Album:  La Rumeur - Du coeur à l'outrage .......................... Label:   La Rumeur Records .......................... VÖ:  April 2007

Willkommen in der Parallelgesellschaft. Warum ? Weil La Rumeur schon immer ein wenig neben der Szene existiert haben und trotzdem der Erfolg auf ihrer Seite war. Weil sie schon immer hohe politische Ansprüche hatten und trotzdem einen Major Deal bekamen. Und vor allem weil es sich bei Ekoué und Co um promovierte Studenten handelt, die trotzdem auf eine Street Credibility blicken können, um die sie so mancher Banlieue Hardliner beneiden dürfte.

Ihr Sound war schon immer anders, eigentlich mit nichts aus Frankreich vergleichbar und das macht ein Review über ihr drittes Werk "Du coeur à l'outrage" nicht einfacher. Im Vorfeld dachten einige, La Rumeur wären nach den vielen und der einen grossen Klage, nach dem Verlust des Majordeals wahrscheinlich etwas ruhiger geworden. Aber dem ist nicht so. Ihr erster Indi Release seit 8 Jahren wirkt mehr denn je wie ein aggressiv vorgetrangenes Programm einer politischen Partei oder besser Splittergruppe. Die Produktionen gestalten sich von Beginn an ähnlich bedrohlich wie die Gesellschaft, die La Rumeur im Laufe ihres Albums zeichnen.

Oft etwas verzerrt, meist in die Enge treibend, immer experimentell und sich niemals auch nur einen feuchten Dreck um angesagte Trends scherend. So könnte man die Arbeit der Beatmaker von "Du coeur à l'outrage" beschreiben und nichts anderes haben wir von ihnen erwartet. Bei "Comme de l'uranium" zum Beispiel, fühlt man sich, als ob man tatsächlich neben einer Uran anreichernden Zentrifuge steht und hätten Portishead den Beat von "Non sous titré" auf ihrem Longplayer, würde das keinen wundern. Trip Hop ? Rap ? Elektro ? Schubladendenken fällt bei La Rumeur besonders schwer und vielleicht macht genau das ihr Werk besonders wertvoll.

Ihre Courage und ihr rebellischer Geist scheint durch die endlosen Gerichtsverhandlungen jedenfalls nicht abhanden gekommen zu sein. Denn wer, nach einer landesweit über Jahre diskutierten Klage wegen angeblicher Aufforderung zum Polizistenmord, einen Track wie "La meilleure des polices" vom Stapel lässt, muss zwangsläufig erheblich dicke Eier haben. Betrachtet man das Ganze einfach nur aus musikalischer Warte, bringen La Rumeur mit "En vente libre" einen unerwarteten und nach Orient klingenden Burner ins Spiel, der auch politisch unmotivierte Hörer fesseln wird.

"Quand la lune tombe" könnte das politisch wesentlich ambitioniertere Gegenstück zu Massiv's "Wenn der Mond in mein Ghetto kracht" sein und schon nach zwei Sätzen dürfte die bitterböse, sozialkritische Keule "Qui ça étonne encore" jeden im Sack haben, der die Politiker dieser Welt für nicht ganz aufrichtig hält. Es mag sein, dass der oft stockende und nicht immer on point scheinende Flow von Ekoué, Hamé, Philippe und Mourad den ein oder anderen abschrecken mag. Dieses Handicap kompensieren La Rumeur aber mit einem selten so vernommenen, extrem grossen Wortschatz und einer Ausdruckskraft, die ihre Wirkung nicht verfehlt.

Fast schon philosophische Ausmasse haben Songs wie "Du sommeil, du soleil, de l'oseille" und selbst wenn auch mal gebattlet oder representet wird, die Lyrics haben immer einen Hintergedanken, der stets ein höheres Ziel und einen anderen Gegner verfolgt als den ewig wacken Wankster oder Rapper. Egal ob Sample Nostalgiker, Def Jux Fan oder Synthi Junkie, alle bekommen hier eine Nadel in den Arm gerammt, auch wenn auf "Du coeur à l'outrage" wirklich nichts nach Gangstarr, El-P oder gar Dirty South klingt. La Rumeur machen, anders kann man es kaum sagen, intelligente Musik für Erwachsene, die mit Highlights wie "Que dit l'autopsie ?" auch Zerstreuung suchende Teenager zum nach denken bringen kann. Für Mr. Ottonormal ist der Sound dieses Albums vielleicht etwas zu abstrakt und das Gesagte etwas zu schwer verdaulich, aber das nahm man auch schon bei den Vorgängern dieses Manifestes an......Kurz und knapp: In meinen Augen das beste Album von La Rumeur und um es hier für passend zu formulieren: Es lebe die Revolution....

Autor: Maik Ritter




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