Aus dem Hause Alchimie Radicale kommt, mit dem Solo Debüt "Mode De Vie Etrange" von Seven, ein echter Geheimtipp in die Läden. Gut, Seven selbst ist kein überdurchschnittlich talentierter MC, aber er hat sich im Laufe der Jahre einige gute Skillz antrainiert und gibt auf seinem ersten Album wirklich alles. Die hervorragende Produktion und eine Gästeliste der Extraklasse steuern weitere Elemente zu einem richtig tighten Release hinzu.
Dabei beginnt Seven's Werk eingentlich alles andere als sensationell. Die Idee, die Melodie von "Spiel mir das Lied vom Tod" für das Intro zu benutzen ist wahrhaft keine Erleuchtung an Kreativität und der Opener und Titelsong "Mode De Vie Etrange" kann zwar durch die Beschreibung von Seven's Lebensstil durchaus punkten, in Jubelstürme bricht dadurch aber kein Kritiker aus. Doch dann macht es wortwörtlich Boom. Denn aus den Kehlen von Seven und Larsen ertönt "Boom - c'est la Connexion Bougnoul" und die beiden dropen eine Killer Line nach der anderen. Die Produktion pumpt einem das Adrenalin direkt intravenös in die Adern und auch der überraschende Beatwechsel zur Mitte des Songs, macht aus "Bougnoul Connexion" einen tadellosen und nun orientalisch klingenden Burner. Zeit für Erholung gibt es keine. Die fast schon penetranten Synthisizer von "Mettez-Vous A L'abri" bleiben einem noch Stunden im Trommelfell haften und zusammen mit Sefyu ballert Seven wieder harte Punchline Geschütze in Richtung Hörer.
Nach zwei solchen, vor Kraft strotzenden, Ungeheuern, geht es bei bei "Les Yeux Du Ghetto" feat. Black Marche und bei "Enfance Deracinee" etwas ruhiger zu. Während der erst genannte Song, ausser echtem US Westcoast Sound aus den goldenen 90er Jahren, nicht viel zu bieten hat, zeigt "Enfance Deracinee", dass Seven auch eine nachdenkliche Seite hat. Untermalt von traurigen Geigen und weiteren Klassik Samples spricht er von seiner entwurzelten Kindheit in Algerien und dem Leben als Immigrant in Frankreich.
Mit "A Qui Tu Parles" folgt ein weiterer, einfach nur tighter Höhepunkt des Albums. Wieder spricht die ausgefeilte Produktion Bände für die Qualität von Seven's beatbauenden Helfern. Dazu gesellen sich sicher sitzende Lines von 113 Member Rim.K und eine sich sofort einprägende Gesangshook von Apollo J. "Instinct De Survie" feat. Korias von den Dicidens verfolgt ein wesentlich dunkleres Schema und die mystischen Orchestra Sounds passen nahezu perfekt zu den tiefgründigen Durchhalteparolen.
Der Beatlauf von "Ca Fout L'seum" durchkreuzt die Welten von Rap, Elektro und House und allein schon durch die unverwechselbaren Zeilen von Demon One & Dry von Intouchable geht der eigenwillige Rhythmus direkt ins Blut. Mit "La Guerre Du Son" kommt erstmals ein Song, der weder durch Inhalt und Rapstyle, noch durch seine Produktion überzeugen kann. Der Hörer hat diesen Tiefpunkt aber schnell wieder vergessen, wenn Seven und Oxmo Puccino, die sich so gut ergänzen, dass man denken könnte die Beiden hätten schon hunderte, gemeinsame Tracks fabriziert, auf einen Club tauglichen Banger über "Paris By Night" berichten.
"Le Quartier M'a Eu" ist in jedem Fall ein netter Storyteller, dessen aus Cuts bestehende Hook vor allem DJ Freunde flashen wird, richtig interessant wird es aber erst wieder mit "Phone Game". Denn dem ernerigegeladenen Telefongespräch zwischen Alibi Montana und Seven zu lauschen, welches sich natürlich um ein paar echte und heikle Storys aus der Nachbarschaft dreht, macht einfach nur Spass. Bei "Hommage" kommt nun auch Seven's Crew 1korruptibles ins Spiel und deren Mitglieder verstehen es, auf einen geloopten Piano Lauf, ihre flüssigen Flows mit guten Rhymes voll zu packen, die sie an alle und alles was sie lieben senden.
Die gute und besonders düster klingende Produktion von "Bruler Les Etapes" schafft die idealen Bedingungen für Seven sich nochmal in Bestform zu präsentieren und obwohl die Tracks ohne Feature bisher eher zu den Schwächeren gehörten, zeigt der Mann aus dem Pariser Banlieue von St.Blaise, dass er es auch locker ohne Gast zu einem derben Song bringen kann.
Zum Abschluss legt Seven mit "Sherazade" noch ein einfach nur geiles Konzept aus 1000 und einer Nacht hin, zu dem die arabischen Sounds natürlich wie die Faust aufs Auge passen.
"Mode De Vie Etrange" ist definitiv ein rundes und rund um gelungenes Album, das ich jedem nur empfehlen kann. Die Produktion ist 1a, die Features allesamt tight, einfallsreiche Konzepte sind nicht rar und Seven steigert sich von Song zu Song, so dass man sein am Anfang über ihn gefälltes Urteil, fast noch einmal revidieren möchte. Dazu kommen 2-3 richtige Burner und die alleine reichen eigentlich schon aus, um dem Erstlingswerk von Seven eine Chance in seinem CD, MP3 oder Plattenspieler zu geben.