Der Druck auf Grödash`s Schultern dürfte nicht gerade winzig gewesen sein, denn die Erwartungen die im Vorfeld an sein Debüt (Street) Album "Illegal Muzik" gestellt wurden, waren recht hoch. Schliesslich kommt er aus einem Umfeld, aus dem schon ein Sinik hervor gegangen ist und seine Crew "Ul'Team Atom" gilt bereits seit geraumer Zeit, als Sammelbecken für Rapper die mit überdurchschnittlichem Potenzial gesegnet sind.
Als ob Grödash von Beginn an allen eifrig gespannten Kritikern den Wind aus den Segeln nehmen will, legt er gleich mächtig laut und verdammt präzise los. Die ersten 4 Tracks geben es allen Technik Fans erst mal voll in die Fresse. Das Intro, ausgestattet mit einem dramatischen Herr der Ringe Sample, deutet die Dichte an Punchlines vorsichtig an und "Indomptable" (zu deutsch "unbesiegbar") belegt, dass Grödash in Sachen Battle tatsächlich alles andere als ein leichter Gegner sein dürfte. "J'attends mon heure" bedient sich, während der etwas tieferen aber genauso tighten Representer Bars von Grödash, an der selben Samplequelle die schon Kamel'Ancien`s "Rap de Bin Laden" veredelt hat und "Dégaine ton style" ist alleine wegen der Hammer Features von L'skadrille, Nubi, Ol'Kainry und dem Ul'team Atom, nahezu unschlagbar.
"Ghetto" beschäftigt sich mit dem Leben in eben einer solchen Gegend, das einzig wirklich heraus stechende ist dabei allerdings nur die gute Gesangshook von Felipe Silva. Auch "Ce soir" lässt in punkto Niveau nach und das obwohl Grödash beweisst, an sich überzeugendes Storytellin an den Tag legen zu können. Vielleicht liegt der Qualitätsverlust an den langsam schwächer werdenden Produktionen, denn zumindest bei "Viens tester les kings" verdirbt diese, die vollkommen ausgereiften Battle Attacken von Grödash, Scar Logan und Sinik, ein wenig. Hart aufgemuckt und gefrontet wird auch bei "Egostreet". Der Beat geht schon wieder mehr nach vorne und dass, der Ul'Team Atom Member spitten kann, unterstreicht er hier aufs Neue.
Die guten und im ersteren Falle sehr tief blickenden Konzepte von "Lettre au père Noël" und "Brazil" feat. Reeno, leiden unter den schmächtigen Produktionen und wäre hier nicht ein tighter MC als Notarzt am Werk, die Tracks wären auf halber Strecke krepiert. "Près des miens" ist dagegen ein echter Volltreffer. Hier leistet nicht nur Grödash beeindruckende Arbeit, auch der melancholische Beat bleibt im Ohr hängen. Bei dem Titelsong "Illegal Muzik" wird praktiziert, was man am besten beherrscht, nämlich das sezieren schwächerer Rapper und da sogar noch ein paar, bisher in der Hinterhand gehaltene, Techniken ausgepackt werden, stört einen auch die gewöhnungsbedürftige Produktion nicht mehr.
"Parti de rien" ft. Jango Jack bildet so etwas wie die etwas ruhiger geratene und Chart taugliche Single des Albums, spielt soundtechnisch in einer ganz anderen Welt und könnte locker auf einem R'n'B Album enthalten sein. Aber zu lange will Grödash nicht von seinem eigentlichen Thema ablenken und deshalb gehts, unterstützt von den härtesten Sythi`s des Albums und Maschinengewehr Flows von K.I.D. Butch, mit "Hip hop de loubard" wieder richtig zur Sache. "Katie" und "Dans mon monde" sind dann erstmals wirklich gelungene Tracks, die wenig bis gar nichts mit Battle Shit zu schaffen haben und "Hommage" ist dedicated an alle Grossen und verstorbenen Künstler des Musikgeschäfts. Ob ihr es glaubt oder nicht, dabei wird nicht nur der Song "The Show must go on" von Queen gecovert, nein, Grödash hat die Hook von Freddie Mercury gleich drin gelassen.
"Joue Grödash" und "Bad Boy de Paname" feat. OGB, Nakk, Smoker, Larsen, Los Monzas, Ades, Joe Lucazz & Kizito stellen einen gelungenen und passenden Abschluss der Trackliste dar, denn hier wird nochmal gespittet was das Zeug hält und das ist in jedem Fall die grosse Stärke von Grödash. "Illegal Muzik" ist ein guter "Street Rap" Release, der von der technischen Versiertheit seines Machers lebt. Um allerdings den ganz grossen Wurf machen zu können, muss Grödash lernen, seine nicht ausschliesslich auf Punchlines beruhenden Songs genauso dick zu machen, wie diejenigen, die ihn als unumstritten guten Battle MC präsentieren.