Album:  La Fouine - Aller Retour .......................... Label:   Epic .......................... VÖ:  März 2007

Wenn sich La Fouine im Opener seines zweiten Albums "Aller Retour" fragt, wer ihn denn eigentlich stoppen soll, dann lautet die Antwort wie einst 2005: Wohl nur er selbst. Denn schon damals schickte sich der unbestritten heisse Spitter an das Game im Sturm zu erobern. Doch obwohl ihm das sehr viele zutrauten und seine Fähigkeiten von fast allen Seiten sehr hoch eingestuft wurden, floppte sein Album aufgrund des zu soften, zu charttauglichen Sounds. Wenn La Fouine bei "Qui peut me stopper ?" also wieder dicke Lyrics raus posaunt, diese aber erneut auf einer Produktion plaziert die locker aus dem Hause G-Unit kommen könnte, sich dazu einer melodischen Hook bedient und der Sound keineswegs härter ist als gefordert, liefert er die Antwort auf seine Frage gleich mit.

Wohl dem, der für den Fall der Fälle mit der aggressiven Street Single "Reste en chien", unterlegt mit knallharten Synthis der Animal Sons und einem Feature von Booba, vorgesorgt hat. Generell müssten die kritischen Stimmen von einst bei Bangern wie "Banlieue sale", mit harten und asphaltnahen Killer Bars von Gued'1 & Kennedy, oder dem, den Strassenbeleg wegfräsenden "Laissez-moi dénoncer" komplett verstummen. Mal abgesehen von den Gesangseinlagen dürften die Fans auch mit "La dance du ghetto" zufrieden sein und Thematiken wie der Struggle eines Drogen Pushers bei "Ma tabatière" zielen mit Sicherheit ebenfalls genau ins Trommelfell der es rau liebenden, französischen Klientel.

Dazu gesellt sich ein zwar sanfter und gefühlvoller, aber grossartiger Song wie "Tomber pour elle", bei dem der Sample von Jay Z's "Dead Presidents" Wiederverwertung findet und bei dem die Sängerin Amel Bent für echte Gänsehaut sorgt. Auch nachdenkliche und ruhige Tracks wie "Je regarde là-haut" oder das selbstreflektierende "My life" sind Höhepunkte, die trotz Charteinschlag keine "das ist alles viel zu popig" Stimmen hervor rufen sollten.

Aber ist La Fouine, im Gegensatz zu "Bourre au son" von 2005, wirklich härter geworden und hat sein Faible für R'n'B Raps, welches in Frankreich so gar nicht akzeptiert wurde, tatsächlich abgelegt ? Die stimmigen Piano und Gitarren Samples von "Drôle de parcours" wiedersprechen jedenfalls dieser These und auch der Sound und die vielen Gesangsparts bei "C’est pas la peine" oder "Contrôle abusif" sprechen eine andere Sprache. Ausserdem bietet "Aller Retour" mit "Partout pareil" noch eine echte Ballade in der Trackliste auf und nicht nur diese macht die Klangfarbe des Albums keineswegs dunkler oder wesentlich härter als die des so heftig kritisierten Vorgängers.

Das ein elektronischer und "böser" Song aber nicht automatisch den Beifall aus den Banlieue's garantiert, legt das schwache "On s’en bat les c...s" nahe und allgemein ringt die Courage La Fouine's, sich keinen Sound aufzwingen zu lassen, eher Respekt als Häme ab. Wenn er sich bei "Quel est mon rôle ?" abschliessend auch mit der erwähnten Kritik an seiner Person beschäftigt und die Frage aufwirft, was wohl seine Rolle in diesem Spiel ist, kommen sogar einige Hardcore Freunde ins Nachdenken.

Gut, "Aller Retour" ist wiederholt Club und Chart tauglich ausgefallen, aber hier zieht ein verdammt guter Rapper einfach nur sein Ding durch und das obwohl ihm ein ganzes Land erzählen wollte wie sein Sound zu klingen habe. Mutig, abwechslungsreich und genau deswegen in fast jeder Lage tight.

Autor: Maik Ritter




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