BANLIEUE CHRONIQUES




Album:  Unité 2 Feu - Haine, misère et crasse .......................... Label:   Neochrome .......................... VÖ:  November 2006

Wer sich im französischen Rap Game ein wenig auskennt, der wird den Pariser Imprint Neochrome gut kennen. Denn gerade in den letzten 2 Jahren hat das Label einen kredibilen Release nach dem Anderen raus gehauen und mittlerweile scharrt es eine kleine Arme an hoch talentierten Artists um sich, die allesamt noch einiges bewegen können. Auch Al K.Pote und K.Tana alias Unité 2 Feu gehören diesem Kollektiv an und wollen mit ihrem Debüt "Haine, misère et crasse" den Aufstieg von Neochrome weiter antreiben.

Von der Einsicht, dass es bei einem solchen Release, einem Street Album mit insgesamt 29 Titeln, oft zu einigen Niveauabfällen kommt, bleiben zwar auch Unité 2 Feu nicht verschont, aber man braucht wirklich nicht lange suchen um mindestens genauso viele Highlights zu entdecken. Bereits der Opener "Les memes cartes" ist ein guter und harter Street Representer, dem mit einem geloopten Piano Sample zwar nicht allzu viel auf den Leib geschrieben ist, der aber sofort von der Chemie der beiden Rapper profitiert. Auch beim Nysay Feature "Essonne-haut de seine projection" beeindruckt das Zusammenspiel von Al K.Pote und K.Tana mehr als die guten Bars von Salif & EXS und "Allegence", ihre Kritik an unbedachten Gangsta Attitüden, liefert dem Hörer sowohl einen inhaltlichen, als auch einen musikalischen Höhenflug. Generell scheinen den Beiden die tieferen Schriftsätze zu liegen, denn auch das nachdenkliche "Generation Fuck Tout" bleibt auf Augenhöhe mit den besten Songs des Albums.

Der Sample von "Fer le dance" wurde in der Hip Hop Welt schon desöfteren heran gezogen, die Version von Unité 2 Feu bietet aber trotzdem bisher ungehörte Elemente. Der folgende Posse Track "Blood Brothers" ist ein 1 A Kopfnicker im Boom Bap Style, der vor allem wegen der vielen tighten Features der kompletten Tenebreuse Mafia im Ohr hängen bleibt. Um es mal auf den Punkt zu bringen: Die deepen Stücke auf "Haine, misère et crasse" sind klar in der Überzahl und das mit Sicherheit auch weil diese die Königsdisziplin von Al K.Pote und K.Tana dar stellen, aber auch deftige Street Banger wie "On rentre dans le tas" mit derben Gast Punchlines von Seth Gueko und Nubi brauchen sich wahrlich nicht zu verstecken.

An Einfallsreichtum fehlt es in jedem Fall nicht. Denn wer hätte geglaubt, dass mit "Sucez moi" der Disco Hit "Thats the way" von KC & the Sunshine Band mal so imponierend auf französischen Hip Hop getrimmt wird ? Ganz so innovativ ist die Produktion von "Rimes de vampires" zwar nicht, aber die 1001 Bars der ewig langen Featureliste (Grodash, Larsen, Ades, Nasme, Samm...) würden auch auf einer Beatbox Einlage von Dieter Bohlen nice rüber kommen. Der zweite Beitrag von LIM bringt bei "Unité 2 feu" fast genau soviel Freude wie der zweite von Seth Gueko bei "Le temps qui court" und was Unité 2 Feu zusammen mit Ol Kainry auf den stilsicheren Funk Sample von "L'oeil du tigre" performen, spielt weit oben in der ersten Liga. Bei "Frissonnez" bleibt dem Hörer kaum eine andere Wahl als zustimmend mit dem Kopf zu nicken und bei "Crever l'abcès" hauchen zwei tighte MCs wieder mal einem eigentlich tot geglaubten Sample neues Leben ein.

Nachdem man dann "Inflammable", "Rap Love" feat. Nubi & Demon One und auch "Nique l'état" feat. LIM lobend erwähnen möchte, stellt sich dem Kritiker die berechtigte Frage: Wo genau waren jetzt nochmal die schwachen Songs auf "Haine, misère et crasse" ? Mein Tip: Auch wenn einem die Antwort dadurch nicht wirklich leichter gemacht wird, einfach nochmal von vorne beginnen......

Autor: Maik Ritter




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