"Who's the most underrated MC ?". Smoker dürfte definitiv in diese Kategorie passen. Denn der Rapper aus Chilly Mazarin (91) hat bislang relativ wenig Beachtung bekommen und das obwohl sein Talent ganz offensichtlich ist. Mit seinem zweiten Street Album "La roue tourne" will er sich nun den Respekt holen, denn er eigentlich längst verdient hat.
Dank dem moströsen Titelsong, man könnte von einem "boobaistischen" Street Banger sprechen, gerät der recht schwache Opener "Mate" schnell wieder in Vergessenheit. Die unentwegt auf einen einprasselnden Synthis würden auf Dauer vielleicht ein wenig Stress verbreiten, wäre da nicht die enorme Punchlinedichte von Smoker, mit der er diesen Beat perfekt zurreitet und jede Kritik im Keim erstickt. "Respecte les tiens" gestaltet sich ähnlich beeindruckend und wichtige, aber leider viel zu seltene Statements wie "Hass ist immer falsch, egal ob man Salam oder Shalom sagt", runden den ersten, guten Eindruck des Albums ab.
Die Wahl der Features ist derweil exzellent. Denn obwohl die Produktion von "Eté de banlieusard" nicht mehr als das Prädikat besserer Durchschnitt verdient, bietet der Song, mit heissen Bars von Smoker, Busenkumpel Endo und Nubi, bestes Entertainment. Auch die Collabo mit Ol Kainry ist echtes Feuer, wobei man hier den Beatmakern dafür danken muss, dass sie den Loop zu "Dans nos quartiers" aus ihren Plattenkisten gelassen haben. Wenn es mal einen Niveauabfall gibt, wie bei "On te juge pas", ist dieser eigentlich nur an der wenig aufsehenerregenden Dirty South Produktion fest zu machen, nicht aber am Engagement von Smoker. Dass der nicht nur über eine präzise Technik verfügt, sondern auch in Sachen Storytellin und Deepnees brilieren kann, beweist er detailiert mit "Confessions".
Die 80er Jahre Reminiszenz "Souvenirs", mit Gesangshook von Jango Jack, hat ein etwas zu einfaches Strickmuster um den gewünschten Chart Hit zu ermöglichen. Für sanftere Gemüter bringt dieser Track aber sicherlich eine begrüssenswerte Abwechslung. Die Street Banger "Les larmes du ciment" und "On s'en bats les...style" würden auf der Playlist eines mittelmässigen Spitters untergehen, bei Smoker's Lines bleibt die Skip Taste auch hier unberührt. "Cash Money" liefert dem Hörer nicht nur ein interessantes Trio, bestehend aus Smoker, Pit Baccardi & Al Peco, sondern pumpt einen weiteren, diesmal düster klingenden, Höhepunkt durch die Boxen. Auch Dosseh, der letzte Gast auf "La roue tourne", kann bei "Geez up" mit dem bisher gebotenen, hohen Level der Features mithalten.
Die letzten beiden Songs der Trackliste können sich zwar nicht mehr besonders hervor heben, die Qualität von "Retrousse ta langue" und "Ils kiffent tous" ist aber noch so hoch, dass man nach 14 Tracks tatsächlich ein Album gehört hat, welches eigentlich kaum Schwächen zeigt. Die drei abschliessenden Instrumentals sind dazu ein netter Bonus für alle DJs, Beatfanatiker und Freestyler.
Die Produktionen von "La roue tourne" sind kontinuirlich tight und selbst wenn der Sound mal nach lässt, Smoker hat durchweg gute Argumente um den Hörer zum bleiben zu überreden. Falls er mit diesem starken Street Album immer noch nicht den Buzz erfährt, den er verdient hat, sollten sich einige Kritiker mal die Ohren waschen....