Album:  Kamelancien - Le charme en personne .......................... Label:   Nouvelle Donne .......................... VÖ:  Februar 2007

"Le charme en personne" - treffender hätte Kamelancien seinen Albumtitel nicht wählen können. Denn seien wir mal ehrlich, der beste Spitter ist der Marokkaner wahrscheinlich nicht. Aber er hat eben genau diesen Charme, dieses immer mitschwingende, spitzbübische Augenzwinkern, welches ihn von der breiten Masse an Street Rapper unterscheidet. Dazu kommt ein absolut solider Flow und sein schwer wiegender, arabischer Akzent, der seine Lyrics noch interessanter gestaltet. Ausserdem kauft man keinem anderen MC sofort ab, dass er überhaupt kein Problem damit hätte, wenn es mit der Musik nicht funktionieren würde. All diese Umstände verleihen Kamelancien eine Aura der Coolness, die wie gemacht ist, um es in diesem Rap Game weit zu bringen.

Der Style seines Doppel Street Albums drückt sich, wie erwartet, in erster Linie in wortwitzigen, oft ironischen und stets bissigen Street Bangern wie "Demain, j'arrête" oder "Retour de flammes" aus. Aber auch an ernstere Themen, auf weniger explosionsgeladene Produktionen wie es "Un jour ou l'autre tu verras" eine ist, wagt er sich heran und wirkt dabei keineswegs überfordert. Die Tatsache, dass der Name IAM hinter dem Track "Stresses" auftaucht, lässt viele Beobachter erstmal an ihrem Verstand zweifeln, denn ein Feature der lebenden Legenden aus Marseille war in den letzten 15 Jahren etwa so häufig wie Conscious Rap von Crunk Representern. Die Single "Put'1 2 son" spiegelt derweil ganz gut Kamelancien's Coolness wieder, die von einigen Hörern auch als übertriebene Arroganz interpretiert werden könnte.

Auf düsteren Geigen, wie bei "Représente", fühlt sich Kamel mit Double Time Flows genauso wohl, wie auf traurigen Pianos mit deren Unterstützung er sich bei "Suicide" an ein heikles Thema wie "Selbstmord" traut. Auch wenn der Beat von "Ouais Ouais" kein Brecher ist, dürfte dieser Song für viele Fans das Highlight der ersten Hälfte des Doppel Albums sein. Hier werden streckenweise nicht nur die heissesten Punchlines präsentiert, sondern mit Statements wie "Fuck George Bush" auch der Support der Strasse sicher gestellt. Nach etwa 20 Tracks, die sich fortwährend nach einer Mixtur aus mächtigen Synthis und dunklen Klassik Samples anhören, reisst der groovende und fast popige Sound von "Perle rare" feat. Sänger Khaman den Hörer aus der einsetzenden Apathie und erinnert ihn daran, wieder mehr auf die Lyrics zu hören. Diese sind nämlich wesentlich spannender als die teilweise recht langweiligen, weil immer gleichen Produktionen.

Tracks wie "Garde la foi" oder "On ne t'oublie pas" sind an und für sich zwar tight, bleiben aber nicht hängen und gesellen sich damit zum Grossteil des Albums, denn über heraus stechende Burner gibt es leider fast nichts zu berichten. Der Sample von Looptroop's Klassiker "Off the record" ist bei "Les autres" nur noch sehr schwer raus zu hören und kann dem Song nicht genügend Pferdestärken verleihen, um den Hörer noch einmal für sich ein zu spannen. Würde am Ende der Trackliste nicht das vorab veröffentlichte "Danse 2 guerrier" stehen, man wäre nach nun mehr 32 Songs etwas enttäuscht.

Als Fazit möchte man Kamelancien das Sprichwort "Weniger ist mehr" ans Herz legen. Vor allem der zweite Teil des Albums ist eher schwach ausgefallen und die überraschend vielen und nicht immer gelungenen Gesangsparts verschiedenster Gäste dürften nicht nur Hardcore Fans etwas verstören. Durchhören kann man "Le charme en personne" völlig problemlos, das erste Drittel gut und gerne auch desöfteren, feiern kann man es aber leider nicht.....

Autor: Maik Ritter




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