SAIAN SUPA CREW INTERVIEW
Im Rahmen ihrer Europa Tournee machte die Saian Supa Crew halt in Frankfurt/ Main und Saian Member Sly the Mic Buddah, Europas ungeschlagene Human Beatbox, stellte sich der Banlieue Connexion zum exklusiven Interview:
Banlieue Connexion:
Ihr habt euer letztes Album "Hold Up" während eines relativ kurzen Zeitraumes aufgenommen - wann habt ihr begonnen?
Sly:
Wir arbeiten eigentlich immer sehr schnell und diesmal hatten wir uns sogar richtig viel Zeit genommen. Ich schätze wir haben etwa 10 Monate für die Produktion gebraucht.
Banlieue Connexion:
Wie kam es zur Zusammenarbeit mit Patrice?
Sly:
Patrice ist ein Freund von uns. Wir haben ihn vor 5 Jahren auf einem Festival in der Schweiz kennen gelernt und seine Musik sofort gefühlt. Auch er mochte unseren Sound von Beginn an und so haben wir connectet. Seitdem ist er sehr oft vorbei gekommen wenn wir Gigs in Deutschland hatten und im Laufe der Zeit wurden wir richtige Freunde.
Banlieue Connexion:
Auf der Single "La Patte" wird Will.I.am von den Black Eyed Peas gefeatured. Wie entstand der Kontakt zu ihm?
Sly:
Die Black Eyed Peas hatten eine grosse Show in Paris. Danach habe ich mich mit Will getroffen, ihm den Track vorgespielt und ihn gefragt ob er nicht Lust hat bei dem Song mit zu machen. Er sagte nur "Oh yeah - thats my shit", sagte mir dass er in einer Woche wieder in Paris sei und gab mir seine Nummer. So kam es zu dem Feature. Er ist ein sehr netter Mensch und ausserdem arbeitet er sehr professionell, deshalb war es unheimlich interessant mit ihm im Studio zu stehen. Ich denke das wird auch nicht die letzte Collabo mit Will gewesen sein. Er macht demnächst ein Projekt bei BBE Music und vielleicht werden wir ebenfalls dabei sein.
Banlieue Connexion:
Auf "Hold Up" ist auch eine Produktion von Oh No zu finden. Wie kam denn dieser Kontakt zu stande?
Sly:
Ich wollte für ein Solo Projekt von mir unbedingt mit Wildchild und Declaime zusammen arbeiten. Die Beiden waren für ein Stones Throw Konzert gerade in Paris und ich fragte meinen Freund DJ Fab ob er mich den Jungs nicht vorstellen könnte. Das hat er gemacht und nach der Show sind die Jungs mit mir ins Studio gekommen und wir haben die Tracks aufgenommen. So kam auch der Kontakt zu Oh No zustande. Als wir dann an "Hold Up" gearbeitet haben, haben wir ihn angerufen und gefragt ob er nicht einen Beat für uns hat. 10 Minuten später hatten wir 20 Beats von ihm (lacht). Wir haben uns dann 5 Beats gepickt aber letztendlich nur einen für "Hold up" verwendet.
Banlieue Connexion:
Ihr habt nicht nur auf "Hold Up", sondern auch auf den vergangenen beiden Alben "KLR" und "X-raison" kaum Features von französischen Künstlern. Gibt es dafür einen besonderen Grund?
Sly:
Nein eigentlich nicht. Ausserdem featuren wir auf "Hold up" die französische Sängerin Camille, mit der ich schon davor zusammen auf der Bühne stand. Auf ihre ganz persönliche Art und Weise ist sie ebenfalls eine Human Beatbox.
Banlieue Connexion:
Trotzdem gab und gibt es keinen einzigen Feature von einem französischen Hip Hop Act. Wollt ihr euch von dieser Szene ein wenig distanzieren?
Sly:
Nein, auf keinen Fall. Es gibt durchaus einige französische MCs deren Style uns gut gefällt, aber bis jetzt ist es eben noch zu keiner Zusammenarbeit gekommen.
Banlieue Connexion:
Was denkst du über den in Frankreich populär gewordenen Gangster Rap? Es ist im Moment wirklich schwierig einen Release zu finden auf dessen Cover keine Knarren zu sehen sind.
Sly:
Ich kenne viele gute MCs die wirklich gute Musik machen, aber weil sie nicht über Waffen oder ihr Viertel sprechen, haben sie derzeit kaum eine Chance sich Gehör zu verschaffen. Das ist ein echtes Problem, denn die Radiosender spielen nichts anderes mehr und Künstler die diesen Stil nicht bedienen bekommen so gut wie keinen Output mehr.
Banlieue Connexion:
Ist diese Welle von harten Lyrics, von Gangsta Rap vielleicht auch eine Folge die Politikern wie Sarkozy zu verdanken ist?
Sly:
Dieser Typ, dieser Herr Sarkozy sagt nur das, was die französische Obrigkeit hören will. Er wird alles machen und sagen um genug Stimmen für seinen Wahlkampf zu bekommen und deshalb schiesst er sich auf das sehr populäre Problem der Banlieue`s ein. Dabei hat Frankreich noch so viel mehr Probleme und ich glaube nicht, dass Mr. Sarkozy sich auch über diese seinen Kopf zerbricht. Ich hoffe er wird den Wahlkampf am Ende nicht gewinnen und wenn doch...(es folgt ein tiefer Seufzer).....Wir haben so viel Arbeit zu erledigen und ich glaube nicht, dass er das bewerkstelligen könnte.
Banlieue Connexion:
Haben die Ausschreitungen in den Banlieue`s eure Texte beeinflusst?
