Album:  Larsen - Le Dark Album : En Parallèle .......................... Label:   La R.U.E. Music .......................... VÖ:  Juni 2006

Mit seinem dritten Longplayer "Le Dark Album : En Parallèle" meldet sich Larsen aus den Tiefen der Pariser Banlieue's zurück und als Hörer darf man erstmal froh sein, dass die Ordnungshüter seltsamerweise noch nicht auf ihn aufmerksam geworden sind. Denn der Mann aus Tremblay lässt wirklich keine Gelegenheit aus, sich mit einer Waffe zu zeigen und auch mit seinen Lyrics schiesst er meistens scharf.

Leicht zu verdauende Bars sind es jedenfalls nicht, die Larsen in seinem Opener "Retour de Manivelle" zum Besten gibt und egal ob Politiker, Wanksta oder Phony MC's, sie alle bekommen erstmal ihr Fett weg. Dieses Intro wirft aber gleich noch eine andere Frage auf: Wieso steht ein so begabter MC noch immer relativ weit unten in der Rap Nahrungskette ? Denn die Punchlines trommeln hier gerade zu auf einen ein und die Energie und Emotion die Larsen in seine raue Stimme legt, liefern das letzte Quentchen um den Hörer von seinen Qualitäten zu überzeugen. Vielleicht liegt es daran, dass er nicht das Händchen besitzt, sich die richtigen Beats zu picken ? Die ersten beiden Songs untermauern diese These jedenfalls, denn sowohl die Produktion von Dr. Tahar, als auch der Beat für "Va Comprendre" von Koloss Prod gehen zwar in Ordnung, sind aber wahrlich nichts besonderes.

Aber wie das so ist mit Thesen, werden sie oft schnell wiederlegt und in diesem Fall steht dafür der Killer Sound von "Challenger". Viele verschiedene Klangelemente die perfekt zusammen laufen, bieten Larsen und dem tighten Feature von Bakari eine echte Burner Vorlage und wenn wundert das eigentlich noch, wenn auf der Produktion das Logo der Animal Sons prangert. Die Künste aus den Maschinen von Producer Less fallen dagegen wieder ins dunkelste Mittelmass ab und auch Larsen lässt bei "Danger" einen gewissen Einfallsreichtum vermissen. "Une minute c'est long" dringt erstmals tief in die Seele von Larsen vor und der dropt, auf einen guten und in der Hooline von Streichern beherrschten Beat von La Blaze, tighte und deepe Lines. Schade nur, dass die Jungs von den 400 Yens nicht mit den Skillz von Larsen mit halten können.

Tiefgründig geht es weiter und das Zusammenspiel von zwei so talentierten Rappern wie Larsen und Soprano beeindruckt bei "Dis leur" sogar eingefleischte Bling Bling Freunde, die mit solchen Tönen meistens nicht viel anfangen können. Posititv zu erwähnen ist auch der aus Cuts bestehende Refrain, den DJ Sado zwar einfach, aber präzise gemixt hat. Alle Synthi Fetischisten werden bei "Bienvenu" einen chronischen Orgasmus bekommen und wem diese Hammer Produktion von Dr. Tahar & Kako noch nicht reicht, der wird spätestens durch die kraftvollen Bars von Larsen, Samat und vor allem von Lino gekillt.

So und jetzt bitte anschnallen. Denn mit "Fatal" folgt ein Track der den Rest des Reviews erstmal wesentlich verzögert, weil dieser Banger meinen CD Player für weitere 2-3 Abspielzeiten in Beschlag nimmt. Juan Karl's Produktion haut jeden aus den Latschen und die Lyrics von Larsen, die von der tötlichen Macht der Drogen berichten und den Kids auf ziemlich aggressive Weise vor Augen halten, lieber die Finger davon zu lassen, sind einfach nur derb. Einzig der etwas schwache Feature von Amiral ist ein Wehrmutstropfen, aber nur deshalb weil Larsen hier auch flow technisch neue Geschütze auffährt und seinen Partner damit klar auf die hinteren Plätze verweisst.

Wem nach dieser Nummer noch nicht schwindelig ist, wird gleich danach mit dem nächsten Highlight bombadiert. Pure Power ist das Prädikat für den Beat von La Blaze und die harten Battle Lyrics von Larsen machen "Derniere Danse" zu einem Representer auf ganz hohem Niveau. Der Sound bleibt bei "Un oeil dans l'viseur" feat. M-Atom, Anonyme und Samat elektronisch, die Richtung wird allerdings etwas Club tauglicher. Warum Skread derzeit einer der heissesten Producer des Landes ist, beweisst er mit seinem Remix zu "Asteurci" und die melodisch hervorgehobene Hook rundet den Song zur echten Dancefloor Waffe ab, ohne dabei an Larsen's gewohnter Härte zu verlieren.

"Toujours la", die zweite Produktion von Tryss, lässt den Hörer wieder etwas durch atmen und DJ Shen geht bei "Quand j'arme", mit vielen kleinen Sounds wie dem Nachladen eines Magazins, voll auf den Waffennarr Larsen ein, der zusammen mit Samat keine Platzpatronen verschiesst. Nein, "Freestyle a l'ancienne" hat in dem Sinne nichts mit einem Freestyle Song am Hut, sondern ist eher ein politisch orientierter Track, der tighte Zeilen von Larsen, Alpha 5.20, Seven und Alino genauso beihnhaltet, wie ganz schwache 16 Bars von La Zone und DSK.

Mehrfache und etwas nervige Schusswechsel gibt es wieder bei "Ghetto Guerrier" zu hören und auch wenn Larsen's Punchlines weiter sicher treffen, sind seine diesbezüglichen Aussagen mittlerweile schon bestens bekannt. Trotzdem ist der Track einer der Besten des Albums, denn der dritte Beat aus der Schmiede von La Blaze ist, inklusive der übertriebenen Gun Shots, wie ein ewig nach vorne treibender Drill Sergant auf Aggros. Der letzte Song "Plus rien a dire" kommt noch einmal richtig gross, mächtig und dramatisch rüber und die Produktion von Koloss Prod gleicht deren anfangs schwachen Beitrag wieder aus, auch wenn man den Jungs hier nur für den guten Sample gratulieren kann und nicht für ihre Raffinesse.

"Le Dark Album : En Parallèle" ist ein sehr Energie geladenes Werk, welches mit Sicherheit eines der besten Street Alben dieses Jahres sein dürfte. Die Skillz von Larsen sind, im Gegensatz zu seinen teilweise sehr krassen Aussagen, ohnehin nicht an zu zweifeln und mit solchen Produktionen im Rücken kann er sich, um den von ihm so geliebten Battle Gedanken fort zu führen, rein musikalisch tatsächlich als Profikiller betrachten. Nicht alles trifft was schiesst, aber alleine 2-3 gezielte Schüsse von Larsen und seinen Produzenten durchbrechen jede kugelsichere Weste.

Autor: Maik Ritter




retour