Die Taxi Soundtracks stehen nicht nur für die erfolgreichsten Rap Francais Compilations seit 1998, sondern sind seit jeher eine ziemlich genaue Momentaufnahme der aktuellen Hip Hop Szene gewesen. Der erste Teil wurde im Jahr 1998 klar von den herrschenden Vertretern des Planet Mars dominiert und brachte die Karrieren von u.a. den Chiens de Paille oder 3eme Oeil in Schwung. Der zweite Teil aus dem Jahr 2000 pushte einen gewissen Disiz la Peste ganz nach oben, während der Ton von Nummer 3 im Jahr 2003 von Booba, Rohff und der Mafia K'1 Fry bestimmt wurde. So lieferten die Taxi OST's gleichermassen eine Bestandsaufnahme als auch ein Sprungbrett für neue Talente. Diese Gleichung lässt sich nun durchaus auch auf Taxi 4 anwenden.
Was den Erfolg betrifft sowieso. Der "Bande Originale de Film" von Taxi 4 ist direkt in die Top 10 Album Charts Frankreichs eingestiegen und das ist auch kein Wunder. Sieht man mal von dem längst ausgereitzten "Pump it up" der Black Eyed Peas ab, eröffnen Sniper, mit einem sofort hängenbleibenden und lockeren "Quoi qu'il arrive", und Kery James feat. Anissa, mit einer sehr dramatischen aber dicken "Symphonie d'amour", den Soundtrack absolut hochklassig. Derzeitige Wortführer des Rap Francais sind mit einem starken Sinik ("Ennemi d'état") und den Popstars der Saian Supa Crew ("Mets les gaz") ohnehin vertreten und passend zum Comeback der Mafia K'1 Fry spitten auch die Jungs aus Vitry/ Orly mit "On vous gêne..." heisses Feuer auf Handclap Snare und verwirrte Streicher. Auch wenn die Beiträge unterschiedlicher nicht sein könnten, Tunisiano von Sniper ("Rien à foutre"), Sir Samuel von Saian ("Frérot") und Rim.K von der Mafia K'1 Fry ("Hommage") kommen auch ohne die Unterstützung ihrer Kollegen stilsicher zum Schuss.
Solch ein Taxi vergisst seine Fahrgäste nicht und so finden sich ausserdem einige alte Bekannte unter der Trackliste wieder. Natürlich darf ein Akhenaton nicht fehlen, der zusammen mit Melissa und dank der Produktion von Tefa das Thema von "Bad Boys de Marseille" wieder aufnimmt. Oder K-Reen, die ebenfalls schon 1998 dabei war und sich vor allem mit dem Club Burner "Anticonformiste" feat. Ol Kainry wieder lautstark ins Gedächnis des Hörers ruft. Dancehall Spezialist Tairo mischte 2000 bereits bei Taxi 2 mit und darf nun, an der Seite von Diam's, mit "Qui on appelle ?" die BPM Zahl in die Höhe treiben. Lino und Nessbeal gehörten bei Taxi 3 zu den Highlights und hinterlassen auch jetzt mit "Ghetto" feat. Jmi Sissoko bzw. mit "Légende d'hiver" feat. K-Reen einen wiederholt guten Eindruck.
Und wer nutzt diesmal das angesprochene Sprungbrett ? Wenn man der Arithmetik der Taxi Soundtracks glauben darf, dürfen sich Bakar ("Etre un homme"), El Matador ("Génération Taxi") und Kalash L'Afro ("Retour à la base") dank vernünftiger Performances auf eine grosse Zukunft freuen. Aber vor allem Grödash unterstützt diese These, denn seine Punchlines auf dem clubtauglichen Sound von "Ennemi public" sind wirklich ganz grosses Kino. Médine kann sich derweil entspannt zurück lehnen, denn dass der Mann aus Le Havre längst kein Sprungbrett mehr nötig hat, beweisst er diesmal mit dem melancholischen "Les contraires".
Vergisst man den schwächeren Auftritt von Lim, Larsen & Boulox ("Taximan") und mixed das Ganze mit tightem R'n'B von Shy'm ("Victoire Remix"), abwechslungsreichem Rai von Akil ("Nahreg alik") und einem Burner der arabischen Gesangslegende Khaled ("Benthi" feat. Melissa), erhält der Hörer genau das, was er erwartet hat: Die erfolgreiche Fortführung der ewig tighten Taxi Soundtrack Reihe.