BANLIEUE CHRONIQUES




Album:  Haroun - Au Front .......................... Label:   Front Kick .......................... VÖ:  April 2007

Obwohl Haroun als Mitglied der Scred Connexion stets viel Liebe in diesem Spiel bekommen hat, ist er in der Vergangenheit niemals ausserhalb seiner Crew in Erscheinung getreten. Deren letzter, frischer Release liegt 6 Jahre zurück. Nur ein Grund warum die Wenigsten mit einem Solo Joint von Haroun gerechnet haben. Warum der Pariser mit "Au Front" nun doch sein Debüt in die Läden stellt, ist leicht zu beantworten: Er sieht sich als lyrischen Krieger, der nicht nur die Hip Hop Kultur, sondern auch seine Religion verteidigen will.

Kompromissbereit ist Haroun bei der Umsetzung seiner Ziele keinesfalls. Dirty South Produktionen und im allgemeinen synthetische Beats sind hier genauso verpönt wie Dippset Flows oder Double Rhymes. Der Sound der 13 Tracks ignoriert den Fortschritt bzw. die Entwicklung der letzten 8 Jahre, missachtet alle Trends des Games und gibt sich im gewohnten Scred Connexion Style: Einfach, samplelastig, aussagekräftig und New York bezogen. Bereits die orientalischen Töne im Intro lassen diese Schlüsse zu und hätte Premo gegen Ende der 90er den gepitchten Vocal Sample von "Par ou commencer" so verarbeitet, wäre er damit steil bergauf in den Playern der Rapublik gegangen.

Wenn ein alter Hase wie Haroun bei "Voyous" das ungeschminkte Leben eines echten Strassenjungen beschreibt, ist das trotz des eintönigen Loops noch sehr unterhaltsam und auch wenn die etwas einschläfernde Geige von "Les zonards" einem das Zuhören nicht einfacher macht, sind seine sozialkritischen Zeilen absolut hörenswert. Bei einem Release mit den Manieren dieser alten Schule ist natürlich genügend Platz für zwei ausführliche DJ Skits und sowohl DJ R Ash, als auch Cuttee B erweisen sich als wahrhaftige "Scratch Furys".

Bereits im Vorfeld hat Haroun "Sur scene" als Single ausgekoppelt und diese beschreibt sehr gut, worum es ihm bei seinem Solo Debüt geht: Um den Kern der Sache. Kein Glanz, kein Glämmer, kein Actionspektakel. Tiefsinnige und nachdenklich stimmende Lyrics nach dem Prinzip "Two turntables and a mic". "Ca part en" fügt sich vollends in dieses, für heutige Massstäbe, unspektakuläre Motto ein und bereitet dem Hörer, vor allem dank der vereinten Scred Kräfte von Haroun, Koma und Mokless, trotzdem Freude. Was "Tu parle trop" noch fehlt, bietet "Respire" zu genüge, nämlich ein gutes Konzept, welches eine energische Umsetzung gefunden hat.

Selbst einem Backpacker mit ausreichend Nostalgie dürfte der nervende Loop von "Nique le terrain" auf die selbigen gehen und zumindest die Produktion wäre ein gutes Beispiel für die Verfahrensweise "schnapp dir irgend einen halbswegs vernünftigen Sound, drück auf repeat und lass den MC retten was zu retten ist". Die "Pete Rocksche" Melancholie von "Les routes de l'osseille" nimmt den Hörer mit seiner Wärme dann aber doch wieder ein und der Gastpart von Morad komplettiert das Scred Connexion Quartett überzeugend. Die vielleicht stärkste Produktion kommt mit "Mon poster" ganz am Ende der Trackliste und Haroun nimmt, mit einiger Ironie, nochmal die aktuelle Hip Hop Szene und das Verhalten ihrer Protagonisten auf die Schippe.

Auch wenn im Hause Front Kick, dem Label von Haroun, die Zeit spätestens 1999 stehen geblieben ist und echte Highlights fehlen, sollte "Au Front" nicht nur etwas für Scred Connexion Fans oder Boom Bap Rentner sein. Denn nach den 13 Songs steigt der Hörer, mit einem positiven und stressfreien Gefühl, aus dem Auto und macht sich bewusst, dass er dieses Album, für die nächste, längere Fahrt, wohl wieder in betracht ziehen wird.

Autor: Maik Ritter




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