Album:  Frenesik - Illegal Radio .......................... Label:   Frenesik .......................... VÖ:  November 2006

Erstmal zur Erklärung: Nein, "Illegal Radio" ist nicht das neue Album von 113 und nein, es ist auch nicht der zweite Solo Joint von Rim-K. Es ist vielmehr das Producer Album von Fresenik, einem Label welches in Personalunion von Rim-K und Mooch 2004 gelauncht wurde und gleichzeitig auch als deren gemeinsame Beatzschmiede bekannt ist. Soweit klar ? Gut. Das der "reimende Karim" als Rapper nichts mehr zu beweisen braucht ist so sicher wie das Amen in der Kirche, wie es aber um seine Producer Skillz, bzw. die seines Kollegen Mooch bestellt ist, versuchen wir in den nächsten 70 bis 80 Minuten heraus zu finden.

Aber soviel Zeit braucht man eigentlich gar nicht um zu einem eindeutigen Urteil zu kommen. Allein schon der von Rim-K persönlich berittene Opener "Illegal" ist ein echtes Machtwerk, welches auch in elektronischer Hinsicht ähnlich viel Kapazität vorweisen kann, wie ein ganzes Elektrizitätswerk. Mag sein, dass dieser kranke Synthi Vorschlaghammer den ein oder anderen "Ungläubigen" mehr verschreckt als in seinen Bann zieht, für jeden wahren Fan von modernen Stromschlägen ist diese Produktion aber ein kongeniales Brett. Oder wie wäre es mit "T'as le choix" ? Man nehme die Grundlagen von Dr. Dre's 92er Mörderproduktion "Nigga with a gun", restauriere und modernisiere sie mit allen Mitteln der Kunst und trete damit den Beweiss an, dass selbst eine Adaption vom grossen "Advokat" noch ein wenig mehr Druck aufbauen kann. Dazu lässt man dann noch einen Kery James in bestechender Höchstform auf den Beat los und fertig ist ein Burner aller erster Güte.

Das dritte Beispiel für die ohnehin längst untermauerten Producer Skillz von Frenesik ist das bereits auf dem Album von OGB releaste "Vitry mental". Denn auch einen treibenden und weniger düsteren Sample wie diesen können Rim.K und Mooch perfekt verarbeiten. Zugegeben, der Rest des Albums ist nicht sehr abwechslungsreich, aber der erwartet dunkle und aggressive Sound ist eben der Stil von Frenesik und generell der Trend der momentanen Rap Francais Gemeinde. Wer darauf steht, wird mit unter die Haut gehenden Produktionen wie "Rappeur de force" versorgt, auf dem Medine mal wieder mit explosiven Punchlines um sich spuckt oder von der Melancholie von "40 lignes, 40 balles" angesteckt, die von den tighten Lines von Sinik noch verstärkt wird.

Kompositionen wie "Mes mots" feat. El Tunisiano, "Mars vice" feat. Soprano oder "Micro ouvert Vitry" feat. Vitry Hall Stars sind zwar keine Augen bzw. Ohrenöffner, aber wenn man das Privileg besitzt, solche Features auf seine Beatz an zu setzen, werden auch Durchschnittsprodukte zu Street Bangern. Das gilt vor allem für Burner wie "On va te douiller". Der Sound ist quasi der selbe wie bei Sefyu's "La Legende" und der scheut sich auch nicht mit seinem Homie RR und 113 Member AP fast eine identische Hookline zu kicken. Aber als Gesamtkonzept ist das eben treffendes und hartes Chef Material.

Auch die Produktion von "Dans la peau de Tony" ist "nur" gut. Wenn aber ein Storyteller wie Le Rat Luciano den Kids darauf näher bringt, wie es sich so anfühlt tatsächlich in der Haut von Tony Montana zu stecken, nimmt das Ganze fast schon hypnotische Züge an. Mal abgesehen davon, ergänzen sich Rapper und Produktion auf "Illegal Radio" sehr oft nahezu perfekt und schaukeln das Niveau dadurch noch höher als es sowieso schon ist. So geschehen zum Beispiel bei "En Otage". Die hecktischen Hi-Hats, der finstere Sound und die Hand Clap Snare könnten in Mac Tyer keinen besseren Beatpaten finden und der unterstreicht mal wieder, dass seine Distanz zur Krone von Booba nicht mehr allzu weit ist.

Die Producer Rim.K und Mooch machen nicht alles richtig, wie beim schwachen "On veut tout prendre", können aber auch durchaus aus ihrem Terrain ausbrechen, wie beim Def Jux artigen "Passager clandestin" mit einem glänzend aufgelegten Oxmo Puccino. "Illegal Radio" ist nicht nur dank der vielen Hammer Features ein sehr gutes Album, sondern auch weil die Producer zeigen, dass sie keine Probleme haben mit der Creme de la Creme der Beatmaker Frankreichs mit zu halten. Verpackt in einen unauffälligen aber guten Mix von DJ Cream ergibt das ein Werk auf konstant hohem Niveau. Tight !!

Autor: Maik Ritter




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