Album:  Kalash l'Afro - Cracheur de flammes .......................... Label:   Baraka Muzik .......................... VÖ:  Mai 2007

Das zweite Street Album seiner Crew Berreta hat 2005 die Aufmerksamkeit in Marseille auf Kalash l'Afro gelenkt. 2006 folgt sein respektables Mixtape "Ghettoven", aus dem viele Features, auf erfolgreichen Compilations, für ihn resultieren. Mittlerweile ist er in ganz Frankreich ein Begriff und mit seinem Debüt Album "Cracheur de flammes" will sich der Rapper aus Berre l'Etang endgültig einen Platz unter den grossen Namen des Planet Mars sichern.

Wer Kalash l'Afro in dessen Intro "Sec-sec" zum ersten Mal hört, fühlt sich ein wenig an einen jungen Freeman erinnert. Nicht der beste Lyricist, aber ohne Zweifel ein MC mit sehr viel Emotion in der Stimme, der es trotz seiner nicht umwerfenden Technik schafft, den Hörer zu fesseln. Bis auf die derzeit anscheinend unverzichtbare Handclap Snare outet sich die Produktion des Einstiegs als klassicher Marseille Sound, der meistens Samplelastig ist und dramatisch klingt. Obwohl Kalash l'Afro beim folgenden "Cracheur de flammes" tatsächlich Feuer spuckt, spielt sich der Titelsong, welcher gleichzeitig die Videosingle dar stellt, auf einem zu blechig wirkenden Soundteppich ab, dem ein bisschen die Reife fehlt.

Der Mainsample von "R.A.S.", auf den bereits einige Aristokraten zu den Zeiten Napoleons getanzt haben dürften, macht da schon wesentlich mehr Sinn. Wenn Soprano und Kalash l'Afro sich danach als "Amadeus et Ghettoven" bezeichnen, muss über die Art der Produktion wohl nicht mehr gesprochen werden, über den Track selbst schon. Denn die Beiden bilden ein so homogenes Team, dass der Song sich leicht zu einem der Highlights des Albums aufschwingt. "Routine" und "Vendeurs de rêves" sind solide aber wenig auffällige Produktionen, wobei das Konzept des Zweitgenannten, vor allem durch den Beitrag von Le Rat Luciano, die aufziehenden Wolken ohne Regenschauer vorüber ziehen lässt.

Bei "Teknik" stehen Kalash l'Afro nicht seine durchaus zielsicheren Punchlines im Weg, sondern vielmehr sein nicht immer ganz flüssiger Flow. Für Freunde von Gesellschaftskritik, Tiefe und düster vorgetragenen Weltanschauungen wird "Le monde d'aujourd'hui" feat. Keny Arkana in jedem Fall ein Höhepunkt sein, auch wenn die Beatmaker wieder nicht besonders einfallsreich waren. Schlechte Tracks sind "J'braille" und "Chacun son biz" mit Sicherheit auch nicht, aber erst mit "Horizon lointain" und dem tighten Feature von Azyatik Member Lil Sai, kommt beim Hörer wieder etwas mehr Enthusiasmus auf.

Der durchlaufende Vocal Sample bei "Aux êtres chers" verleiht der deepen Message der Lyrics mehr Kraft, macht den Track an sich damit aber nicht wirklich aufregender. Auch wenn die verwendeten Sound Elemente einem noch von anderen Produktionen im Ohr hängen, zeichnet sich "La rage vs la machine" als bisher bestes Aushängeschild von "Cracheur de flammes" aus. Kalash l'Afro spittet mit Mystik und Lino um die Wette und die Hook Cuts von Fonky Family Member DJ Djel sind aller Ehren wert. Der Antrieb von "A vos armes" hat ebenfalls wieder mehr "Bounce-Gehalt" und stimmt die Kritiker versöhnlich. Leider gilt das nicht für "Retour de flammes", denn der eher anstrengende E-Gitarren Loop verhindert einen gelungenen Posse Track mit Berreta.

Ehrliche, erwachsene und kraftvolle Zeilen und ein echter, mit Orgeln versehener Banger Beat machen "Juste un homme", den Abschluss der Trackliste, zur vielleicht herausragensten Produktion des Albums, von dessen Sorte man sich mehr gewüscht hätte. Nach 16 Tracks hat man eher gemischte Gefühle und in erster Linie das ungestillte Verlangen nach diesem einen, überragenden Killer Track. Allerdings wäre es falsch, am Talent von Kalash l'Afro zu zweifeln. Denn das Album ist durchaus gut, nur eben nichts Besonders. Was aber nicht am Rapper liegt, sondern viel mehr an den oft nur durchschnittlichen Produktionen.

Wer aber gerne mal auf jeglichen Dirty South Bezug verzichtet und sich über fehlende Synthis nicht beschwert, der wird diesen Release als "Classic Material" des Planet Mars, wie er auch schon Ende der 90er zu hören war, vielen anderen Veröffentlichungen vorziehen.

Autor: Maik Ritter




retour