Album:  L's.Kadrille - Nos Vies .......................... Label:   Warner Music .......................... VÖ:  Januar 2006

Nach einer erfolgreichen Debüt EP im Jahr 2001, unzähligen Beiträgen auf grossen Compilations wie Premiere Classe oder Sad Hill, Features bei namenhaften Artists wie Pit Baccardi, Sniper oder Tandem und ihrem gelungenen "Extazik" Mixtape von 2004, war man gespannt ob L's.Kadrille das Zeug haben mit ihrem Debüt Album "Nos Vies" zu den ganz grossen des Games aufzusteigen. Zugetraut hat Rap Frankreich das den MCs 13.Or und 16.Ar allemal, denn was sie bisher abgeliefert haben zeigt, dass die Beiden mit ihrem Talent viel erreichen können.

Ein recht schräges Intro und ein erster, wenig aufsehen erregender Song "Frappe à ma porte" vermitteln dann aber den Eindruck, dass die Entwicklung zweier mit grossem Potential gesegneter MCs, durchaus auch mal stagnieren kann. Die Skillz von L's.Kadrille sprengen zwar immer noch locker den Rahmen der Mittelmäsigkeit, aber die Produktion hört sich nicht anders oder besser an, als Songs die sie bereits vor einigen Jahren aufgenommen haben.

Bei "Bons moments" gehen dem Hörer aber erstmals, wie beim Start mit einer Boing, so richtig die Ohren auf. Auf einem nach guter Laune klingenden Beat, dessen BPM Zahl ähnlich rasant wie ein Fugzeug abgeht, flowen 13.Or und 16.Ar mit Unterstützung von Sniper über eine endlich freshe Produktion und auch die Lyrics, die sich nicht die Missstände sondern die positiven Momente des Banlieue Lebens zu eigen machen, sind einfach nur tight. Im Laufe des Albums kommt man nicht an der Einsicht vorbei, dass die düsteren Songs von "Nos Vies" wie zum Beispiel "Constat des lieux" oder "Problemes" sicherlich gute Titel dar stellen, sich aber bei weitem nicht von der Vielzahl an Releases dieser Sound Kategorie absetzen können.

Im Gegenteil dazu stehen die weniger finster produzierten Songs wie das angesprochene "Bons Moments" oder der Track "Malgré tout". Die Orginalität erreicht hier eine ganz andere Stufe und die textlichen Inhalte, die trotz all dem Vorort Elend noch Hoffnungen im Leben eines dort anssäsigen aufzeigen, spielen in einer anderen Liga als die üblichen Ghetto Glorifizierungen. Was sich die Producer von L's.Kadrille bei "Un peuple, un but, une foi" gedacht haben bleibt ihr Geheimnis, denn kontstant stolpernde Gehversuche einen Dancehall Beatlauf zu bewerkstelligen, erzeugen das Gefühl, dass hier Einiges nicht rund läuft. Besonders die eingefleischten Fans der eigentlichen "Hardcore Crew" dürften bei viel zu poppig geratenen Songs wie "Ce soir on sort" feat. Jmi Sissoko, "Quand j'en ai marre de mentir" oder "Mais que veulent-elles ?" vor Schreck ihr Gesicht verziehen, wobei der an dritter Stelle genannte Song durchaus Clubtauglich ist.

Mit echten Killern wie der Banlieue Hymne "HLM" oder dem Punchline Festival mit Tiefgang "Le son de l'indépendance" feat. Sinik und Tandem werfen L's.Kadrille zwar auch extrem glühende und heisse Eisen ins Feuer, für ein uneingeschränktes Burner Album hat "Nos Vies" aber zu viele Schwächen. Die Spitze werden die beiden Jungs aus Paris mit ihrem ersten Studio Album nicht erreichen, ein gelungenes Werk ist es aber trotzdem.

Autor: Maik Ritter




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