung, dieses Monster nagt selbst dem unschuldigen Backpacker seine Hirnrinde ab und lässt ihn für einen Moment anders über Synthesizer und Co denken. Nach diesem Brett wirkt die an sich starke Produktion von "Le brancheur" fast schon zu schmächtig. Durchatmen kann man allerdings nur kurz, denn der sozialkritische Hammerschlag von "Qui on est ?" trifft genau das Sprachzentrum des Hörers und zwingt diesen in begeisterter Zustimmung mit dem Kopf zu nicken.

Zum Abschluss dieser abwechslungsreichen Reise werden aber nicht auf klassische Samples oder harte Gitarren, Geschichten erzählt oder auf monströse Synthis die Mittelfinger ausgepackt. So wie sich das für einen Mann der ersten Stunde gehört, wird zum Ende dem Hip Hop gehuldigt und wie könnte man dies besser machen als auf die Cover Version von Rappers Delight, zusammen mit DJ Cut Killer, eine Party mit dem Titel "On and On" los zu treten ? Egal welcher Gattung die Produktionen entspringen, Faf Larage scheint zu jeder Zeit in seinem Element zu sein und wirkt auch auf zeitgemässen Sounds völlig ungezwungen. "Rap Stories" ist vielleicht nicht das beste Album des Jahres, aber es ist das unumstritten durchweg tighte Comeback von einem der Grössten des Rap Francais. Bravo Monsieur Mussard !!!

Autor: Maik Ritter




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