Neues Umfeld, neues Label, neue Produzenten. Manchmal wirkt so ein Umzug wie eine komplette Frischzellenkur. Im Falle von L'Algerino scheint dieses Konzept jedenfalls auf zu gehen. Schliesslich ist sein zweites Album "Mentalité Pirate", das Erste unter dem Imprint von Six-O-Nine, recht überraschend in die Top 30 der französischen Album Charts eingestiegen. Den Wechsel von Marseille nach Paris scheint ihm also niemand übel zu nehmen und der Erfolg gibt ihm ohnehin recht.
Wenn L'Algerino, in seiner ganz persönlichen Hymne "L'Envie De Vaincre", eröffnend seinen Hunger nach mehr beschreibt, kauft man ihm diesen sofort ab. Auch wenn der verwendete Sample von John Miles "Music" beinahe an Majestätsbeleidigung grenzt, könnte selbst der Macher des Originals nicht abstreiten, dass eine Anlehnung an seinen grössten Hit kaum besser umgesetzt werden kann. Mit den melancholischen Piano Klängen und den tiefen Lyrics von "Fleur Fanée" gibt L'Algerino eine weitere, indirekte Erklärung ab, warum sich sein Style hörbar verbessert hat: Er ist schlicht und einfach reifer geworden. Die liebevoll an seine Stadt gerichteten Zeilen von "L'Enfant De Marseille" sollten ausserdem dafür sorgen, dass ihm keiner seiner alten Anhänger den Umzug in die Hauptstadt böse nachträgt. In den harten Gitarren Riffs von "Le Chant Des Pirates" oder "Entre 2 Flammes" erkennt man aber auch den Stil aus 361 Records Zeiten wieder, den er schon auf seinem ersten Album aus dem Jahr 2005 perfektioniert hatte.
"Impact 13", ein Bericht über die Strassen des Planet Mars, bildet, mit der Symbiose aus einem gut gepickten Piano Loop und perfekt ergänzten Synthis, das nächste Highlight und für Freunde von Curse's "Und was ist jetzt ?" ist die Ballade "Petit Bateau" ähnlich ergreifend. Durch das mit klassischen Orchester Sounds ausgestattete "Le Chant Des Braves" wird dem Hörer endgültig bewusst, dass L'Algerino's Vorliebe den deepen Tracks gilt. Auch wenn er bei Songs wie "Game Over" seine absolut solide Technik in den Vordergrund stellt, kann er solche Representer nicht so überzeugend an den Mann bringen, wie zum Beispiel das sozialkritische "L'Etendard". Nach dem völlig misslungenen "Johnny Hama" schafft die orientalisch angehauchte Stimmungskanone "Venga Venga" ft. Segnor Alonzo von Psy 4 de la rime sofort wieder gute Laune und mit dem unter die Haut gehenden "Liberté Conditionnée" ist schliesslich der Klimax in Sachen Deepnees erreicht.
So ein Wechsel zu Six-O-Nine bringt ausserdem den netten Nebeneffekt, nun Artists wie Sinik als Kollegen zu haben. Der macht bei "P-M" dann auch kurzen Prozess in Sachen Punchlines, findet an der Seite von L'Algerino einige Gemeisamkeiten von Paris und Marseille und geht mit gutem Beispiel voran um die Feindseligkeiten zwischen den beiden Metropolen zu beenden. Das Schlusslicht, wie könnte es anders sein, gestaltet sich noch einmal sehr aussagekräftig und auch wenn L'Algerino sich bei "L'Autoroute De La Vie" ein wenig wiederholt, sein Sinnen über das Leben ist tight und versehen mit vielen guten Metaphern.
L'Algerino hat in jeder Hinsicht hart gearbeitet um sich weiter zu verbessern. Egal ob Flows, Punchlines oder textliche Inhalte, der Mann aus Marseille hat viel dazu gelernt und stellt das auf "Mentalité Pirate" eindrucksvoll unter Beweis. Die Zusammenarbeit mit den Beatmakern von Six-O-Nine trägt dazu abwechslungsreiche und innovative Früchte und belohnt L'Algerino's Mut zum Umbruch mit einem wirklich guten Rap Album. Respekt.