BANLIEUE CHRONIQUES




Album:  Lalcko - Diamant Noir .......................... Label:   45 Scientific .......................... VÖ:  Januar 2007

Nein, keine Panik, dass ist nicht das Hörspiel zum König der Löwen, ihr habt die richtige CD erstanden. Lalcko stellt in seinem Intro "SZ" nur klar, wie wichtig ihm seine afrikanischen Wurzeln sind. Wie wichtig endlich ein Release in Langspielformat für den Kameruner ist, sollte klar sein. Nach drei Jahren gefüllt mit tighten Mixtape Beiträgen und Burner Singles will Lalcko auch auf langer Distanz beweisen, dass er konstant zu entertainen weiss. Ob sein Street Album "Diamant Noir" diesen Soll erfüllen kann, gilt es heraus zu finden.

Die ersten Songs "My Niggaz" bzw. "Extension du territoire" sind nette Street Representer, unterlegt mit ruhigen Klassik Samples und untermauern was eigentlich schon jeder weiss: Lalcko ist ein guter Spitter mit einem ausgeprägten Sinn für Gesellschaftskritik. "C-G" feat. M24 streift die Ruhe zwar ab, ganz ohne Bremswirkung geht aber auch diese Produktion nicht nach vorne. Nach dem "BNTH" Interlude und der damit verbundenen Boyz in the Hood Reminiszenz geht es endlich richtig zur Sache. Denn "Don et malediction", feat. 45 Label Kollege Escobar Macson, liefert das, was der Hörer von Lalcko erwartet: Einen dreckigen Street Banger. Denn wenn LAL etwas kann, dann einen an sich simpel gestrickten Beat, mit harten Punchlines und eingängigen Hooklines, in eben einen solchen zu verwandeln.

Die Produktion von "Ami d'enfance" ist für 5:21 Minuten vielleicht ein wenig zu eintönig, dafür ist die Ausdruckskraft der tiefen Lyrics hier umso grösser. Nach einem weiteren Interlude liefert Lalcko, zusammen mit M24, der leider ein wenig schläfrig wirkt, mit "Monstre" erneut einen durch Geigen bestimmten, guten Kopfnicker ab und auch wenn "Gun Fever" absolut unspektakulär verläuft, ist die Deepnees dieses Songs ein echtes Highlight. Bei "Millionnaire" feat. Seigneur de la guerre werden sich ältere Semester in die gute, alte Zeit von Pete Rock und den Artifacts versetzt fühlen, für andere mag der Sound einfach nur langweilig sein.

Als ob die Producer von Lalcko dieses Urteil geahnt hätten, bringen sie bei "Frères en crise" erstmals Synthi ähnelnde Elemente mit ein, um bei "High up" die Elektronik gänzlich von der Kette zu lassen. Die überraschenden weil englischen Lyrics von Solano sind dabei genauso nice wie der Track an sich und dass obwohl der Refrain wenig Einfallsreichtum in sich birgt. Nach Boyz in the Hood wird auch der Film New Jack City nochmal als Interlude verpackt und mit "La violence" bringt Lalcko ein klares und tightes Statement gegen Gewalt. Während "Immobiliare" noch in Ordnung geht, ist die Produktion von "Rap pour la rue" einfach zu nichts sagend und damit zu langweilig um irgend jemanden begeistern zu können. Die Vorab Single "Prestige et collections" bildet das Schlusslicht und steht genau für diese einfach gestrickten aber guten Produktionen, die Lalcko mit unverwechselbaren Lines in einen Burner verwandelt.

Auch der 45 Scientific Member wird sich jedoch eingestehen müssen, dass es etwas völlig anderes ist das gute Level einer Single auch auf Albumlänge zu halten. "Diamant Noir" ist rau, wenig aufwendig produziert und beinhaltet kaum Songs die, egal in welche Richtung, aus der Reihe tanzen. Wer aber aus einer solchen oft durchschnittlichen Produktion so ein interessantes Werk macht, verdient jede Menge Respekt und kann nach diesem Street Album, zum Beispiel mit einem echten Longplayer, sicherlich noch einiges bewegen. Das Potential ist in jedem Fall vorhanden.

Autor: Maik Ritter




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