Album:  Lunatic - Black Album .......................... Label:   45 Scientific .......................... VÖ:  Februar 2006

Als der Release von Lunatic`s Black Album angekündigt wurde, war die Aufregung gross. Zwar war jedem klar, dass Booba und Ali nicht wieder zu einander gefunden hatten, aber die Aussicht auf bisher unveröffentlichte Tracks von einem der legendärsten und erfolgreichsten Rap Duos aller Zeiten, liess die Euphorie in Sekundenbruchteilen in unermessliche Höhen steigen. Nach der Klage von Barclay, dem damit verbundenen Pressewirbel und dem überraschenden Sieg von 45 Scientific vor Gericht, ist es nun endlich da: Das Black Album von Lunatic.

Ein kurzes aber treffsicheres Intro belichtet die grosse Vergangenheit der Crew und die Vorfreude des Hörers treibt dessen Herzschlag in fast ungesunde Sphären. Der erste Song, Part 1 von Lunatic`s erster "Mauvais Oeil" Single "Pas l'temps pour les regrets" dürfte selbst eingefleischte Fans vor den Kopf stossen. Denn diese erste Version ist zwar bereits auf einem Mixtape erschienen, kennen werden diesen Song aber nur die Wenigsten. Der Sound bleibt zwar auf einem dreckigen Mixtape Niveau, trotzdem lacht das Herz dank dieses ersten, netten Teasers. Die erste Bombe zündet direkt im Anschluss: "Tony Coulibali", Solo Track von Booba mit dem Prädikat Inédit und damit erster unrelased Song des Black Albums. Die Produktion ist, mit einem Beatgerüst in alter Boom Bap Tradition und einem hochgepitchten Vocalsample, an sich nichts besonderes. Aber die technisch versiertere Hälfte von Lunatic nochmal auf einem solchen Beat flexen zu hören macht einfach nur Spass.

Mit "Avertisseur Part 1" folgt ein Song dem man sein Alter deutlich anhört und der nur dank tigher Lyrics und aufkommender Nostalgie, nicht aber durch Soundqualität oder Producerhöhenflüge überzeugen kann. Mit "Fusion" ist die nächste Perle aber nicht weit. Die Vereinigung mit Ärsenik und die damit entstandene Fusion der wohl derbsten Punchline Spitter der 90er ist auch für heutige Standarts noch ein echter Burner und allemal ein längst verloren geglaubter Klassiker. Trotzdem bleiben viele Stücke der Trackliste, wie zum Beispiel "Civilise Part 1" oder die "B.O." Version vom ersten Generaldo Tape, nichts weiter als ein melancholischer Blick auf eine Zeit, in der auch der simpelste Loop als produktionstechnische Heldentat durchgehen konnte. Ganz im Gegensatz dazu stehen Songs wie "Ni strass, ni paillette Part 2", die trotz ihres Jahrgangs richtig frisch klingen und nicht nur Wiedersehensfreude verbreiten.

Der zweite bis dato unveröffentlichte Track "Recoltes ce que tu sèmes", diesmal Ali`s Solo, zeigt die tiefere Hälfte von Lunatic zwar in guter Form, ist aber kein Vergleich zu dessen Leistungen auf "Choas et Harmonie". Die mit weitem Abstand vorne liegenden Höhepunkte des Black Album`s sind die 4 Live Versionen von Klassikern wie "Le crime paie" oder "Si tu kiffes pas", die die Stimmung und den Zeitgeist echter, grosser Rap Geschichte perfekt eingefangen haben. Der letzte Song der Marke unreleased "L.U.N.A.T.I.C" könnte locker eine verspätete Hymne werden, würde der Klassik Loop etwas mehr Power in sich bergen. Alles in allem gibts hier tatsächlich nur drei "neue" Stücke und die sind bei weitem nicht das Sahnehäubchen des Albums. Aber trotz dessen und trotz teilweise schwachem Sound ist das Black Album ein sehr gut gelungenes Denkmal für eine der wichtigsten Crews der französischen Rap Historie und wenn die Vergangenheit so gut aussieht bzw. sich so gut anhört, blickt und hört man äusserst gerne zurück.

Autor: Maik Ritter




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