Wenn ein MC in den letzten Monaten von sich reden gemacht hat, dann sicherlich Nubi. Der Hype um seine Person beginnt Ende 2005 mit 16 Killer Bars auf Dany Dan's und Ol Kainry's "Crie mon nom 2005 Remix" und hält bis zum Release seines jetzt kommenden Debüts "Scarlatitude" an. Ein gutes Dutzend "sich brutal ins Trommelfell beissende Punchlines" hat Nubi bei etlichen Features im Vorfeld des Street Albums hinterlassen und die einstimmige Meinung der Fachleute attestiert ihm die Skillz, um in die Liga eines Booba oder Rohff zu stürmen. Stellt sich die Frage ob der Futuristiq Member diese hohen Erwartungen erfüllen, bzw. seine bisher so beeindruckend dargebotenen Gastbeiträge auch auf Albumlänge bestätigen kann.
Wenn es nach dem treibenden Beat vom Opener "Neuf 1 Vasion" geht, stellt sich diese Frage erst gar nicht. Vor allem weil Nubi in der Kategorie Wortwitz alle erahnten Möglichkeiten locker überschreitet und die Zahl 91, die bekanntlich ein Wahrzeichen von Nubi's Pariser Quartier ist, in so viele treffende Wortspiele verpackt, dass der Hörer den Track direkt nochmal anspielt, um die Flut der Lines besser verarbeiten zu können. Die nostalgisch auf die frühen 80er hinweisende und ein wenig an den Sound von Scarface erinnernde Produktion von "Une Main De Fer" ist zwar nicht ganz so überzeugend, aber die Technik von Nubi nimmt einen so in Beschlag, dass er diese Zeilen auch auf einen humpelnden Music Maker Beat hätte spucken können, ohne Angst haben zu müssen, dass seine Hörer abschalten. Die äusserst dunklen Soundelemente von "Atroce Cite" passen perfekt zu den harten Lyrics über die traurige Realität in den Banlieue's bzw. Cité's und die minimalistische Produktion von "On ride" positioniert Nubi's Raps noch mehr in den Vordergrund, so dass auch der letzte Kritiker das Potenzial dieses MCs erkennt.
"Choquer La France" und "Legendaire" kennt man bereits von Mac Kregor`s "Insurrection" Compilation bzw. vom "Hostile 2006" Sampler, aber auch beim zehnten Durchhören machen diese Songs immer noch den Hype um Nubi verständlich. "Maille Ou Creve" unterstreicht die Produktionslinie des Albums, welche sich stark an dem elektronischen Sound der 80er orientiert und deshalb irgendwie melancholisch rüber kommt, aber gleichzeitig auf die aller neuesten Producer Standarts setzt. Eine druckvolle Mischung die, wie in diesem Fall, nicht immer aufgeht, den Klang von "Scarlatitude" aber zu etwas besonderem macht. Ob einem "Rien Ne M'arrete" zusagt, kann zumindest ich nicht nach dem ersten Lauf beurteilen, da ich den extravaganten und etwas überladenen Beat erstmal verdauen muss. Inhaltlich deep und stilistisch etwas klassischer geht es bei "Engrenages" zu und dass Nubi auch solche tieferen Texte schreiben und sicher transportieren kann, beweisst seine Vielseitigkeit.
Der Freestyle auf Booba's frühen Killer "Repose en paix", den Nubi auf dem zweiten "Tetes Brulees" Album hingelegt hat, ist bereits ein kleiner Klassiker und "Skud 91", mit überraschend tighten Features von den recht unbekannten Rappern K.Plo & Nice, ist einfach ein guter Street Track. Garantiertes Kopfschütteln verspricht "Bombe Sale" und das "Mack le Biz", von DJ Goldfingers Producer Album, einer der derbsten Monster Tracks des Jahres ist, sollte mittlerweile jeden erreicht haben. Der Freestyle mit den Ruff Ryders Peedy Crack & Flashy, auf eine gedopte Version von IAM's "Independenza", ist mit Sicherheit eines der hervorstechenden Highlights des Albums und "Sud Sale" ist eine weitere, aber nicht ganz so kraftvolle Liebeserklärung an den Süden von Paris. "Le Vertige" schlägt produktionstechnisch nochmal ganz neue Töne an, sorgt so für Abwechslung und gibt Nubi die Chance sich auch auf ungewohntem Terrain sicher zu präsentieren. Wenn der abschliessende Freestyle von der Talent Faches Compilation tatsächlich der Improvisation zu zu schreiben ist, kann Nubi, wenn es mit den Releases nicht klappen sollte, sein Geld locker bei Freestyle Contests einfahren.
Klar, "Scarlatitude" ist "nur" ein Street Album, dessen Trackliste dem Hörer nicht allzu viel Neues bietet, aber eine Zusammenstellung all dieser Burner macht alleine schon wegen dem Spassfaktor einen Sinn. Denn Nubi ist einer dieser Rapper, die soviel Technik besitzen, dass ihm keiner böse ist wenn er fast ausschliesslich Battle Shit spittet und wenn der Hörer geburnt ist, obwohl ihm die Produktion manchmal gar nicht so gut gefällt, spricht das eindeutig für die Skillz des Rappers. Für mich ganz klar ein heisser Anwärter auf das Street Album des Jahres.