Im Oktober letzten Jahres wird er vor Gericht zitiert, denn viele Politiker sehen in ihm einen der Hauptschuldigen für die Riots in den Banlieue`s. Sein Album "Politiquement Incorrect" kommt auf den Index, fliegt wieder runter, landet wieder drauf und sein Fall geht bis vor den obersten Gerichtshof. Dort wird die Klage gegen ihn letztendlich abgeschmettert, sein Longplayer darf wieder verkauft werden und das Uhrgestein aus Combs la Ville fühlt sich lizensiert um seine schonungslose und manchmal brachiale Gesellschaftskritik an den Mann zu bringen. Getrödelt hat er nicht, denn mit seinem sechsten Solo Opus "Black Album", setzt er seinen Krieg gegen den französischen Staat weiter fort. Monsieur R is back !!
Wer jetzt glaubt, dass Mr. R nach gewonnenem Gerichtsverfahrenen noch radikaler in seinen Aussagen werden könnte, der sieht sich mit dem Opener "J’ai la Haine" ziemlich bestätigt. Seine Kritik an Vater Staat wird hier, mit neuen, harten Worten, erneuert und einen leicht ironischen Blick auf die ihm vorgeworfenen Tatbestände, begleitet von einem höhnischen Lächeln aufgrund seines juristischen Sieges, kann er sich dabei nicht verkneifen. Musikalisch ist das durchaus gut verpackt, der Mainsample sitzt tight, der Beat treibt und seine Raps sitzen wie immer fest im Sattel. Inhaltlich ändert sich mit "Monsieur Fric" erstmal nichts, die Produktion hingegen fährt mit ausgefeilten, ersten Synthi`s und Handclap Snare eine ganze Spur mehr Power auf und kann den aggressiven Bars von Mr. R so gerechter werden.
"Ennemis Public 1" ist ein, von einem Piano begleiteter, melancholischer Abgesang auf einen Verbrecher der vom Staat gejagt und vom Volk geliebt wird. Das Monsieur R sich hier nur zu gerne mit Frankreichs legendärstem Verbrecher Jaques Mesrine vergleicht und sogar einige echte Interview Auszüge von dem 1979 erschossenen Schwerverbrecher zur Hilfe nimmt, ist inhaltlich dann aber sogar einem bis dato immer auf der Seite des Menage a 3 Chefs stehenden Hörer zuviel. Egal wie charismatisch Herr Mesrine gewesen sein mag, über 10 Morde sind nun wirklich keine Heldentat, mal abgesehen davon, dass ihm Kontakte zur rechtsradikalen Gruppe OAS nachgesagt werden, was der geborene Kongolese Monsieur R doch eigentlich kritisch betrachten sollte.
Auch wenn "Passion du Crime" ein technisch richtig guter Track ist, gespickt mit den besten Punchlines des Albums und einem Killer Feature von Youssoupha, untergräbt er Mr. R hier seine eigenen Aussagen. Denn schliesslich ist eine seiner Thesen, dass der französische Staat viele Immigranten quasi in die Kriminalität zwingt, sich jetzt also zur kriminellen Leidenschaft zu bekennen, ist nicht gerade ein Argument um vor der nächsten Gerichtsverhandlung zu bestehen. Das sich aber auch der Staatsfeind Nummer 1 nach Ruhe und Frieden sehnt, beweisst "Guetto Républicain" und der träumerische Loop lässt den Hörer tatsächlich nachdenklich in schönere Welten abdriften.
Mächtige Streicher Salven und dramatische Orchester Aufführungen machen bei "R L’Insolent" und "Rébelion" damit aber wieder schluss, greifen wieder R's politisches Wahlkampfthema Nr. 1 auf und rufen gleichwohl zur zweiten, französischen Revolution auf. Mit "Révolutionnaire" folgt, zumindest soundtechnisch, eine willkommene Abwechslung, die dem Hörer mit Funky und Vocal Samples einen waschechten Banger präsentiert und dieser Eindruck wird durch den erneut starken Auftritt von Youssoupha noch verstärkt.
"Braquage Verbal" und "R" bilden dann schon das Ende der mit 10 Titeln recht kurz gerratenen Trackliste.
Beide Songs bringen, mit guten und nach vorne gehenden Produktionen, den Kopf zum wackeln, die Lyrics hingegen überliefern einem nichts, was man mittlerweile nicht schon in Erfahrung gebracht hat.
Das "Black Album" ist, aus Producer Warte betrachtet, vielleicht das stärkste Album von Monsieur R und das sagt nach 5 vergangenen Solo Alben bereits einiges aus. Für jeden der einfach nur guten Rap hören will, unabhängig vom wiedergegebenen Inhalt, der vielleicht der französischen Sprache nicht so mächtig ist um die eventuell radikalste, politische Sichtweise eines MCs aus Frankreich zu verstehen, für den ist dieses Werk zu empfehlen. Alle anderen Headz, selbst die, die zwar klar auf der Seite der Sarkozy Gegner und somit auf der Seite vieler französischer Hardcore Rapper stehen, werden bei den hier teilweise verlautbarten Äusserungen aber nicht nur mit dem Kopf nicken, sondern ihn vor allem auch abwehrend schütteln.