Ihr kennt Intouchable nicht? Wisst nicht wer Demon1 und Dry sind? Ziemlich unwahrscheinlich, denn ich bin sicher das jeder, der sich ein wenig mit Rap Francais befasst, schon mal ein paar Lyrics von den beiden MCs, aus dem Pariser Banlieue Choisy-Le-Roi, gehört hat.
Denn sie sind seit 1996 feste Mitglieder der Mafia K'1 Fry.
Alle die das Video zu "Pour Ceux" von der Mafia kennen, werden sich mit Sicherheit an den verrückten Typ mit der Zahnlücke und den Pitbulls erinnern. Genau das ist Demon1.
Nachdem Intouchable im Jahr 2000 mit "Les Points sur Les I" ihr Debüt Album dropten, kommt nun am 28 Februar ihr zweiter Longplayer "dans le bacs".
"La vie de rêve" bietet dem Hörer genau das, was man von Mitgliedern der Mafia K'1 Fry erwarten darf. Harte Worte und böse Geschichten aus den, jedes Mal noch übleren, Banlieue`s von Paris.
Diesmal ist Choisy-Le-Roi der Tatort und somit ist dieses Viertel heute am krassesten.
Auch musikalisch gibt es nicht viel Neues von der Ghetto Front zu berichten, ausser das die harten Jungs von Intouchable, ihre umso härteren Lyrics, auf teilweise gar nicht so harten, fast schon pop tauglichen Beats abfeuern.
Ansonsten werden meist schnelle und treibende Beats, gespickt mit vielen orchestralen Sounds oder derben Synthi Monstern serviert, die Demon1 und Dry durch ihr Viertel und ihre "Traumwelt" geleiten. Das die Jungs von Intouchable nicht unbedingt die besten MCs sind, ist dazu allgemein bekannt und so können die Raps und Flows der Protagonisten, die eher schlichten und nicht besonders einfallsreichen Beats, keineswegs überragen.
Trotz all dieser Tatsachen ist dieses Album eine Empfehlung wert.
Denn nicht der musikalische Sound oder die Rap Skillz von Demon1 und Dry machen hier den Unterschied zu so vielen ähnlichen Veröffentlichungen aus. Einzig die Biographie der Beiden, die sich wie eine Lebenslinie durch dieses Album zieht, sondert sich vom Rest der "Banlieue Krieger" und deren textlichen Inhalten ab. Mal abgesehen davon, dass Intouchable schon seit 1990 im Business unterwegs sind und somit schon einiges im Rap Game erlebt haben, mussten sie im Laufe der Zeit nicht weniger als drei ihrer Mitglieder zu Grabe tragen und das im wahrsten Sinne des Wortes und keinesfalls nur metaphorisch gesprochen. Man muss also zugeben, dass diese Jungs genau wissen wovon sie reden, wenn sie über den Daily Struggle oder übers Street Life in ihrem Banlieue berichten.
Dazu kommt, dass Demon1 und Dry doch einige Geschichten zu erzählen haben, die man so noch nicht gehört hat. Allein der Eröffnungstrack "Intouchable", der den R'n'B Künstler Matt Houston featured, verdient genaueres Hinhören. Denn hier wird von einer Crew berichtet, die heute so nicht mehr existiert und deren Weg vielleicht ein ganz anderer gewesen wäre, wenn es nicht so viele Schicksalsschläge gegeben hätte. Positiv hervor zu heben ist auch der Song "Honneur aux dames" der, nicht zuletzt wegen eines treffsicheren Features von Miss Diam`s, besonders gut ins Ohr geht.
Der Track "La douleur" (der Schmerz) ringt Intouchable sogar mal ein nachdenkliches Sinnen über das Leben im Banlieue ab, welches vielleicht doch nicht nur cool ist, so wie sie es sonst immer dar stellen. Aber leider verabschieden sich Intouchable zu selten von den üblichen Klischees und so bleibt dieser Song eine Ausnahme. Trotzdem machen die vielen Ghetto Storys teilweise richtig Spass und von diesen haben Demon1 und Dry einige in Petto. Mit Hilfe von 113 und Dry`s Cousin Karlito, zelebrieren sie ihren Bad Boy Status schliesslich bis ins letzte Detail und lassen bei "Starting Bloc" und "J'ai plus d'encre" sogar ein Paar richtig gute Punchlines fallen.
Alle Mafia K'1 Fry Fans werden dieses Album mögen und alle Freunde von guten Storytellern können hier ebenfalls auf ihre Kosten kommen. Wer allerdings nach der ultimativen Punchline, einem besonders heraus ragendem Flow oder einfach etwas innovativen Ausschau hält, wird bei diesem Album vergeblich auf der Suche sein.