So manch durchschnittlicher MC oder Producer könnte schon einen Fluch in richtung Himmel stossen, weil er die Verteilung von Talent, in Betrachtung des Tandem Gespanns, für ungerecht hält. Denn das die beiden Jungs aus Aubervilliers erstklassige MCs sind steht längst ausser Frage und nun kommt man auch nicht mehr darum sie als Top Produzenten zu bezeichnen. Letztes Jahr bewiess Mac Tyer uns das noch mit seiner "Patrimoine du ghetto" Compilation, jetzt legt sein Partner Mac Kregor sein Producer Album "Insurrection" nach.
Darauf wird nicht lange gefackelt. Mit dem Intro hält man sich gar nicht lange auf, konzipiert es auf 20 Sekunden und überlässt Nubi die Ehre, mit "Choquer la France", die ersten Worte ans Publikum zu richten. Diese sind, ganz den Ansprüchen des Producers genügend, wieder mal äusserst hart und nicht besonders freundlich an die französische Regierung und Obrigkeit gerichtet. Der Beat des Openers geht dabei mit harten Gitarren Riffs voll in die Offensive und liefert Nubi eine gute Basis, um den Hype um sein derzeitiges Gespitte weiter aus zu bauen. Der erste echte Burner folgt vom Chef persönlich. Mac Kregor teilt sich bei "Emeutiers" das Mic mit Lino und allein schon diese Kombination birgt Faszination. Die politisch angehauchten Representer Lyrics sind inhaltlich zwar nichts neues, rein technisch gesehen aber auf höchstem Niveau und die Produktion dieser ersten Single Auskoppelung verleiht einem während der Hook ein Gefühl des gemächlichen Abhebens.
"Insurgé" von Kazkami ist ein sehr verhaltener Track und fällt durch das lahme Beatgerüst kaum auf, einzig der Refrain kann überzeugen. Während man sich hier also eher der Langeweile zu wendet, legt "Dommages" den Hörer sofort in Ketten und zwingt einen geradezu dem guten Konzept sein Ohr zu leihen. Kein Wunder, denn wenn zwei Experten in Sachen Storytellin wie Sinik und Bakar auf einander Treffen, ist ein gutes Ergebnis fast schon garantiert.
Die musikalisch ruhigeren Töne von "Ici Bas" kennt man von Tandem eigentlich nicht und die gesungene Hookline ist erstmal gewöhnungsbedürftig. "Dans les flammes" von Hiroshimaa und "La théorie du Kaos" von Mac Kregor sind gelungene Hardcore Rap Geburten, die Raps agressiv und vor Bitterkeit und Wut triefend, die Produktionen düster und mit vielen Sounds versetzt, aber trotzdem können sich Beide nicht aus dem Mittelmaß solcher Tracks frei schwimmen.
Das Black Renega von Sniper sowohl die Kunst des Punchline orientierten Spittens, als auch den melodisch vorgetragenen Raggae Style beherrscht, beweisst er einmal mehr bei "Victimes des circonstances". Mehrere Beispiele für Schicksale, in denen Menschen durch unheilvolle Umstände zu Opfern geworden sind, zeigt er uns eindrucksvoll auf und die vielen Xylophon artigen Sounds verleihen dem Song das passende Gewand. Ein ganzes Streicher Ensemble hat Mac Kregor während dessen den Jungs von Nysay auf den Leib geschrieben. Salif und EXS verstehen damit profisionell um zugehen und machen "On vit l'époque" mit tighten Bars zu einem der Höhepunkte des Albums.
Auch wenn man die Fähigkeiten von Mac Kregor und den Hematom Producern keineswegs in Frage stellen will, werden die Produktionen von "Connards" und "Binôme", den sicheren Lines von Youssoupha, Despo & Bakar bzw. denen von L's.Kadrille nicht wirklich gerecht. Der Beat für den Beitrag von 13.Or & 16.Ar hört sich sogar so an, als würde er aus einer Zeit stammen, in der der Produzent noch recht grün hinter den Ohren war und erstmal einige Experimente durchführen musste, um seinen Stil zu finden.
"Etats d'urgence" gibt den No Names Hadji & Bigou die Chance sich zu präsentieren und auch wenn die Beiden hörbar Talent besitzen, stehen ihre Lyrics, im Gegensatz zu denen all der renomierten Profis, doch noch auf sehr wackeligen Beinen. Das Zusammenspiel von EXS und Female MC Casey ist bei "Parité" wesentlich besser als der Sound auf dem sie ihren gemeinsamen Track in Szene setzen, trotzdem geht der Song gut ins Ohr. Für sich alleine stehend wäre "Compte de faits" ein richtiger Banger, im Anschluss an all diese ähnlichen Produktionsstrickmuster hört er sich dann aber mehr wie eine Wiederholung an und wird nur durch die guten Zeilen von Mac Kregor und Vermine vor dem "Einheitsbrei" gerettet.
Der melancholische und ruhige Piano Sample von "Garde espoir" schafft zwar sound technische Abwechslung, die dunkle und teilweise verzweifelte Grundstimmung bleibt aber die Gleiche. Die Hoffnung die Récidiviste dabei zu sehen versucht ist inhaltlich gelungen und macht den Hörer nach denklich, nur leider ist der Newcomer mit Abstand der schwächste MC auf dieser Compilation und das kann auch die vernünftige Gesangshook nicht überspielen.
Alibi Montana legt mit "J'suis partout" das Level wieder deutlich höher und die "Symphonie du bitume" von Akhenaton und Mac Kregor ist in jeder Hinsicht ein Volltreffer. Mit "Contrôle" von Mac Kregor & Kmas wird die Trackliste vervollständigt und es hätte dem Song mit Sicherheit gut getan, wenn diese Double Time Produktion auch ein paar echte Double Time Flows verpasst bekommen hätte.
"Insurrection" ist ein Album, welches nicht viel Wert auf Individualität legt. Hier klingt alles sehr einheitlich und wie aus einem Guss, die Producer haben ihren Lieblingssound gefunden und weichen keinen Meter mehr von ihm ab. Trotzdem ist Mac Kregor`s Werk ein gelungener Release, der ihm und der Produktionsschmiede von Hematom wieder einmal zahlreiches Talent attestiert und allein schon die hochkarätige Gästeliste mit ihren aussergewöhnlichen Collabos macht diesen Longplayer zu einem Gewinner. Wer auf diesen düsteren Sound steht, kommt nicht an "Insurrection" vorbei.