Album:  Relic - Loin des apparences .......................... Label:   Barclay .......................... VÖ:  Oktober 2006

2 Jahre liegt das Debüt von Relic zurück und mit ihrem zweiten Album "Loin des apparences" wollen Chondo, Alpha, Manscaro und DJ Soft nun die Erwartungen erfüllen die Major Barclay an sie richtet. Dass das nicht ganz einfach werde könnte, haben die 4 Jungs aus Argenteuil u.a. ihrem Rapper Kollegen Baba zu verdanken. Dessen "Hetzkampagne" gegen Relic hat deren Street Credibility doch arg angekratzt und wie wichtig diese für einen französischen Hip Hop Act aus Paris ist der obendrein noch harten Rap macht, bedarf keiner weiteren Erklärung.

Von aussen betrachtet kann man Baba nur schwer recht geben, dass Relic im gemeinsamen Viertel eigentlich nie zu sehen wären. Denn sowohl das Intro, als auch "Invasion 2006" untermauern, mit harten Lyrics, heulenden Sirenen und kraftvollen Produktionen, den Willen die Strassen von Argenteuil mit allem Nachdruck zu repräsentieren. "Pour le ghetto" heisst es im Refrain immer wieder und dass die Jungs genau dieses ihr zu Hause nennen, versuchen sie mit vielen tighten Punchlines dem Hörer verständlich zu machen. Richtig gut wird es aber erst mit "On t'emmène". Die bitterböse Abrechnung mit Präsident Bush und der allgemeinen Politik der USA, angefangen bei Vietnam und endend mit den aktuellen Zuständen im Irak, schlägt teilweise zwar ein wenig über die Stränge, das Konzept des Tracks geht aber voll auf.

"Peurs & faiblesses" ist nicht zuletzt wegen der dargebotenen Ehrlichkeit der drei Rapper von Relic ein Highlight, denn wer redet im Rap Game schonmal von eigenen Schwächen ? Die schmerzende Frage "Pourquoi lui ?" bietet sehr persönliche und tiefgründige Lyrics, aber leider verpasst es die pianolastige Produktion dem Song noch mehr Präsenz zu verleihen. Die gleiche Traurigkeit und Wut über Politiker wie Sarkozy und deren Politik spiegelt "Regarde" wieder, aber mehr als ein Track unter vielen gleicher Gesinnung springt dabei nicht heraus. Der düstere Sound wird bei "Rapports de force" zwar erstmals abgelegt, die daraus resultierende Abwechslung hätte sich der Hörer aber lieber erspart, denn die Produktion der Polizeischelte geht gar nicht.

"Verbale agression" und "Le monde du rap" klingen da schon wieder wesentlich besser, die jeweiligen und an sich tighten Loops der Tracks gehen dem Hörer aber mit zunehmender Spielzeit ein wenig auf die Nerven. Gelobt müssen aber mal die konstant tighten Cuts von DJ Soft werden, die eigentlich durch die gesamte Trackliste präsent sind. Der Titeltrack "Loin des apparences" erinnert stark an den Sound der Fonky Family, was ja nicht der schlechteste Vergleich ist und "Nocturne" ist schlicht ein guter Street Banger. So elektronisch wie bei "Hustler" geht es selten zu und warum Relic diesen Song zur Single gemacht haben erschliesst sich sofort, denn er ist einer der Höhepunkte des Albums. Der liebevollen "Hommage" mit Gesangshook von Edwyge fehlt das gewisse Etwas um grössere Ziele zu erreichen und "Garder la pêche" ist wieder so eine Produktion, die in Sachen Experiementierfreude zwar Akzente setzt, letzt endlich aber nicht wirklich überzeugen kann.

"Maghrébins sans frontières" ist eine echte Orient Hymne, glänzt mit arabischen Klängen und arabischem Gesangsrefrain und dürfte nicht nur Hip Hop Anhängern gefallen. Der Dancehall angehauchte "Ghetto club", mit Feature der englisch sprechenden Talisha, wirkt dagegen eher aufgesetzt und die harten Gitarren Riffs von "Vie sous morphine" sind ein Stilmittel, welches nicht jeder Hip Hop Head tolerieren wird. "Sombres illusions" bildet, nach einigen schwächeren Songs, einen sehr versöhnlichen Abschluss und entlockt dem Hörer das Fazit, dass "Loin des apparences" ein tightes Album ist. Der grosse Nachteil ist vielleicht, dass kein Song wirklich hängen bleibt. Musikalisch brauchen Relic jedenfalls keine Angst vor Baba zu haben, wenn dieser allerdings seine Thesen beweisen kann, dürften Relic, bei fast ausschliesslich behandelter Banlieue Thematik, Schwierigkeiten bekommen die hohen Erwartungen ihres Arbeitgebers Barclay zu erfüllen.

Autor: Maik Ritter




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