Die Rapper heut zu tage sind Realisten. Manche erkennen schnell, dass sie noch zu unbekannt sind, als dass sie ein erfolgreiches Album releasen könnten. Wieder andere sind vielleicht sogar so reflektiert, dass sie einsehen, dass sie nicht gerade zu den besten Spittern des Games zählen. Was also tun ? Ein probates Mittel um sich dennoch ins Spiel zu bringen, ist die Verwirklichung einer Compilation. Die erhofften, namenhaften Features liefern das gewüschte, öffentliche Interesse und der eigenen Person kommt auf diese Weise wesentlich mehr Aufmerksamkeit zu. Wenn man, wie in diesem Fall Sang Pleur, auch noch aus der oft zitierten Rap Provinz von Lyon kommt, scheint dieses Rezept fast der einzig mögliche Weg zu sein, um Relevanz zu erfahren.
Denn sein wir ehrlich. Sang Pleur weiss zwar wie man flowt, aber seine Aussprache oder vielleicht sein gewollter Slang sind schon sehr eigenwillig. Durch atemberaubende Technik wird er sich jedenfalls kaum einen Namen machen können. Bei mittelmässigen Tracks wie "Blockez les issues" feat. Black V.Ner oder "L'art est kardiak" mit Ex Saian Supa Crew Mitglied Spectah, hiflt allerdings auch der erhoffte Feature Effekt nicht weiter. Die Collabo mit Alibi Montana, Larsen und den 400Yens macht zwar neugierig, der Beat von "Salle d'attente" hat aber zu wenig Eier in der Hose um den Raps der Street Representer passende Geltung zu verschaffen. Songs mit unbekannten Artists wie Lelite oder Nina Myers verfehlen die Wirkung des Rezeptes der Compilation und gehen ganz nebenbei gar nicht. Die Rappeur d'1stinct lockern die angespannte Haltung des Hörers bei "Groupe sang g'1" zwar wieder etwas auf, wirklich aufhellen kann der Track die Mienen allerdings auch nicht.
Was helfen Beiträge von Chef Spittern wie Despo Rutti oder Eloquence, wenn die Produktionen sich anhören, als wären sie vom Wühltisch bei Rudis Reste Rampe ? Nach einem harten Marsch findet sich mit "L'art est kardiak 2" feat. Nubi endlich ein passables Werk auf "Block O.P.Ratoire". Die ständigen und etwas seltsam anmutenden Dauershouts von Sang Pleur verderben aber auch hier den entspannten Hörgenuss. Mit zunehmender Spieldauer werden zwei Dinge ganz deutlich: Erstens können selbst Artists wie Demon One, La Swija, Mino oder Casus Belli die schwachen oder einfach langweiligen Beats nicht aufwerten und auch wenn denn mal ein gelungener Street Representer dabei wäre, wie "Block C" feat. Baba & Sefyu, bekommt der Hörer beim Einsatz von Sang Pleur erneut zuviel. Man möchte ihn bitten die Zahnspange heraus zu nehmen oder seinen Mund beim sprechen wenigstens ein bisschen zu öffnen, aber diesen Gefallen tut er dem Hörer auch bei "Les maux rage-j 1terne 2" nicht.
Das ewige "boom", "peng", "brrr", "wuff" von Sang Pleur macht gut gemeintes wie "A l'air-j" feat. Berreta & Lil'Sai genauso zu nichte, wie die maximal semi profesionell klingende Hookline. Für die Rap Umsetzung der Rocky 4 Hymne bei "Chirur-j sonor" möchte man den Beatmakern abschliessend die Hand schütteln, nur schade, dass diesmal auch die Features nicht überzeugen können. Am Ende steht die Einsicht, dass selbst sicher geglaubte Rezepte, trotz erhoffter, prominenter Unterstützung, gnadenlos in die Hose gehen können. Es bleibt der Wunsch, dass Sang Pleur vielleicht noch etwas selbstreflektierter wird......