Was ging nicht für ein erstauntes Raunen durch die Hip Hop Szene als Samat letztes Jahr, quasi aus dem Nichts, sein Street Album "Samat ft. Hip Hop de Rue" launchte und als völlig Unbekannter einen Killer Feature nach dem anderen aus dem Hut zog. Nun war der Mann aus Stains zwar kaum noch einem Head fremd, ob er es aber zu etwas grossem bringen könnte, war niemandem so recht klar. Denn das Album war schon fast mehr Compilation als Solo Joint und die wenigen Songs ohne Begleitung anderer Rapper hatten wenig Aussagekraft. Jetzt ist der, wir werden ihn mal zu seiner eigenen Freude Gangster Rapper nennen, wieder da und legt mit "Juste Millieu" seinen ersten, echten Longplayer auf den Tisch.
Als hätte es bereits Tradition, ist aber nicht Samat der erste MC der uns hier beglückt, sondern Rockin Squat. Der drückt uns direkt seinen unverkennbaren und Punchline orientierten Flow aufs Ohr und die sehr grossräumig geratene Produktion, gepaart mit einer Hook die den Hörer sofort gefangen nimmt, sorgt für überraschtes Kopfnicken. Das Samat`s Rap erstmal nicht unbedingt der Kracher ist, fällt dabei kaum auf. Die dunklen, geisterhaften und auf Klassik Samples beruhenden Klänge von "93" zeigen Samat schon in einem besseren, aber immer noch nicht umwerfenden Licht und der Track gehört eigentlich nur deswegen in die Kategorie tight, weil Tandem Member Mac Tyer eine raptechnisch perfekte Hook beisteuert.
Nicht schlecht ist dann "Epoque 2", der erste Song bei dem Samat sich zum ersten Mal ohne Beihilfe als Straftäter bekennt und zumindest beim Refrain lässt er durchblicken, dass er in Sachen Flow doch die ein oder andere Variante mehr drauf hat, was der Hörer nach den stets gleich bleibenden Strophen nicht wirklich erwartet hätte.
Bevor man sich aber so langsam auf ein Bild bzw. Urteil über Samat einlassen kann, packt der die elektronischen Peitschen aus und spittet bei "Bienvenue dans ma rue" mit Lino und Larsen um die Wette. Allein wegen der Gäste ein richtiger Ohrenschmauss.
Das, das so bleibt ist den Produzenten des Albums zu verdanken, denn was diese Samat für "Dans La Peau D'une Arme" und "Cauchemar" zusammen gebastelt haben, ist im Trend liegende, synthetische, aller erste Güte. Leider wirken die Raps von Samat gerade bei "Cauchemar" oft ein wenig holprig und man kann sich den Gedanken nicht verkneifen, wie der Track wohl klingen würde, wenn auch hier ein Feature zu Gange gewesen wäre.
"Peur" ist wahrscheinlich deswegen zur ersten Single auserchoren worden, weil sie genau das auf den Punkt bringt, was uns Samat in erster Linie näher bringen will: Man sollte vor ihm, seinen Homies und seinem Viertel besser Angst haben. Authentisch kommt der Mann in jedem Falle rüber und das eine Hook in catchy sein sollte, hat Samat auch verstanden.
Der Killer Beat von "Mon Ghetto" wird leider durch den ganz schwachen Auftritt von US Rapper Raze zu nichte gemacht, denn dessen Zeilen hätte auch jemand schreiben können, dessen englisches Vokabular nicht gerade das Beste ist.
E-Gitarren Samples spornen die Jungs von La Rafale bei "Dans La Peau D'un tox" zu Höchstleistungen an und das Samat tatsächlich auch etwas anderes zu sagen hat als Ghetto, Knast und Knarren zeigt "Avant la morte". Deep ist das, die Gesangshook geht auch in Ordnung, nur scheint Samat sich auf diesem Terrain ab und an ein wenig unwohl zu fühlen, was seinen Flow doch sehr wackelig erscheinen lässt.
"1998" und "Femme Battue" gehen ins eine Ohr rein und aus dem anderen wieder raus, ohne das irgend etwas, weder positiv, noch negativ, hängen bleibt und erst die Militär Kapelle von "Femme Voilee" reisst einen mit Pauken und Trompeten wieder aus dem Schlaf. Das hört sich äusserst organisch an, könnte sogar sein, dass es wirklich live eingespielt wurde und solch ein Experiment hätte man Samat eher nicht zugetraut. Nach dieser respektablen Abwechslung folgt mit "L'honeur" feat. Alino & Anonyme einer der musikalisch besten Tracks des Albums, auch wenn der Inhalt der Lyrics, der sich um die immer strikt zu verteidigende Ehre dreht, angezweifelt werden darf.
Auf der abgefahrenen Produktion von "Dans La Peau D'un Condamne", die uns eine echte Chanson Hook gewährleistet, präsentiert sich Samat von seiner besten Seite. Die ist zwar wie immer äusserst hart, aber diesmal eben auch technisch messerscharf.
Wesentlich ruhiger spielt das Piano bei "Memoire" und hier stolpert Samat nicht, wie zuvor bei "Avant la morte", über seinen Flow, sondern dropt nachdenkliche Lyrics spürbar von Herzen. "Reflechi" ist nur Dank Soprano ein Hinhörer und der abschliessende Titelsong "Juste Millieu" würde der Lebensphilosophie des Paten alle Ehre machen. Die Produktion selbst ist auch hier wieder ein Hammer.
An forderster Front kämpfen in erster Linie Samat`s Producer, die (ehrlich gesagt) schon alles platt machen bevor der MC dazu überhaupt die Chance hat. Die Beats sind allesamt hoch professionell und gehen fast ohne Ausnahme steil nach vorne. Egal wie Gitarren, Geigen oder Piano Samples gesetzt sind, sie alle werden immer von einem kleinen Elektro Spektakel begleitet und dieses ist so sound gewaltig und detail verliebt, dass Samat kaum noch etwas falsch machen kann. Leider ist dieser in Sachen Skillz aber nicht mehr als Durchschnitt und schade ist vor allem, dass er nur so selten über seinen Tellerrand, bestehend aus Kampfansagen und Ghetto Attitüden, hinaus blickt. Aber wo Samat die Konzepte ausgehen, springen halt die vielen guten Features ein und deshalb ist "Juste Millieu" trotzdem ein passables Werk.