Album:  Seth Gueko - Patate de forain .......................... Label:   Neochrome .......................... VÖ:  März 2007

Es ist nicht allzu lange her, da wurde der Name Neochrome von vielen nur mit den gleichnamigen Freestyle Compilations in Verbindung gebracht. Dann kam das Jahr 2005 und mit ihm das Debüt (Street) Album von Seth Gueko. Dieses sicherte nicht nur Seth eine hervorragende Position im Game, sondern war auch so etwas wie der Startschuss für den Aufstieg seines Labels, zu einem der beständigsten und erfolgreichsten Indis des Landes. Seitdem sind den Spuren des Quentin Tarantino Anhängers (Seth Gueko ist der Name von George Clooney's Rolle in "From dust till dawn") viele Label Kollegen gefolgt und nun will Seth, mit seinem zweiten Album "Patate de forain", nicht nur sich selbst, sondern auch Neochrome endgültig an die Spitze der harten Street Rap Vertreter befördern.

Obwohl die Konkurrenz in diesen Gefilden wahrlich nicht klein ist, schwinden die ersten Zweifel an Gueko's Vorhaben bereits beim Lauschen des Intros "Pied de biche". Die Palette seiner aggressiven Punchlines erweist sich schon jetzt als sehr gross und die Verbindung aus dramatischen Orgeln und harten Synthi Bässen schraubt seine Ausdruckskraft noch ein Stockwerk höher. Leider komme ich nicht auf die Herkunft des populären Samples von "Les fils de Jacques Mess", aber was der Teufelskerl eines Producers damit für Seth Gueko zusammen geschraubt hat, ist eine frühzündende Bombe. Als ähnlich kraftvoll stellt sich das Synthisizerbrett "Le bracage du siècle" heraus und selbst wenn der Beat weniger tight wäre, würden einen die Battle Bars von Seth & Escobar Macson immer noch gefangen nehmen.

Da es bei "Hein mon zin-cou" etwas ruhiger und nachdenklicher zugeht, bekommt der Hörer ein wenig Zeit zum durch atmen. Umso beachtlicher ist allerdings, dass die technisch hoch versierten Punchlines von Seth Gueko auch bei solchen Tracks genauso präzise ihr Ziel finden. Nach einer etwas zu psychophatischen Produktion für "Alias" feat. Rim.K zeigen die Beatmaker in den Diensten von Neochrome, dass sie es wie kaum ein Anderer verstehen, mit alt bekannten Samples einen ganz neuen Sound zu kreieren. Denn der schon häufig verwendete Loop aus dem Film "Clockwork Orange" bekommt bei "Des que" ein gänzlich frisches Gesicht verpasst. Mit "On nique tout là" folgt ein düsterer Street Banger und die bitterböse Sozialkritik von "Merci Chirac" verdient in jedem Fall einen Ehrenrang in der Trackliste. Was passiert, wenn zwei Ausnahme Spitter wie Seth Gueko und Despo Rutti auf einer harten E-Gitarren Produktion zusammen treffen, ist bei "J'marche avec ma clique" zu bewundern und das Seth auch in der Kunst des Storytellin's bewandert ist, unterstreicht das äusserst dunkle "Destins croisés".

Der Beat von "Chevalier de ciment" ist vielleicht schon zu minimalistisch um noch Fans zu finden, ergänzt sich aber bestens mit den Gastlyrics von Farage, Al K-Pote, Sidi-O & Fis. L und "Guigui golden gun" wurde zurecht als starke Single auserchoren. Die erste, wirkliche Schwäche des Albums offenbart sich mit dem lahmen "Caillera-caillera" feat. Alpha 5.20 & Six Coups MC, aber bei MC M16 feat. Farage nimmt der Zug schon wieder Fahrt auf. Bei "Chiale pas" steht die Lok dann erneut unter Volldampf, was aber auch am bei Rohff gepickten Beat von "Pleure pas" liegt. Trotz wenig einfallsreich gespielter Pianos und einer eher schwachen Hookline, geht "Bizy dans les diez", dank des dicken Features von Ol'Kainry, noch als tight durch. "A mes yeux" ist dagegen durch und durch ein Winner und zum Ende gibt es bei "Micro ouvert Paris" feat. Koma & Seven nochmal richtig brutale Bars auf die Fresse.

Selbst wenn die Produktionen von "Patate de forain" mal in ein zwischenzeitliches Tief geraten, Seth Gueko kann das Niveau, mit starken Refrains, fesselnden Flows und einer ganzen Armada von nicht alltäglichen Punchlines, konstant hoch halten. Dazu hat sein Longplayer das, was oft am wichtigsten ist. Nämlich gleich mehrere, richtige Burner die lange im Gedächnis bleiben. Was das Spitten angeht, können ihm jedenfalls nur wenige etwas vor machen und ein Rückschlag auf dem Weg zur angestrebten Spitze ist dieses Album mit Sicherheit nicht.....

Autor: Maik Ritter




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