Wenn man die Vokabel "ruhig" oder die Bezeichnung "etwas stiller" überhaupt auf ein Mitglied der Mafia K'1 Fry anwenden kann, dann auf OGB. Obwohl er eigentlich an allen Releases der Mafia und ihrer Familie beiteiligt war, hielt er sich all die Jahre immer brav im Hintergrund. Ganz der symphatische Typ hinter dem Dönerthresen im allgemein bekannten "Pour Ceux" Video. Doch schon Ende 2005, mit der VÖ von OGB`s Best Of Mixtape, war das Staunen gross, als der Öffentlichkeit bewusst wurde, wieviele Lines der Mann aus Vitry bereits für Releases seiner Crew oder seiner Homies verfasst hatte, die jeder noch im Kopf hat. Nun tritt er aus dem Schatten seiner Kollegen und dropt mit "Enfermé Dehors" sein Solo Debüt.
Natürlich dreht es sich bei OGB`s Album in erster Linie um die Banlieue's und der Mann weiss wovon er spricht, denn er ist ein echtes Vitry Original. Sein simpel gestrickter Flow birgt zwar keine grossen Überraschungen, trotzdem transportiert er diese Thematik absolut anständig und inhaltlich fundiert. Auch wenn die ersten beiden Songs "Le Cri D'Mon Silence" und "Requiem Pour Tant D'Choses" produktionstechnisch keine Überflieger sind, liefern sie einen orchestralen und passenden Hintergrund zu OGB`s sozial kritischen Ansätzen. Der Synthi Beat von "Hummer" ist zwar auf Dauer eher nervend als wirklich ansprechend, die guten Battle Lyrics von OGB lassen das aber ein wenig vergessen. Seine Erklärung warum er keine anderen Features als die der Mafia Family braucht, ist eine loyale Proklamation der Stärke seiner Crew und enthält auch einen ironisch vorgetragenen Diss gegen Sinik. Richtig tief und musikalisch wesentlich entspannter zeigt sich "Imagine Toi", bevor "Poesie D'La Guerre", mit durchschnittlichen Gast Raps von L'Equipe, wieder voll auf die Kacke haut. "Nuits Blanches" outet OGB als nachdenklichen Menschen mit weichem Kern, der aufgrund seiner Sorgen durchaus die ein oder andere schlaflose Nacht verbringt und die orientalisch umgesetzte Produktion von "O.G Bledard" zeigt, dass er Wortspiele zusammen schustern kann, die man so nicht von ihm erwartet hätte.
Auftritt Kery James. Der erste namenhafte Feature des Albums bringt auf den harten Sound von "Ninety Four Side" die richtigen Punchlines mit und der Song könnte durchaus als neue Vitry Hymne durchgehen. Die etwas seltsamen Chorgesänge bei "Autarcie" verderben ein bisschen die Tatsache, dass OGB hier den Flow Hebel umlegt und auch in höherem Tempo überzeugen kann.
"Determine" kann trotz tighter Hookline von Daddy Mory nicht wirklich punkten, denn auch wenn die anderen Gäste A.P & Mokobe von 113 ähnlich solide auftreten, der "Dancehall-House-Hip Hop Mix" hört sich doch etwas zu schräg an. Das OGB nicht nur um sein Viertel kämpft, sondern auch um die Frau seines Herzens, beweisst "Elle Et Moi" und das freundliche New York Boom Bap Feeling von "Vitry Mental" ft. Rim-K fällt, im positiven Sinne, soundtechnisch völlig aus dem düsteren Rahmen von "Enfermé Dehors". Für OGB ist "Therapie" mit Sicherheit ein besonderer Track, den Hörer berührt die "Psychoanalyse" aber leider nicht in dem Maße, wie es mit einer intensiveren Produktion möglich gewesen wäre.
Alibi Montana und 16Ar von L's.Kadrille verleihen "Bien Visser", mit den heissesten Punchlines des Albums, echte Banger Qualitäten. Schade das "La Vie" feat. Leïla Rami zum Ende der Tracklist einen solch schlechten Nachgeschmack hinterlässt, denn OGB kommt auf die popige R'n'B Produktion überhaupt nicht zurecht und hört sich an wie ein MC der 1992 versucht verzweifelt einen Hit zu schreiben. Gut, dass OGB im Outro nochmal das macht, was er ohne Zweifel kann, nähmlich echten Street Shit spitten. "Enfermé Dehors" ist ein vernünftiges Debüt, auf dem der Hauptdarsteller seine manchmal mangelnde Technik mit viel Charisma und hörbarer Liebe zur Musik wieder weg macht. Durchaus ok und für alle Fans der Mafia K'1 Fry ein absolutes Muss.