BANLIEUE CHRONIQUES




Album:  V.A. - Get on the floor .......................... Label:   Neochrome .......................... VÖ:  Juni 2007

Die Standarts liegen beim Pariser Indi Neochrome mittlerweile recht hoch, egal ob das die gesignten Spitter oder die vertretenen Beatmaker betrifft. Dementsprechend wird auch die Erwartungshaltung der Hörer immer grösser, wenn der nächste Release des Labels in der Pipeline liegt. Vor allem bei einer Compilation wie "Get on the floor" darf man also zurecht auf hochwertiges Entertainment hoffen. Denn darauf präsentieren sich nicht nur alle zuletzt gefeierten Mitglieder gemeinsam, auch andere, namenhafte Artists spielen eine Rolle und die French Kick Produzenten um Tony Danza sollten, nach so vielen Bomben für die Alben ihrer Neochrome Schützlinge, für ihr quasi Producer Album doch noch einige Asse im Ärmel haben.

Wenn aber ein Label, dass u.a. für seine Roughness bekannt ist, einen Sampler veröffentlicht der ganz im Zeichen der Clubs stehen soll, wirft das schon einige Fragen auf. Gut, dass mit Said & Nass-r zwei DJs den Anfang und den gesamten Mix machen, die sich auf diesem Terrain bestens aus kennen. Auch Grödash fühlt sich im Club pudelwohl und obwohl "On rentre pas", trotz Hilfe von AP (113), Handclaps und Co, nicht das Zeug zum Club Banger hat, macht der beschriebene Diskobesuch, zumindest auf Street Ebene, absolut Sinn. "Toujours fresh, toujours clean" dürfte im dreckigen Süden der Staaten überschwengliche Freude auslösen, was nicht zuletzt am Übersee Feature von "Party Animal" Big Ali liegt, der sich überraschend gut mit Acid von La Brigade ergänzt. Stellt man sich den Club als legeren Ort irgendwo im Orient vor, der einen positiven Hinterhof Charme versprüht, dann werden auch Kamelancien & Al K-Pote mit "Saccage la piste de danse" die Menschen auf die Tanzfläche locken.

Bei "Je le savais" von Disiz la Peste, Savant des Rimes und Sängerin Awa verhält es sich genau umgekehrt: Im Tempel einer stink normalen Tanzgemeinschaft könnte dieser Track locker sein Airplay finden, überall sonst outet er sich nur als etwas langweiliger Lückenfüller. Für den Club dürfte die Videosingle "Wesh alors" von Grödash & Seth Gueko schlicht und einfach ein wenig zu hart sein, für die Reputation der Beatmaker und die Ohren aller Punchline-Liebenden ist dieser Track aber genau das Richtige. Wie man es als Rapper am besten in den Club schafft, wusste Pit Baccardi schon lange bevor die Synthis den Hip Hop Sound revolutioniert haben und dass er es auch mit ihnen immer noch versteht, beweisst "Vas y bouge". Während "Hip Hop" von Nakk & Tairo höchstens noch etwas für eine krankende Dancehall Fete hergibt, ist "Viens" von Sängerin Mima das Pflichtprogramm für jede gut sortierte Club DJ Plattentasche.

Die letzte Feier von Ill scheint dagegen schon länger zurück zu liegen, denn trotz dess gut umgesetzten Samples von Chaka Kahn's "Aint Nobody" lockt "Quand je te parle", vor allem auf Grund der lahmenden Hookline, keine Tanzmaus aus der Reserve. Klassenbester ist eindeutig Grödash. Der hat das Thema der Compilation definitiv verstanden und rockt auch mit "Sweet love" feat. Toy und "Indomptable" die Hütte. Wie heiss es auf einem Dancehall Bashment zugehen kann, zeigen Ben J und Jackie von den Neg'Marrons mit "Moi j’veux". Wobei ihr Anteil daran wesentlich grösser ist, als der des eher durchschnittlichen Beats. Wenn irgendwo gefeiert wird, dürfen die hauptberuflichen Club Rocker von Facteur X natürlich nicht fehlen. Auch auf "Down Down" erzeugen Ol Kainry, Kamnouze & Jango Jack wieder umwerfende Argumente, um den Hörer zu überzeugen seine Hüften schwingen zu lassen.

Salif & Princess Anies spitten bei "Doucement" zwar echtes Feuer, als Club Animateure sind sie aber höchsens ausreichend geschult. Driver ist als Kind in den "Club Animations Topf" gefallen, kann bei "Gogo" aber nicht voll überzeugen und Nakk's abschliessendes "Les ont dit" schmeichelt zwar noch einmal seinem und dem Können der Neochrome Producer, an erfahrenen Türstehern dürfte er damit aber nicht vorbeikommen. Letztendlich schaffen es nicht alle Produktionen das Motto von "Get on the floor" umzusetzen, aber im Grunde ist hier für jeden Geschmack und jede Festivität der richtige Sound vorhanden. Nicht zwingend clubtauglich, aber unbedingt ein starkes und recht abwechslungsreiches Aushängeschild der French Kick Producer.

Autor: Maik Ritter




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