Album:  Mafia K'1 Fry - Jusqu'a la mort .......................... Label:   Menace Records .......................... VÖ:  Januar 2007

"La Cerise sur le ghetto". Ein Titel der sich unwiederruflich in die Analen des Rap Francais eingebrannt hat. Doch diese Legende liegt nun 4 Jahre zurück und die Zeit ist nicht stehen geblieben. Rohff hat die Mafia K'1 Fry verlassen, dafür ist Kery James wieder voll integriert. Ganze 10 Solo Releases einzelner Mitglieder gingen seitdem über den Ladentisch, mal abgesehen davon, dass hunderte von anderen Rappern die Strassen von Paris zwischenzeitlich für sich beansprucht haben. Doch jetzt sind sie zurück. Das grösste Kollektiv Frankreichs und das einst erfolgreichste, was die Banlieues um Vitry und Orly jemals in Sachen Rap Musik hervor gebracht haben. Kann die Mafia K'1 Fry mit "Jusqu'a la mort" dort anknüpfen, wo sie 2003 aufgehört hat ?

Mit allem Nachdruck kann die Antwort nur "verdammt nochmal ja" lauten. Denn schon der Opener "On n'a pas fini" macht deutlich, dass absolut nichts an all den Totsagungen, die aufkamen nachdem Rohff die Mafia verlassen hatte, dran ist. Egal ob Demon One oder Manu Key, die Herren aus Paris scheinen ganz im Gegenteil geradezu vor Elan zu sprühen und spitten sauberer und schiesswütiger denn je ihre Lines in die Schutz suchenden Reihen ihrer Kritiker und Nachahmer. Die Vorab Street Single "Guerre" ist ohnehin ein Banger sondergleichen und verkündet keinen Krieg, sondern berichtet direkt von vorderster Front, die laut Rim.K und Co. mitten auf den Strassen von Frankreichs Hauptstadt zu finden ist. Das tatsächlich alles möglich ist, beweisst "Tout est possible". Denn auf dem treibenden Synthi Ungeheuer präsentieren sich nicht nur jüngere Mitglieder wie Selim du 94 in guter Form, die Punchline Dichte liegt generell überraschend hoch, was in diesem Fall vor allem "Opfer Number 1" - Sarkozy zu spüren bekommt.

OK, "Val 2 meurtre" ist nicht mehr ganz so explosif wie seine Vorgänger, aber was solls wenn die Mafia, in ihrer unvergleichbaren Art und Weise, mit "Au bon vieux temps" einen derart tighten Blick zurück wirft ? Während bei vergangenen Veröffentlichungen die Technik noch erheblich leiden musste wenn es mal nicht ausschliesslich um den Asphalt oder den Beton ging, kommen u.a. Intouchable hier ohne jeden Niveau Verlust aus. Trotz Eintönigkeit hat "Survivor" echtes Chart Potenzial und selbst an sich schwache Songs wie "Microbes" haben aufgrund der einzigartigen Styles der 15 Mafia Mitglieder noch genug Feuer um länger im Player zu überleben. Ein Song an die Mutter darf heute anscheinend auf keinem Album mehr fehlen und auch wenn die Zeilen von harten Jungs wie 113 bei "Mama gri-gri" teilweise fast schon abstrakt wirken, ist der Track, auch wegen seiner Killer Produktion, ein echter Höhepunkt. Mit "Voyous en costard" hat sich die Mafia K'1 Fry ein Up Tempo Experiment erlaubt, auf dem sich vor allem Demon One und Kery James aus zu toben wissen und dass Mista Flo bei weitem nicht mehr im Schatten seiner Kollegen steht, sollte nach "M.I.S.T.A." definitiv geklärt sein.

Alle Hörer aus dem afrikanischen Raum werden "Incompris" zurecht zu ihrer neuen Hymne ausrufen, "La pilule" überrascht mit unerwarteten Double Time Flow, ist aber wegen der schwächeren Hookline nicht ganz so leicht zu konsumieren und wer das Video zu "Tu vois ?" gesehen hat, weiss wie die brachiale Sozialkritik der Mafia K'1 Fry auch visuell aussieht. "Ah ouais?!", das einzige Interlude des Albums, leitet mit "La balle" den ruhigsten und vielleicht tiefgründigsten Song von "Jusqu'a la mort" ein, der gleichzeitig aber auch einer der Besten in der Trackliste ist. Das völlige Gegenteil in Sachen Ruhe pumpt sich mit ungefähr 5000 PS unter dem Namen "K'1 Fry Club" in die Blutbahn des Hörers und gerade weil diese Produktion auf keinen Musikstil fest zu legen ist, dürfte sie fortan nicht mehr aus den Köpfen heraus zu bekommen sein. Wer bis hier hin immer noch nicht vom gelungenen Comeback der Mafia K'1 Fry überzeugt ist, wird spätestens mit "Thug Life" umgestimmt werden, denn einen der ganz grossen Burner hat sich die Family für das Ende aufgehoben. Nicht nur weil Kery James zum wiederholten Male eindrucksvoll unterstreicht was für ein Ausnahme Spitter er ist, nicht nur weil damit jedem klar wird, dass der Ex Ideal J Member wahrscheinlich der meist nachgeahmteste Rapper Frankreichs ist, sondern vor allem weil es kaum eine Crew versteht, ihre Emotionen so präzise in ihre Sprache zu transportieren.

Die Produktion von "Jusqu'a la mort", die u.a. auf das Konto von DJ Mosko geht, ist sehr vielseitig und schlicht und einfach auf höchstem Niveau. Das Album ist, auch weil sich jedes Mafia K'1 Fry Mitglied hörbar weiterentwickelt hat, um Längen besser als "La Cerise sur le ghetto" und zu welchen Ehren es dieser Longplayer gebracht hat, wissen wir nicht erst seit den ersten Zeilen dieses Reviews.....

Autor: Maik Ritter




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