Ganze 5 Jahre hat die Fonky Family gebraucht um einen Nachfolger für ihr so erfolgreiches und aussergewöhnliches Album "Art de Rue" zu produzieren. Ihr dritter Longplayer "Marginal Musique" hat nun nicht nur die Auflage an diesen Erfolg an zu knüpfen, sondern muss auch die Gradwanderung zwischen Planet Mars repräsentativen Sound und zeitgemäser Produktion schaffen. Dazu kommt, dass alle Fans aus Marseille sich mit dem frischen Werk der Fonky Family eine neue Kräfteverteilung im Game erhoffen, die wieder ein wenig mehr Gewicht an die frühere Hip Hop Grossmacht verteilt.
Zumindest die Mixtur der verschiedenen Stile ist der FF gut gelungen. Fast das komplette Album bietet Platz sowohl für den auf Klassik Samples basierenden, oft nostalgischen Sound aus Marseille, als auch für den synthetischen Stil der Neuzeit. Die Produktion von DJ Pone und DJ Djel vermischt simple Piano oder Violin Loops gekonnt mit ausgetüfftelten Synthis und schafft so eine Simbiose die allen Wünschen gerecht werden könnte. Aber genau das ist der grosse Makel von "Marginal Musique". Denn die grosse Stärke der Fonky Family war ihre Undurchschaubarkeit, ihr ganz eigener Sound der teilweise so experimentell war, dass eigentlich niemals jemand sich ersnsthaft traute diesen zu kopieren und das obwohl er 2001 so unglaublich erfolgreich war. Man hat ein wenig das Gefühl, dass Main Producer Pone tatsächlich versucht hat es jedem Hörer recht zu machen und dabei geht das verloren, was die FF jahrelang so ausgezeichnet hat: Ihre Orginalität und vor allem ihre Individualität.
Tracks wie "1984" oder "C'est ca ou rien" könnten theoretisch jedem gefallen, denn es sind solide gestickte Hip Hop Songs die aber mit altbekannten Mitteln arbeiten und dadurch nichts besonderes sind. Im Grunde spricht die Fonky Family das Problem selbst an. "C'est plus comme avant" spricht von neuen Zeiten, neuen Styles, neuem Leben. Von vielen Dingen die nun noch mehr abgehen als früher. Aber genau das ist nicht der Fall. Klar ist "Marginal Musique" auf einem sehr hohen Produktionslevel, aber leider eben auch auf einem, das sich zu sehr angepasst hat. Das was Sat und Co am meisten von allen hatten, fehlt ihnen jetzt am meisten: Das gewisse Etwas. Songs wie "Dans les yeux" oder "La guerre" gehen vollkommen in Ordnung, sind gute Rap Tracks und doch fehlt Beiden etwas. Der eine ist zu minimalistisch und darurch etwas langweilig, der andere wirkt mit zuvielen Sounds etwas überladen und baut so schnell ein wenig Stress im Ohr des Hörers auf.
Richtige Burner sind auf "Marginal Musique" kaum zu finden. Höchstens "Chez Nous" und "On s'invite" können durch mehr Druck echtes Feuer entfachen, was aber eher an den äusserst tighten Lyrics der MCs und nicht an den aussergewöhnlichen Beats liegt. Natürlich sind Don Choa oder Rat Luciano übertalentierte Charakterköpfe mit Skillz die nicht jeder MC an den Tag legen kann. Natürlich sind hier perfekte Bars zu finden wie bei "les affaires reprennent" die sich mit dem Musik Bizz beschäftigen und trotzdem richtig tief gehen. Natürlich dropen die Jungs Punchlines die ihres gleichen suchen wie beim Titelsong "Marginal Musique". Auch Features vermisst man nicht, denn wenn eine Crew mit Fel, Menzo, Rat Luciano, Don Choa und Sat gleich 5 so talentierte MCs in ihren Reihen hat, kommt in dieser Hinsicht die Abwechslung an Themen und Styles niemals zu kurz. Ebenso sind die vielen eingesrteuten Cuts von Pone und Djel einfach nur gut und wirken fast schon extrem orginell, da man bei vielen Rap Produktionen das Gefühl bekommt die DJs dieser Welt wären bereits ausgestorben.
Für jemanden der nicht durch das Wissen von "Art de Rue" vorbelastet ist, wird "Marginal Musique" ein richtig gutes Rap Album sein, was nicht einen schlechten Track abliefert. Für viele andere dürfte die Trackliste aber auch nicht einen wirklichen Killer zu bieten haben und für Fonky Family Massstäbe hört sich das alles viel zu einheitlich an. Der einzigste Überraschungseffekt, einst die Geheimwaffe der FF, dieses Albums ist, dass es keine Überraschungen gibt.