DJ Goldfingers gehört schon längst zur absoluten DJ Chef Riege in Frankreich. Seit über einem Jahrzehnt ist er nicht mehr aus der Hip Hop Szene weg zu denken, seine Mixtapes mit DJ Kost sind legendär, seine DMC Teilnahmen unvergessen und sein phänomenales Set beim Abschiedskonzert von Kool Shen wird so manchem noch in den Ohren liegen. Jetzt will der Mann aus Saint Denis auch in Sachen Produktion an die Spitze der Zunft und released, über sein eigenes Label Kayslay, sein erstes Producer Album "Les yeux dans la Banlieue".
Das Intro kommt in bester Mixtape Manier, wirft unzählige und intelligent gepickte Vocal Cuts ins Rennen und verdeutlicht nochmal die DJ Fertigkeiten von "Mr. Goldi". Zu seiner ersten Produktion kann man dann eigentlich nur eines sagen: FEIERABEND !!! Heulende Sirenen und ein dermaßen nach vorne gehender Beat, dass selbst Godzilla diesen Zug nicht stoppen könnte, treiben Rapper Nubi zu solchen Höchstleistungen an, dass er ohne Zweifel mit die derbsten Punchlines dieses Jahres spuckt. Mal abgesehen von der erdbebenartigen Basis von DJ Goldfingers, erweckt Nubi wieder einmal den Eindruck, dass er in naher Zukunft wirklich zum Mack des Business werden könnte. Killer.
Auch der zweite Track ist detailverliebte Handarbeit eines durch und durch begabten Produzenten, der Nessbeal für "Le chant du bitume" eine Grundlage schafft, die nicht nur eine Hommage an den harten Sound vergangener New Yorker Tage dar stellt, sondern auch die Kraft besitzt, die düsteren Lyrics perfekt zu transportieren. Das Youssoupha nicht gekommen ist, um im Rap Game irgendwelche Geschenke zu verteilen und nicht, um als Einwanderer den Kampf gegen die aufgezwungene Armut zu verlieren, legt er bei "Pas venu pour perdre" beeindruckend dar und die Produktion klingt sehr nach Madizm und Sec.Undo. Ein Vergleich, den DJ Goldfingers nicht zu scheuen braucht, denn sein Beat hört sich ebenso unkoventionell und treffend an, wie so viele Werke der IV My People Producer. "La rage du ghetto" von L's.Kadrille ist vielleicht ein wenig zu rough geraten. Zwar burnen die Bars von 13.Or und 16.Ar ebenso, wie die aus Cuts bestehende Hook, aber der sehr aggressive und aus sehr hoch gespielten Violinen bestehende Sample, erreicht an manchen Stellen eher den Charme einer quietschenden Schiefertafel.
Richtig nach denklich und ruhig wird es erstmals beim Titelsong "Les yeux dans la banlieue". Die dabei unweigerlich um sich greifenfe Gänsehaut hat der Hörer nicht nur den mitfühlenden Pianosounds zu verdanken, sondern vor allem den tiefen und wie immer tighten Raps von Kool Shen, dessen Partner Jeff le Nerf ihm hier in nichts nach steht. Die nächste Nackenreflexzonenmassage folgt mit "Toujours au front". James Izmad beschreibt seinen chronischen Kampf gegen alle, die sich ihm in den Weg stellen und sowohl die Hammer Produktion von Goldfingers, als auch die verdammt hoch angelegten Skillz von Izmad, machen diesen Song zu einem Kaliber, welches eine enorme Durschlagskraft erreicht. "On parle pas" überzeugt durch ein gutes Konzept von Mauvais présage & Tandem und auch wenn der Beat von "Ce style un récital", performt von Endo & Smoker, dank seiner abstrakten Soundelemente irgendwie gewöhnungsbedürftig ist, bleibt er zweifellos im Ohr hängen.
Bakar`s Beitrag "Hémorragie" ist nicht wirklich etwas besonderes, aber in jedem Fall solide und auch wenn die gesampleten Geigen von "16 mesures pour représenter" keinen aus den Socken hauen, macht die Punchline Ansammlung, beigesteuert von Larsen, Zoxea, Alibi Montana und Aketo, diesen Song zu einem weiteren Höhepunkt. Für Freunde des Minimalismus wird "C'est bleu blanc rouge" von Salif & Foto44 ebenfalls ein Highlight sein, allen, denen ein einziger Loop als musikalischer Leitfaden nicht reicht, wird diese Produktion zu eintönig klingen. 113 Member AP und die Jungs von Soundkail predigen bei "Unity" mehr Toleranz und Zusammenhalt und verbreiten damit genauso gute Laune, wie Goldfingers, der auch eine solche Thematik zu verpacken weiss. Dass die Jungs von TLF noch keine so gestandenen Profis sind, wie die meisten ihrer hier vertretenen Kollegen, fällt bei "La dalle" kaum auf und das DJ Goldfingers auch im groove sitzende Funk Produktionen a la Kayne West schmieden kann, zeigt er mit "Accroche toi à tes rêves" von Flag und B.O. Digital.
Auch wenn die beiden letzten Tracks, das dunkle "Resurection" von Mystik und der orientalische Club Sound von "93 la relève" feat. Samat, JB Walsh, RS4, R-One, Ursa Major, Silly und A bout Portant, sich nicht aus dem Mittelmaß befreien können, das Album von DJ Goldfingers ist ein echter Burner. Alleine die 2-3 angesprochenen Monster Produktionen und die damit verbundenen Performances von Nubi oder James Izmad, rechtfertigen den Kauf von "Les yeux dans la Banlieue". Wirklich schwache Tracks sind in der Trackliste nicht aus zu machen und die meisten Produktionen schreien gerade zu nach einem ähnlich erfolgreichen Werdegang, wie ihn Goldfingers als DJ bereits hinter sich hat.