Müsste man sämtliche Street Rapper Frankreichs auflisten, es würde einer Volkszählung gleich kommen. Trotzdem hat es Samat in den vergangenen 2 Jahren geschafft, sich aus dieser Flut heraus zu kristallisieren. Das liegt nicht unbedingt an seinem aussergewöhnlichen Talent für grosse Technik, sondern vielmehr an seiner Authenzität.
Nach einem Street Album und dem "La Rafale" Projekt mit Larsen hat Samat nun den zweiten Teil seiner Compilation Reihe "feat. Hip Hop de Rue" fertig gestellt und bringt damit auch seinen ersten Release über Menace Records unter Dach und Fach.
Die erste Feststellung beim Hören von "Samat feat. Hip Hop de Rue Vol. 2" bezieht sich auf den Chef selbst. Denn die Entwicklung die Samat in Sachen Flow und Punchlinedichte seit dem ersten Teil von 2005 genommen hat, ist beachtlich und macht sowohl das Intro, als auch Tracks wie "Meurtrier" zu guten Aushängeschildern seines Könnens. Sieht man mal von seinem Händchen für die Wahl sicherer Street Banger Produktionen ab, erkennt man in der ersten Hälfte des Albums eine weitere Stärke von Samat: Den Blick für das Talent anderer Künstler. Egal ob es sich um den noch völlig unbekannten DSK, Homie M.Atom, das Team Korozeef & Brak oder Female MC Indésirable handelt, die Vorstellungen der Newcomer erweisen sich durchweg als positiv. Sogar der etwas zu sehr nach Booba oder Salif klingende Anonyme macht mit "Tu me parle de ça" einen guten Job und überrascht mit fortgeschrittenem Handwerk.
Die alten Menace Records Hasen Zone & Kheimer übertrumpfen deshalb, trotz einem soliden "La Rage", genauso wenig die Neulinge wie Samat selbst, der bei "Alors c'est la vie" mit englischer Gesangshook von Princesse unterstützt wird. Es mag am überladenen Beat liegen, dass Hannibal Stone eher negativ auffällt, beim Beitrag der Beton Arme ist es dann aber deutlich die mit allerlei "brrraaattt" vorgetragene Ghetto Romantik, die ihnen Steine in den Weg legt. Samat's Features mit Dany Boss bei "Des choses à dire" und mit Unité 2 Feu bei "93-91" sind dagegen düster umgesetzte und raptechnisch hochwertige Highlights.
Im Gegenteil zum ersten Teil von "Samat feat. Hip Hop de Rue", bei dem Samat noch den Support zahlreicher, prominenter Rapper gesucht hat, legt er nun den Fokus darauf, ungeschliffenen Diamanten aus den Strassen von Paris eine Chance zu geben. Ein solcher könnte die Crew Square Mo Prod sein, die auf "Mal barré" mit jede Menge Killer Flows ihren Hunger beweisst. Auch L'ami Midha ist vielleicht ein Name, den man in Zukunft öfters zu hören bekommt, denn seine Lines bei "Sombre" mit Samat sind einwandfrei. Leider sind die Versuche von Akissa, La Zone & Le Kid und vor allem von S.F.C. noch zu unsicher und holprig um ihnen mehr als guten Willen zu attestieren.
Den Abschluss des Albums bilden dann aber doch die erfahrenen Spitter. Während Larsen sich mit "La Vent" und dessen deepen Zeilen ebenso tief und nachhaltig ins Gehör des Konsumenten bohrt, enttäuschen die beiden Bonus Tracks von Samat vor allem wegen der schwachen Produktionen. An diesen kann man, in 19 Anspielpunkten zuvor, aber kaum etwas kritisieren, solange man eine aggressive Mischung aus harten Synthis und dunklen Orchester Sounds bevorzugt. Für einige Newcomer ist dieser Release mit Sicherheit ein weiter Schritt nach vorn und für die Meisten zumindest einer in die richtige Richtung. Samat selbst hat damit mehr Werbung für andere als für sich betrieben, aber auf jeden Fall ein gutes und Asphalt nahes Street Album abgeliefert.