BANLIEUE CHRONIQUES




Album:  Youssoupha - A chaque frère .......................... Label:   Hostile .......................... VÖ:  März 2007

Leider ist das Debüt Album "A chaque frère" von Youssoupha nicht das Meisterwerk geworden, was ihm so mancher Kritiker zugetraut hat. Denn dafür birgt die 16 Song starke Trackliste noch zu viele, kleine Stolpersteine, dafür ist das Gesamtkonzept noch nicht ausgereift genug. Aber trotzdem ist es ein weiterer, grosser Schritt in Richtung Spitze, denn die vorhandenen Highlights reichen alle mal aus, um die Position von Youssoupha in diesem Spiel weiter zu verbessern.

Nicht das hier ein falscher Eindruck entsteht: "A chaque frère" macht durchweg Spass und spielt sich konstant auf hohem Niveau ab. Aber von einem Ausnahmetalent wie Youssoupha eines ist, kann man eben noch mehr erwarten. Dabei blässt dem Hörer im ersten Drittel des Albums kein Wind, sondern ein ganzer D-Zug von Wirbelstürmen um die Ohren. Was Youss für den Opener "A Chaque Frère" in der Booth hinterlassen hat, dürfte in der Kategorie Wortwitz konkurrenzlos alles wegfegen was in den letzten Monaten so released wurde. Die Singleauskoppelung "Ma destinée" erweist sich nicht nur als ausgezeichneter und hartnäckiger Ohrwurm, sie besticht ausserdem mit Bars & Flows die ihres Gleichen suchen und schreibt sich trotzdessen eine, vor positiver Energie strotzende, Tiefe auf die Fahnen, die man so nur äusserst selten vernimmt. Die Gesellschaftskritik von "Les apparences nous mentent" sitzt sicher und tight und wenn man in Zukunft im Handbuch für erfolgreichen Rap unter "wie produziere ich einen nach guter Laune klingenden und humoristischen Street Banger" nachschlägt, wird "Macadam" dort sicherlich als Paradebeispiel angegeben. Der Sound von "Dangereux" klinkt nicht zuletzt wegen des dicken Loops wieder mehr Aggressivität mit ein, läuft aber genauso begeisternd auf Repeat im I-Pod wie "Maca-Dam-Dam".

Doch dann beginnt das zweite Drittel und zumindest die Produzenten von Youssoupha müssen dem hohen Tempo aus den ersten 20 Minuten ein wenig Tribut zollen. Bei "Les meilleurs ennemis" mag die Collabo mit Diam's einigen ausreichen um den Track als gelungen zu betrachten, für das reine Vergnügen reicht der Beat mit seinen nervösen Pianos aber nicht aus. Die performten Punchlines bei "Nouveau désordre" sind über jeden Zweifel erhaben, der Mainsample der Produktion erinnert aber zu sehr an eine misshandelte Schiefertafel und wirkt damit eher allergieauslösend als einnehmend. Richtig gut wird es erst wieder mit "Ma sueur et mes larmes". Nachdenkliche und sehr ehrlich vorgetragene Lyrics mit Gesangsunterstützung von Mike Génie, die ausschliesslich auf die Begleitung einer Gitarre stattfinden, mögen für den ein oder anderen etwas zu experimentell sein, musikalisch betrachtet ist dieser Titel aber besonders wertvoll. Auch die Message von "One love" verdient gehörigen Applaus und mit "Scénario" folgt der vielleicht strickteste Banger auf "A Chaque Frère".

"En marge" und "Dans une autre vie" sind, trotz guter Gast Punchlines von S-Pi, typische Album Titel die nicht weiter ins Gewicht fallen und sich recht unauffällig in die Trackliste einreihen. Wenn sich Youssoupha allerdings mit Altmeister Kool Shen zusammen setzt, um ein besonders ausgefallenes Konzept auszutüfteln, kann der geschulte Rap Francais Freund wahrscheinlich schon erahnen was für eine, in diesem Fall düstere, Bombe ihn erwartet und "Le monde est à vendre" übertrifft wirklich alle Erwartungen. Nach einem etwas lahmen "Rendons à Césaire..." gibt es mit "Classique" nochmal ein treibendes Highlight, welches besonders Violinen Fetischisten unter die Haut gehen dürfte und selbst wenn "Eternel Recommencement" auch heute noch ein guter Track ist, hätte man den Titelsong von Youssoupha's erstem Release aus dem Jahr 2005 nicht noch einmal ausgraben müssen.

Wie gesagt, ein Meisterwerk ist "A Chaque Frère" nicht. Dafür geht Youss auf Albumlänge sein Genie noch zu oft verloren. Aber wer auf seinem ersten Album, Burner Tracks wie einige der hier Erwähnten abliefert, allesamt mit gänzlich unterschiedlichen Identitäten, der spielt nicht nur bereits jetzt eine wesentliche Rolle im Game, dem gehört vor allem die Zukunft.

Autor: Maik Ritter




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