Sly:
Nein, überhaupt nicht. Wir haben diese Situation schon lange vor den Riots in unseren Lyrics verarbeitet und wenn wir uns gerade so fühlen, werden wir auch wieder daruber sprechen. Im Allgemeinen hängt das Thema unserer Texte immer von unserer persönlichen Gemütslage ab.
Banlieue Connexion:
Seit eurem letzten Album hat sich einiges ereignet, so hat zum Beispiel Spectah die Crew verlassen. In wie fern hat das euren Sound beeinflusst?
Sly:
Unser Sound hat sich mit Sicherheit ein wenig verändert. Viele Leute sagen mir, dass sich "Hold up" wesentlich weniger nach Rap anhört als die Alben vorher. Das mag schon sein, aber dafür klingt das nächste vielleicht wieder umso mehr danach. Ich meine Spectah hat uns immerhin schon vor drei Jahren verlassen. Wir sind immernoch Saian und wir machen immernoch was wir machen wollen.
Banlieue Connexion:
Nach "X-raison" von 2001 habt ihr euch alle diversen Soloprojekten gewidmet. Was haben euch diese im Bezug auf die Arbeit für "Holp up" gebracht?
Sly:
Ich denke das wir viel Selbstvertrauen gewonnen haben. Die Soloprojekte haben uns die Möglichkeit gegeben, mit Musikern aus völlig verschiedenen Richtungen zu arbeiten. Zudem haben uns die Projekte gezeigt, in welche Richtung wir musikalisch gehen möchten, was sich schließlich auch auf die Saian Supa Crew auswirkt.
Banlieue Connexion:
Gerüchten zufolge soll "Hold up" euer letztes gemeinsames Album sein?
Sly:
(Grinst) Oh nein, dass ist nur ein dummes Gerücht.
Banlieue Connexion:
Gab es denn Projekte für "Hold Up", wie zum Beispiel weitere Features, die nicht geklappt haben?
Sly:
Für die Single "La Patte" hatten wir uns zuerst Andre3000 von Outkast als Feature gewünscht. Aber das war zu kompliziert weil der jetzt mehr seiner Schauspielkarriere nach geht. Aber Will I.AM ist auch verrückt genug für den Song.
Banlieue Connexion:
Um mal auf eure Tour zu sprechen zu kommen: Ihr seid nicht zum ersten mal in Deutschland, wie ist euer Eindruck vom deutschen Publikum?
Sly:
Ja stimmt, wir sind jetzt zum zweiten Mal auf Tour in Deutschland und ich muss sagen die Crowd hier ist die Beste. Kein Witz. Besser als in Frankreich. Auch wenn es sich kurios anhört, aber irgendwie fühlen wir uns hier besser verstanden als in Frankreich.
Banlieue Connexion:
Mehr Akzeptanz trotz Sprachbarriere? Vielleicht weil das deutsche Publikum sich eher auf den Vibe einlassen muss?
Sly:
Ja mann. (lacht). Das ist total verrückt aber ich glaube das könnte es sein.
Banlieue Connexion:
Habt Ihr eigentlich auch Kontakte zur deutschen Szene bzw. zu deutschen Artists?
Sly:
Ja klar. Zum Beispiel zu Seed. Für ihre Single "Ding" haben sie einen Remix gemacht, bei dem sind wir dabei. (lacht) Ist wirklich lustig. Ausserdem wollen wir unbedingt mit Afrob zusammen arbeiten. Wir fahren voll auf seinen Style ab. Vielleicht auch mit Curse.
Banlieue Connexion:
Ihr kennt also bereits einige Acts aus Deutschland...
Sly:
Aber sicher. Curse oder Samy Deluxe. Kool Savas aber der....(grinst). Die Massiven Töne (verzieht das Gesicht). Und natürlich Afrob. Das ist ganz klar mein Favorit.
Banlieue Connexion:
Wie sieht es mit zukünftigen Solo Projekten von Sly the Mic Buddah aus? Sehen wir vielleicht eine Collabo von dir und Rahzel?
Sly:
Oh mann (grinst). Das ist verdammt kompliziert. Wir haben uns schon so oft getroffen und haben sogar schon darüber gesprochen. Wir dachten beide, dass wäre der Wahnsinn aber es ist sehr schwierig. Er lebt in den Staaten und ich in Frankreich und wir haben beide verdammt viel zu tun. Er fragte mich mal ob ich mit ihm auf Tour gehen wolle und ich sagte natürlich sofort ja, aber das hat leider nicht geklappt. Ich hoffe wir schaffen es irgendwann mal zusammen zu arbeiten.
Banlieue Connexion:
Und wer ist der bessere Beatboxer? Sly the Mic Budda oder Rahzel the Godfather of Noize?
Sly:
(Lacht) Das müssen die Hörer entscheiden. (lacht wieder) Nein, nein. Er ist der Godfather of Noize.
Banlieue Connexion:
Wie sieht es mit ernsthaften Solo Projekten aus?
Sly:
Die gibt es und ich arbeite bereits fleissig. Ich habe zwar noch keinen Vertrag mit einer Plattenfirma, aber ein Label hat grosses Interesse und ich denke da wird sehr bald etwas auf euch zu kommen.
Banlieue Connexion:
Ok, cool. Eine letzte Frage noch: Wer wird Weltmeister? Frankreich?
Sly:
(lacht, ruft Saian Partner Leeroy Keziah herbei und stellt ihm dieselbe Frage) Frankreich. Ist doch klar. (beide lachen)

v.l.: BC Chef Mad Mic, Sly, Leeroy, DJ Karve
Das Interview wurde geführt von Borism (Radio Hip Hop Culture) und Mad Mic (Banlieue Connexion). Wer Lust hat sich die Audio Version des Interviews nochmal rein zu fahren, der sollte unbedingt einen Abstecher zu unseren Kollegen von Hip Hop Culture machen.
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