BANLIEUE CHRONIQUES




Album:  Oxmo Puccino - Lipopette Bar .......................... Label:   Blue Note .......................... VÖ:  September 2006

Seine Fans waren zuletzt unzufrieden, weil sein 2004er Album "Le Cactus de Sibérie" die Erwartungen vieler nicht erfüllen konnte und sein Ruf, mit der Beste Rapper im Game zu sein, schien weiter zu verblassen. Ob Oxmo Puccino ausgerechnet mit einem Experiment wie "Lipopette Bar" die Kohlen wieder aus dem Feuer hohlen kann ist fragwürdig.....Überhaupt kann ich nur schwierig nach voll ziehen, warum Oxmo immer noch einen solch guten Ruf geniesst. Den zugegebener Maßen bin ich einer der Wenigen, die seine anscheinend vorhandene Genialität niemals verstanden haben und mit seinem eigenwilligen Flow nur wenig anfangen konnten. Jetzt also ein Jazz inspiriertes Album, produziert und eingespielt mit der Band der Jazzbastards, welches dazu mit 12 Tracks nicht gerade viel Platz bietet, um den ein oder anderen, eventuellen Ausfall zu kompensieren.

Es dauert aber nicht einmal 2 Minuten und der Hörer ist schon mitten drin im Geschehen: Versetzt in eine verrauchte Bar in der (und von der) uns Schwerenöter Black Popaye berichtet. Seine Erzählungen drehen sich um das Leben an sich, aber vor allem um sein eigenes. Teils kuriose, teils sehr liebenswerte, teils recht traurige und doch in jeder Hinsicht lebensfrohe Anekdoten gibt er zum Besten, die sich am Ende zu einer grossen Story verflechten und deren Querverweise jederzeit präsent sind. Oxmo Puccino schlüpft so stilsicher und gekonnt in die Rolle des Black Popaye, dass man ihm von Minute eins jedes einzelne Wort mit Genuss abkauft. Bereits der Titel des Openers "Pedre et gagner" gibt dem Hörer die tragende Essenz des Hauptcharakters mit auf den Weg und Oxmo`s Flow schien noch nie so perfekt auf einen Beat zu passen. Das stimmungsvolle Ensemble der Jazzbastards erzeugt ebenfalls direkt Euphorie und selbst untolerante Rap Fans wie der Autor dieses Reviews, würden sich alleine bei dem Instrumental gechillt an den Tisch der Lipopette Bar begeben.

Musikalisch betrachtet reicht der Horizont der Jazzbastards von typischen Nachtclubjazz wie bei "Conte De Fée", über Sounds die stark an die besten Zeiten eines Jamiroquai erinnern, wie bei "Où Est Billie ?", bis hin zu absolutem Freejazz, der wie bei "La Roulette Russe" scheinbar keinen Gesetzen folgt. Aber auch klar Hip Hop durchzogene Produktionen wie "La Femme De Sa Nuit" & "Black Popaye", welche einen Vergleich mit den Roots nicht scheuen müssten, oder Funkeinlagen wie bei "Tito Écouter", die ohne Probleme von einem Blacksploitation Soundtrack stammen könnten, gehören zum Repertoir der Band.

Lipopette Bar ist wahrscheinlich das durchkonzipierteste Album der letzten 10 Jahre und ein phenomenaler Oxmo Puccino offenbahrt nicht nur sich selbst, sondern vor allem auch dem Publikum, völlig neue Storyteller Dimensionen. Der Leitfaden dieses musikalischen Hörbuches verliert sich zu keiner Zeit und wer der französischen Sprache mächtig ist und ihm deshalb folgen kann, der wird Oxmo`s neues Werk selbst dann gerne konsumieren, wenn er mit der Musik an sich nichts anfangen kann. Gäbe es den Oscar für besonders wertvolles Spiel im Rap Francais, Oxmo würde ihn für seine Darstellung des Black Popaye garantiert einheimsen. Hut ab, Monsieur Puccino.

Autor: Maik Ritter




retour